Vergessene Kinder?

Kinder psychisch erkrankter Eltern standen kürzlich an einer vom Ausserrhoder Bündnis gegen Depression organisierten Veranstaltung im Zentrum. Erkenntnis: Es gibt noch viel zu tun.

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Fachleute denken über Kinder psychisch erkrankter Eltern nach und erarbeiten, was es noch alles zu tun gibt. (Bild: pd)

Fachleute denken über Kinder psychisch erkrankter Eltern nach und erarbeiten, was es noch alles zu tun gibt. (Bild: pd)

ausserrhoden. Über 80 Fachpersonen aus den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen folgten kürzlich der Einladung des Ausserrhoder Bündnisses gegen Depression, um in Referaten und Workshops die Kinder psychisch erkrankter Eltern ins Zentrum zu rücken. Die Diskussion habe einen blinden Fleck ausgeleuchtet, heisst es in einer Medienmitteilung. Ein grosses Präventions- und Sparpotenzial liege brach. Als nächste Schritte gelte es, Wissen zu vernetzen und gemeinsam am Ball zu bleiben.

Mehrfach belastet

Wie aus der Medienmitteilung weiter hervorgeht, können Kinder, so sich ein Elternteil in seelischer Not befindet, zu kurz kommen. Solche Kinder seien mehrfach belastet: Sie wollten fragen, lachen und spielen und hörten immer wieder: «Jetzt nicht».

Viele Kinder würden nie eine altersgemässe Information erhalten und wüssten gar nicht, dass Mama/Papa krank sei. Sie glaubten, heisst es weiter, an allem selber schuld zu sein. Aus Angst, die Eltern zu verraten, wird der Kummer niemandem anvertraut.

Gespräch schwierig

Für Eltern ist es schwierig, mit den Kindern zu reden. Fehlt es an Krankheitseinsicht, ist ein offenes Gespräch nicht möglich. Weiter wird in der Mitteilung die grosse Angst von Eltern angesprochen, das Sorgerecht für die Kinder zu verlieren. Und die Fachpersonen im Gesundheits- und Sozialwesen konzentrierten sich vor allem auf ihre Patientinnen und Patienten. Dabei gehe unter, dass eine psychische Krise eine massive Belastung für die ganze Familie mit sich bringe. «Besonders leiden die Kinder. Sie tragen ein Risiko, selbst psychisch zu erkranken, das um ein mehrfaches höher ist als jenes von Kindern gesunder Eltern», heisst es weiter. Sie blieben allein mit ihren Kindersorgen und liefen Gefahr, zu Sorgenkindern zu werden.

Kinder zum Thema machen

Im weiteren wird im Text geschildert, was Kinder psychisch erkrankter Eltern brauchen. Erstens: Nach Möglichkeit weiterhin Kontakte pflegen zu anderen Erwachsenen und Kindern. Stabile und tragfähige Beziehungen auch ausserhalb der Familie können viel auffangen. Zweitens: Die Situation annehmen, wie sie ist. Kinder sind belastbar – wenn sie verstehen, was los ist. Voraussetzung ist gute Information über Erkrankung, Behandlungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote. Drittens: In guten Tagen planen, kann helfen, Krisenzeiten zu bewältigen: Welche Vertrauens- oder Fachperson kann angerufen werden? Wer betreut die Kinder, kauft ein, kocht und putzt? Wo können die Kinder ein paar Stunden unbeschwert spielen?

Betroffene Familien möglichst früh unterstützen, sie stärken und verlässlich begleiten: Dies ist das Ziel einer künftig verstärkten Zusammenarbeit der Fachpersonen im Rahmen des Ausserrhoder Bündnisses gegen Depression, heisst es abschliessend. (pd)

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