VEREIN: Sieben sind es auch im Bundesrat

Vor etwas mehr als 17 Jahren gründeten drei Freunde den Chaotenclub, der inzwischen sieben Mitglieder zählt. Sie bauen legendäre Fahrzeuge für Fasnachtsumzüge und laden auch einmal zu einem Grillplausch.

Fränzi Göggel
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Nur in allergrösster Not, wenn es kein Haldengut gibt, trinken sie fremdes Bier. Tschingi, Bäri, Gonzo (links von vorne), Haxe-Max, Condor, Brumi, Catcher (rechts von vorne) anlässlich eines Ausfluges im Glarnerland. (Bild: PD)

Nur in allergrösster Not, wenn es kein Haldengut gibt, trinken sie fremdes Bier. Tschingi, Bäri, Gonzo (links von vorne), Haxe-Max, Condor, Brumi, Catcher (rechts von vorne) anlässlich eines Ausfluges im Glarnerland. (Bild: PD)

Nicht ahnend, dass sie im Morgengrauen das fastnächtlich dekorierte Beizli in Bütschwil als Gründungsmitglieder eines neuen Vereins verlassen würden, trafen sich im Winter 2000 drei Kollegen im Restaurant Grütli. Anlässlich des ersten Bütschwiler Fasnacht-Nachtumzuges suchte das ebenfalls im Restaurant anwesende Fasnacht-Organisationskomitee weitere Vereine, die das nächtliche Spektakel aktiv bereicherten.

Aus einer Bierlaune heraus gründeten Marcel Eisenring, Stefan Fischer und der im Dezember 2012 verstorbene Hans Gehrig den Chaotenclub. «Sieben Mitglieder sollten es sein, genau so viele wie Bundesräte», erzählt Marcel Eisenring augenzwinkernd. Es war ein leichtes, vier weitere Kollegen für den Club zu überzeugen, kannten sich die Männer doch von früher und waren schon einige Male zusammen chaotisch unterwegs gewesen.

Umgetauft passt’s besser zum Club

«Die erste GV war nach der fünften Bierrunde beendet», berichtet Marcel Eisenring, der damals zum Präsidenten gewählt wurde. Der Chaotenclub sollte eine reine Männerangelegenheit sein, und der Jahresbeitrag von 20 Franken sei angemessen, bestimmten die Mitglieder. Jeder bekam einen Spitznamen. So nennen sich die drei Chaotenclub-Gründer, der Töffmechaniker Marcel Eisenring «Condor», der LKW-Fahrer Stefan Fischer «Brumi» und der Automechaniker Hans Gehrig schlicht «HG». Die weiteren Mitglieder: der muskulöse Migg Brunner wird «Catcher» gerufen, der Bierbrauer Remy Bärlocher «Bäri», der Schreiner Franz Koller «Gonzo». Noldi Brändle, der Pizza-Liebhaber, wird «Tschingi» genannt, und nach dem Tod von «HG» wurde Max Loser, alias «Haxe-Max» in den Club aufgenommen. Die Chaotenclübler sind alle aus dem Raum Bütschwil/Dietfurt, und ihr Ziel, an regionalen Fastnachtsumzügen und dem legendären Dietfurter Kinderwagenrennen mit Speziellem mitzumachen, treiben sie mit viel Engagement voran. Wochen im Voraus tüfteln sie in der Werkstatt an speziellen Fahrzeugen.

Ob Konstruktionen für frisch gebratene, fliegende Pouletschenkel, die Möglichkeit, am Fasnachtsumzug im fahrenden Wagen Suppe zu kochen, oder der spektakuläre Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafiallajökull – für alles, was fahren soll, übernahm von Berufes wegen «Condor» die Leitung. Je nach Fantasie baute er zwei-, drei- oder vierrädrige Fahrzeuge.

Damals noch aktiv im Beruf, sammelte er Unfallmotorräder zum Abändern. Aus drei lädierten BMW-K-100-Töff baute er in 140 Stunden das 200 PS starke, dreirädrige Megamoto, auf dem alle Chaoten ihren Sitzplatz hatten. Für ein anderes Sujet fertigte er ein heftig motorisiertes Velo mit sieben Plätzen an. «Leider sind solche Sachen heute nicht mehr möglich», trauert «Condor» den unbeschwerten Zeiten nach und fährt fort: «Aus zwei Fiat Punto baute ich in 100 Stunden einen, indem ich ein Auto kürzte, das Chassis des andern verlängerte, die beiden aneinander schweisste und die Bremsen plus die Elektrik nach hinten versetzte. Um damit am Umzug teilzunehmen, hätten wir einen Versicherungsnachweis gebraucht!» 2015 gab es einen Präsidentenwechsel. «Condor» wollte nicht mehr und gab sein Amt an «Gonzo» weiter.

Spanferkelplausch mit voller Festwirtschaft

Um etwas Geld für ihre jährlichen Ausflüge in die Kasse zu bekommen, lassen sich die Männer an diversen Anlässen engagieren. Ab und an servieren sie während der Fasnacht in dekorierten Beizen oder organisierten einst einen Apéro. «Wir sind schon ein wenig ein versoffener Verein», petzt «Condor», «aber wir arbeiten seriös.» Am bereits dritten Spanferkelplausch vergangenen Samstag im Brauerei-Depot in Bütschwil bewies «Haxe-Max» seine Grillkünste. Innert Kürze war die 53,6 Kilo schwere Sau gegessen, und die Festwirtschaft war rappelvoll, freuten sich die Chaoten über den gelungenen Anlass. Nun geht es für den Chaotenclub erst einmal auf eine etwas grössere Reise, eine Woche per Rheinschiff nach Amsterdam und zurück.