Verena Stark, zum Beispiel

Brosmete

Gabriele Barbey
Drucken
Teilen

Ende Juni ist Verena Stark, geboren 1925 in Schönengrund, in Herisau gestorben. Im Katalog der Bibliothek Herisau finde ich den Vermerk, dass Verena Stark 1995 aus ihrem damals neuen Buch «Geflochtene Leben» vorgelesen hat. Ja, ich erinnere mich an eine ältere Dame, sehr vif, weissmelierte Lockenfrisur, keck hochgesteckt, schnelle, zackige Bewegungen. Starks autobiografisches Vier-Generationen-Buch findet man in Bibliotheken und einen repräsentativen Ausschnitt auch in der kürzlich erschienenen Appenzeller Anthologie. Die Autorin schreibt über ihre Kindheit und Jugend in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts: «Weber gab es nicht mehr, und die Sticker hatten ihre Maschinen verschrotten lassen müssen. Der Stickereiverband zahlte zweihundert Franken Alteisengeld und vierhundert Franken Prämie, wenn man versprach, nie mehr eine Maschine aufzustellen im Haus.» Und weiter: «Die Firma Hubatka aus dem Rheintal vergab eine ganz neue Heimarbeit: Filetstickerei; Tischdecken, grosse und kleine ...».

Verena Stark gibt uns mit ihrer «Familienchronik» sehr persönlich gefärbte Einblicke in die Sozialgeschichte der Ostschweiz, speziell des Appenzeller Hinterlandes. Übrigens findet sich auch eine Textstelle, wo es um Ferien geht: Hans, im Buch der Vater der Autorin, spart heimlich Geld, und das erlaubt ihm und seiner Frau vor dem zweiten Weltkrieg tatsächlich eine Reisewoche an die Riviera.

Liebe Lesende, ich wünsche gute Sommerferien(lektüre)!

Gabriele Barbey

Die Bücher zur Brosmete: Verena Stark: Geflochtene Leben, Verlag Papillon 1993 / Appenzeller Anthologie. Literarische Texte seit 1900. Appenzeller Verlag 2016 / Christa und Emil Zopfi: Sonnenlüfte atmen. Literarische Wanderungen in der Ostschweiz. Rotpunkt 2017.