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VERBINDUNG: Trachten machen Appenzeller

Zu den Appenzellern gehört die Tracht wie der Bläss zum Bauernhof. Die Appenzeller Tracht geniesst internationale Berühmtheit und ist, zusammen mit der ähnlichen Toggenburger Tracht, wohl die bekannteste der ganzen Schweiz.
Sara Leu
Nur kleine Unterschiede bei den Stickereien verraten, welches das Innerrhoder und welches das Ausserrhoder Brusttuch ist. Auf dem Bild ist links das Innerrhoder «Liibli» und rechts das Ausserrhoder «Broschttuech» zu sehen. (Bilder: Sara Leu)

Nur kleine Unterschiede bei den Stickereien verraten, welches das Innerrhoder und welches das Ausserrhoder Brusttuch ist. Auf dem Bild ist links das Innerrhoder «Liibli» und rechts das Ausserrhoder «Broschttuech» zu sehen. (Bilder: Sara Leu)

Sara Leu

sara.leu@appenzellerzeitung.ch

Rote Weste, gelbe Hose: Das ist die berühmte Appenzeller Tracht. Die jahrhundertealte Kleidertradition verbindet die Appenzeller, egal ob man selber stolz eine Tracht trägt oder nicht. Ohne sie wären viele Bräuche im Appenzellerland undenkbar. Sie gehört einfach dazu. Eine Tracht ist wertvoll und eine kostspielige Angelegenheit. Eine normale Sennentracht koste mehrere Tausend Franken, sagt Walter Frick vom Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch. Er ist der Spezialist für Brauchtum und Traditionelles des Museums. Die Sennentracht der Ausserrhoder, der Innerrhoder und der Toggenburger sei im Grossen und Ganzen ziemlich gleich. Bei den Stickereiverzierungen und anderen Details gäbe es einige Unterschiede, sagt Walter Frick. Was bei der Toggenburger Sennentracht besonders ist, ist die Silberhalskette. «Eine Silberhalskette tragen wir im Appenzellerland nicht», so Walter Frick weiter. Die Männertracht entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert.

Doch bei der Ausserrhoder und der Inner­rhoder Tracht gibt es auch Unterschiede, vor allem bei der Frauentracht. Diese unterscheiden sich eigentlich vollkommen von ein­ander. Die Männertracht sieht mehr oder weniger in beiden Kantonen gleich aus. Die wenigsten Appenzeller kennen die kleinen Unterschiede der Halbkantone. Für Auswärtige sieht sie wahrscheinlich vollkommen gleich aus. Was aber sicher in beiden Kantonen gleich ist, ist die Leidenschaft der Trägerinnen und Träger.

Französischer Einfluss im Appenzellerland

Die Bauern- und Sennentracht wurde über all die Jahre in beiden Kantonen getragen. Im 18. und 19. Jahrhundert gab es im Appenzellerland wenig Arbeit. Deshalb mussten viele, auch Bauern, als Gastarbeiter im Ausland Arbeit suchen. Und so kam es, dass sich auch die Appenzellertracht nach französischem Modebeispiel orientierte. Der Schnitt der Weste ist typisch für damalige französische Mode. Die Tabakpfeife, das «Lindauerli», die zu einer Bauern- und Sennentracht dazugehört, komme ursprünglich aus Lindau, so Walter Frick. Die Appenzeller Gastarbeiter brachten Sachen nach Hause, die heute die Tracht vervollständigen, so Frick. Details veränderten sich über die Jahre und passten sich der Zeit an. Doch der Tradition blieb man immer treu.

Bei der Frauentracht sieht das etwas anders aus. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Trachten von den Frauen im Ausserrhodischen fast nicht mehr getragen. Das habe den Grund, dass es im Kanton Appenzell Ausserrhoden mehr Industrie gab und die Frauen oft in Fabriken arbeiteten, sagt Ursula Karbacher, Kuratorin des Appenzeller Brauchtumsmuseums Urnäsch. Die Innerrhoder Frauen haben ihre Tracht immer konsequent angezogen. Sie hatten ihre Arbeit auf dem Bauernhof und waren so öfter zu Hause und konnten sich der Trachtenstickerei und Näherei widmen. Erst in den Zwanzigerjahren beauftragte der Ausserrhoder Heimatschutz Paul Tanner (1882–1934), eine neue Sonntagstracht für die Frauen zu entwerfen. So kam die Trachtentradition auch wieder bei den Ausserrhoder Frauen auf.

Vom Beinriemen bis zur «Schuefe»

Die Appenzeller Männertracht ist komplex. Walter Frick weiss genau, was zur Sennentracht alles dazugehört. Es wird ein weisses Sennenhemd, das «Chüelihemd», angezogen, darüber zieht man mit Messing beschlagene Lederhosenträger an. Am Hemdkragen trägt man eine Silberbrosche mit Kuhmotiv. Als Beinkleid wird die braune «Ladehose» angezogen. Zur Sennenfesttagstracht gehören die gelben Lederhosen. Die Hose wird aus Hirsch- oder Ziegenleder hergestellt. Um den Bund gehört ein Tuch, der «Fetzen». Die Uhrenkette wird an der Hose befestigt. Bei der Festtagstracht ist sie sichtbar. Bei der normalen Sennentracht wird sie in der «Ladehose» verstaut.

Früher gab es noch keinen Gummizug, deshalb befestigte man die weissen Strümpfe mit einem Beinriemen. Als Ohrschmuck tragen die Männer eine «Ohreschuefe». Das Schuhwerk besteht aus schwarzen Lederschuhen, die vorne mit einer Brosche verziert sind. Die Trachten entwickelten sich immer weiter und gingen mit der Zeit. So gibt es, wie in der Mode generell, modernere und weniger moderne Exemplare.

Das wichtigste Stück bei der Männertracht ist die rote Weste. Ausserrhoder und Toggenburger nennen sie «Broschttuech» und die Inner­rhoder sagen «rots Liibli». Was die ­Innerrhoder und Ausserrhoder Weste unterscheidet, sind zum einen die Knopflöcher. In Innerrhoden sind sie gelb und im anderen Kanton weiss. Auch bei den Stickereien gibt es kleine Unterschiede. Im Spiegel der Weste, dem bestickten Kragen, sind die Motive verschieden. Bei vielen Innerrhoder «Liibli» sind meist ein Enzian und andere verschiedene Alpenblumen im Fokus. Im Toggenburg finden sich häufig Windrädli im Kragenspitz, zwischen den Knopflöchern ist nichts gestickt. «Wenn man nicht selber eine Tracht trägt, wird man die kleinen Unterschiede kaum bemerken. Sie sind alle sehr ähnlich und unterscheiden sich in den Details», so Frick. Wenn es kalt ist oder regnet, wird die gelbe «Fueteschotte» angezogen. Diese ist ebenfalls mit Blumen- und anderen Motiven bestickt.

Herausgeputzt für die Alpfahrt

Jeder Tag, an dem die Tracht in den Einsatz kommt, ist speziell. An Alpfahrten tragen die Sennen die gelben Festtagshosen und dazu einen schwarzen Filzhut, der mit Blumen verziert ist. Musikanten und Chöre treten immer gerne in ihren Trachten auf. Bei «Stobeten» und Viehschauen zieht man sich natürlich auch festlich die Tracht an. Was man bis heute immer wieder sieht, sind Trachten an Hochzeiten. Nicht nur bei Bauernhochzeiten ist das «Broschttuech» die bevorzugte Kleidungswahl.

In beiden Kantonen gibt es Stickerinnen, oftmals pensionierte Frauen, welche die schönen Brusttücher anfertigen. Jedes Jahr hat es im Appenzellerland junge Konfirmanden, die den grossen Tag in Tracht verbringen. Frick sagt, dass immer wieder auch junge Leute Freude am Handwerk und an der Tradition finden. Angst, dass die Tradition ausstirbt, hat er deshalb keine. Und wer will schon, dass die Appenzeller Tracht nicht mehr getragen wird. Sie ist und bleibt das Symbol der Appenzeller.

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