Verbesserter Schienenverkehr

In rund einem Jahr tritt der neue Zugfahrplan in Kraft. Mit der «S-Bahn St. Gallen 2013» bleibt die Verbindung ins und aus dem Toggenburg gut. Neu kann halbstündlich ins Neckertal und in Richtung Nesslau gefahren werden.

Olivia Hug
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Das Liniennetz im Toggenburg sieht mit der «S-Bahn St. Gallen 2013» anders aus. Die hiesigen Bahnhöfe werden durch die Regionalzüge S3, S4 und S9 erschlossen. Der Voralpenexpress hält nicht mehr in Degersheim. (Bild: Grafik: TT/jl)

Das Liniennetz im Toggenburg sieht mit der «S-Bahn St. Gallen 2013» anders aus. Die hiesigen Bahnhöfe werden durch die Regionalzüge S3, S4 und S9 erschlossen. Der Voralpenexpress hält nicht mehr in Degersheim. (Bild: Grafik: TT/jl)

TOGGENBURG. Die Abfahrtszeiten ändern sich minim, einige Züge verkehren zwischen neuen Ziel- und Ausgangsbahnhöfen – und dabei wird die Erschliessung im Toggenburger Regionalverkehr sogar noch gestärkt. Das Ziel: Die schnellere Verbindung der südlichen Kantonsteile mit der Stadt St. Gallen sowie ein optimierter Anschluss an die Züge in Richtung Zürich. Die Kosten: Rund 50 beziehungsweise 30 Millionen Franken haben Kanton und Bund ins Projekt «S-Bahn St. Gallen 2013» investiert. Das neue Liniennetz- und der neue Fahrplan werden in etwas mehr als einem Jahr umgesetzt.

Halbstündlich ins Neckertal

Von den Neuerungen profitiert auch die «Randregion» Toggenburg. Ab Wattwil dauert die Fahrt im Voralpenexpress gerade einmal 27 Minuten nach St. Gallen. Der Grund: Ab Dezember 2013 macht der Schnellzug keinen Halt in Degersheim mehr. Der Halbstundentakt für diese Ortschaft bleibt dennoch erhalten, denn neu führen mit der S3 und der S4 zwei Linien der Schweizerischen Südostbahn (SOB) über die bisherige Strecke. Nebst Degersheim werden auch Lichtensteig, Brunnadern-Neckertal, Mogelsberg und Schachen vom sich aus den je stündlich verkehrenden Zügen ergebenden Halbstundentakt profitieren – heute besteht hier der Stundentakt. «Einerseits verkehren die Züge zwischen Wattwil und St. Gallen sowieso, demnach können die Zwischenhalte sozusagen gratis realisiert werden. Andererseits gehört der Halbstundentakt schon heute und vor allem in Zukunft zum Standard im öffentlichen Verkehr», erläutert Ursel Kälin, Mediensprecherin der SOB, diese Neuerung fürs Neckertal. Die Bedarfshalte (Halt auf Verlangen), so schränkt sie ein, werden für Brunnadern-Neckertal und Mogelsberg aber voraussichtlich bestehen bleiben. «Sie bringen zusätzliche Stabilität in das System», so Ursel Kälin.

Standortvorteil durch Anschluss

Die halbstündlichen Halte im Neckertal erfreuen auch die Gemeindepräsidentin Vreni Wild: «Ein guter öV-Anschluss ist ein wichtiger Standortvorteil. Der neue Fahrplan steigert die Attraktivität unserer Wohnlagen. Ausserdem wird es für die vielen Wanderer, die unsere Region besuchen, sicher noch interessanter, mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen.» Einzig als eine Herausforderung erachtet sie die weiterführenden Postautokurse. «Wir werden kaum einen Halbstundentakt einführen können. Das Neckertal ist aber ans SOB-Netz in Herisau und Brunnadern angeschlossen. Diesbezüglich könnte man noch das eine oder andere optimieren», sagt Vreni Wild.

Als Kantonsrätin hatte sich Vreni Wild bereits anfangs 2010 mit der S-Bahn-Vorlage befasst – damals wurde die Vorlage im Kantonsrat beschlossen, woraufhin das Stimmvolk den Investitionsbeitrag des Kantones im September desselben Jahres mit 80,8 Prozent Ja-Stimmen guthiess. Die Gemeindepräsidentin ist überzeugt: «Der öffentliche Verkehr wird immer wichtiger. Je besser die Verbindungen sind, desto besser wird das Angebot genutzt.»

S4 nicht direkt nach Rapperswil

Derselben Meinung ist Daniel Blatter, Geschäftsführer von Toggenburg.ch, welches sich unter anderem für einen guten öV-Anschluss des Toggenburgs einsetzt. «Das Angebot wird durch die S-Bahn 2013 noch verbessert», sagt er. Doch er hält auch fest: «Die gute Anbindung an den Metropolitanraum Zürich bleibt weiterhin ein grosses Thema, sowie die Mobilität im Raumkonzept Toggenburg ein Thema bleibt. Eine direkte Linie nach Zürich Hauptbahnhof ist ein Fernziel.» Einen Schritt in diese Richtung sähe er in der optimierten Verbindung nach Rapperswil: «Wichtig für uns ist, dass wir in absehbarer Zeit im Halbstundentakt und ohne Umsteigen nach Rapperswil gelangen.» Denn auch mit der S-Bahn 2013 ändert sich nichts daran, dass, wer nicht im Voralpenexpress fährt, in Uznach umsteigen muss, um weiter nach Rapperswil zu gelangen.

Zusätzlicher Bus nach Nesslau

Noch verkehrt die S4 ab St. Gallen nur bis Uznach – ab Dezember 2013 wird sie zum Ringzug mit Halt an allen Stationen. Sie verkehrt also ab Uznach neu nach Ziegelbrücke, weiter nach Sargans und von dort via Buchs, Altstätten und St. Margrethen nach St. Gallen. Abschnittweise teilt sie sich die Strecke mit der S3, die mit dem Fahrplanwechsel stündlich ab Nesslau-Neu St. Johann via Wattwil, St. Gallen, Romanshorn und Kreuzlingen bis nach Schaffhausen verkehrt.

Ergänzt wird der Stundentakt der S3 zwischen Wattwil und Nesslau durch einen stündlich verkehrenden Bus – womit jede halbe Stunde gereist werden kann. Die SOB-Mediensprecherin begründet diese Neuerung wiederum mit dem Halbstundentakt-Standard. «Es macht relativ wenig Sinn, einzelne Elemente in einem Gesamtsystem nur stündlich verkehren zu lassen», sagt Ursel Kälin. Wobei in einem solchen Falle die Wirtschaftlichkeit gegeben sein müsse. «Wir rechnen bei der Verdichtung zum Halbstundentakt mit einer Nachfragesteigerung von rund 40 Prozent.» Längerfristig sei es gar das Ziel, das obere Toggenburg mittels eines Halbstundentaktes auf der Schiene zu erschliessen – ein Ziel, welches auch Daniel Blatter als wichtig einstuft. «Dies ist aber erst möglich, wenn die Ausbauten an der Infrastruktur vorgenommen werden», führt die Mediensprecherin aus.

Umsteigen nach Wil

Dadurch, dass neu die S3 zwischen Nesslau-Neu St. Johann und Wattwil verkehrt, beschränkt sich das Netz der jetzigen S9 nunmehr auf die Strecke Wil-Wattwil. Der Grund für die Neuerung sei wirtschaftlicher Natur, erklärt Ursel Kälin: «Vom oberen Toggenburg gibt es zwei ungefähr gleich starke Verkehrsströme Richtung Wil und St. Gallen. Die Durchbindung Richtung St. Gallen ermöglicht einen wirtschaftlicheren Rollmaterialeinsatz und spart damit Kosten.»