«Vereine wollten zu Hause auftreten»

OBEREGG. Das Projekt «Wanderbühne Ledi» kommt diesen Sonntag nach fünf Monaten zu seinem Ende, und inzwischen ist für die Verantwortlichen klar: Das Konzept ist voll aufgegangen.

Ueli Abt
Drucken
Teilen

OBEREGG. Das Projekt «Wanderbühne Ledi» kommt diesen Sonntag nach fünf Monaten zu seinem Ende, und inzwischen ist für die Verantwortlichen klar: Das Konzept ist voll aufgegangen. Mit der Sefar-Bar im Erdgeschoss sollte ein Anziehungspunkt geschaffen werden, der Begegnungen der Menschen untereinander führt – aber auch zu Begegnungen der Menschen mit verschiedensten Arten von Kultur. «Mit der Zeit haben die Leute gemerkt, dass man einfach hingehen, Leute treffen und sich vom Programm überraschen lassen kann», sagte die Leiterin des Ausserrhoder Amtes für Kultur, Margrit Bürer, gestern vor den Medien. Volks- und Hochkultur seien dabei harmonisch ineinander geflossen.

310 Veranstaltungen

Läuft es in den verbleibenden paar Tagen noch so weiter wie bisher, werden nach der Hochrechnung der Ledi-Verantwortlichen die 310 Veranstaltungen, Führungen und Workshops insgesamt fast 18 000 Eintritte erzielt haben. Damit wurde ein Anlass im Schnitt von knapp 60 Besuchern besucht.

Kaltstart in Herisau

Einen Kaltstart im wahrsten Sinne des Wortes habe die Ledi in Herisau erfahren, angesichts der durchwegs nicht sehr besucherfreundlichen tiefen Temperaturen. Spätestens in Gais habe man aber die positive Resonanz seitens des Publikums gespürt. «Genau so ein Treffpunkt fehlt uns sonst im Dorf», habe es da geheissen.

Allerdings habe sich während der fünf Monate aber auch die eine oder andere skeptische Stimme erhoben, wie Projektleiter Hannes Göldi gestern vor den Medien sagte. «So, jetzt seid ihr also hier mit eurer Geldvernichtungsmaschine», habe es beispielsweise an einem der Ledi-Standorte geheissen. Im Verlauf der zehn Aufenthaltstage habe sich dann aber der weitere Kontakt mit dem betreffenden Besucher als sehr nett erwiesen.

Insbesondere einzelne anspruchsvolle Darbietungen hätten zuweilen kritische Kommentare geerntet, wie Agathe Nisple von der Programmgruppe ausführte: «Dass die Leute kamen und sich hier äusserten, statt die Ledi bloss zu Hause zu kommentieren, war unser Ziel.»

Projektkoordinatorin Bürer sagte zudem, sie hätte sich seitens der auftretenden Chöre und Vereine eine grössere geographische Offenheit gewünscht – etwa, dass ein Verein in Oberegg aufgetreten wäre statt in seinem Heimatort Appenzell. «Es hat mich frappiert, dass die Menschen am liebsten zu Hause auftreten wollten.» – nicht immer sei es geglückt, die Beteiligten zu einem Gastspiel zu motivieren. Selbstkritisch merkte Bürer zudem an, dass es am Anfang nicht vollumfänglich gelungen sei, die Idee der Ledi-Bühne zu kommunizieren – in diesem Punkt seien zu Beginn dann auch die Medien überfordert gewesen.

Rückbau nach Ende

Wie zu Beginn vorgesehen, soll nach dem Schluss am Sonntag die Bühne zurückgebaut werden. Bürer betonte, dass es finanziell gesehen zu keinen bösen Überraschungen kommen werde; das Budget von 940 000 Franken könne eingehalten werden. Zuwendungen von Stiftungen, aber auch der ehrenamtliche Einsatz zahlreicher Freiwilliger, hätten dies ermöglicht.

Aktuelle Nachrichten