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Höchste Anzahl Schulwochen, die meisten Pflichtlektionen: Ausserrhoder Berufsverband fordert Entlastung für ältere Lehrpersonen – und droht mit Kampfmassnahmen

Die Anstellungsbedingungen der Ausserrhoder Lehrkräfte sind schlechter als in den Nachbarkantonen. Der Berufsverband ist bereit, Kampfmassnahmen zu ergreifen, sollte die Politik nicht auf die Forderung nach einer Altersentlastung eingehen.
David Scarano
Der Lehrerverband fordert, dass Lehrpersonen ab 55 Jahren zwei und ab 60 drei Lektionen pro Woche weniger als bis anhin unterrichten müssen. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Der Lehrerverband fordert, dass Lehrpersonen ab 55 Jahren zwei und ab 60 drei Lektionen pro Woche weniger als bis anhin unterrichten müssen. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Von der breiten Öffentlichkeit fast unbemerkt werden in Ausserrhoden derzeit die Weichen für die Schule der Zukunft gelegt. Das Bildungsdepartement ist damit beschäftigt, den Entwurf zum neuen kantonalen Volksschulgesetz zu erarbeiten. Einmal vom Parlament verabschiedet, soll die Vorlage 2022 in Kraft treten. Da der Kanton alle 20 Jahre eine Totalrevision in Angriff nimmt, dürfte das Gesetz bis 2042 seine Gültigkeit haben. Entsprechend aufmerksam verfolgen die direktbetroffenen Lehrerinnen und Lehrer die Entwicklung.

Der Ausserrhoder Lehrerverband (LAR) mit seinen über 700 Mitgliedern stellt nun eine klare Forderung. Präsident Michael Weber sagt:

«Es ist Zeit für eine Altersentlastung.»

Michael Weber, Präsident des Lehrerverbands Ausserrhoden.

Michael Weber, Präsident des Lehrerverbands Ausserrhoden.

Konkret verlangt der LAR, dass Lehrpersonen ab 55 Jahren zwei und ab 60 drei Lektionen pro Woche weniger als bis anhin unterrichten müssen.

Weber lobt zwar das gute Verhältnis zum Bildungsdepartement und dessen Chef, Landammann Alfred Stricker. Dennoch würde der Verband auch nicht vor Kampfmassnahmen zurückschrecken, sollte die Politik nicht auf deren Forderungen eingehen, sagt der Verbandspräsident.

Nachteile im Standortwettbewerb befürchtet

Die letzte Protestaktion des Ausserrhoder Lehrpersonals liegt 18 Jahre zurück. 2001 gingen rund 300 Frauen und Männer in Herisau auf die Strasse, um für höhere Löhne zu demonstrieren. Sie forderten eine Anpassung ihrer Gehälter an die übrigen Ostschweizer Kantone.

Auch diesmal geht es den Lehrern darum, dass der Kanton Appenzell Ausserrhoden nicht ins Hintertreffen gerät. Mit der geforderten Altersentlastung wäre er nämlich nicht Vorreiter, sondern würde lediglich mit anderen Kantonen gleichziehen, wie Weber darlegt:

«Ausserrhoden ist landesweit der einzige Kanton, der noch keine solche Regelung kennt.»

Und das kann laut dem Verbandspräsidenten im steten Wettkampf um gutes Personal zu Nachteilen führen.

Der Walzenhauser Sekundarlehrer nennt ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Eine 55-jährige Lehrerin fand eine neue Anstellung im Nachbarkanton St. Gallen. Ihr 80-Prozent-Pensum in Ausserrhoden entsprach dort einer 100-Prozent-Anstellung, obwohl sie genau gleich viele Lektionen unterrichtet. Das dank der Altersentlastung.

Pflichtlektionen pro Woche

Sek
Primar
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Weber weist ebenfalls daraufhin, dass Ausserrhoden lohnmässig zwar in vielen Bereichen mit den Nachbarn mithalten könne, allerdings müssen die hiesigen Lehrpersonen mehr dafür arbeiten. Sowohl bei den Schulwochen wie auch bei den Wochenlektionen belege man im nationalen und Ostschweizer Vergleich einen Spitzenrang:

Einstiegslöhne der Lehrpersonen auf Primarstufe

in Tausend
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Deshalb müsse man schauen, dass mit der anstehenden Revision die Rahmenbedingungen nicht noch schlechter werden. «Wir haben gute Lehrer. Ihnen müssen wir Sorge tragen», sagt er.

Eine Entlastung für ältere Arbeitnehmer ist in der Privatwirtschaft weit verbreitet, etwa in Form zusätzlicher Ferienwochen. Für den Lehrerverband ist sie auch deshalb dringend notwendig, weil die Arbeitslast in den vergangenen Jahren stark angestiegen sei. Er moniert:

«Die Produktivität der Lehrpersonen ist viel grösser als früher.»

Er nennt etwa das Frühenglisch oder die Förderung der sogenannten Mintfächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Aber nicht nur der zu vermittelnde Stoff hat laut dem Verbandspräsidenten zugenommen. Die Qualitätskontrollen mit den internen und externen Evaluationen würden den Lehrern ebenfalls mehr abverlangen. Auch die Eltern seien anspruchsvoller und streitlustiger geworden. Der Verband bietet für solche Fälle im Auftrag des Kantons Lehrerberatungen an. Zwar liegt keine Statistik vor. Es gebe aber mehr juristische Auseinandersetzungen als noch vor ein paar Jahren, sagt der Verbandspräsident.

«Die Lehrer sind ausgesetzter und angreifbarer.»

Das Schwerpunktthema Belastung will der Verband nun vertieft angehen. Er startet eine Umfrage bei seinen Mitgliedern. Abgeklärt wird unter anderem, wie viele Lehrpersonen aus diesem Grund schon ausgefallen sind.

Die Ausserrhoder Berufsorganisation ist mit ihrem Engagement gegen die Überlastung der Lehrpersonen nicht allein. Der Schweizer Dachverband LCH setzt sich aktuell dafür ein, dass die Zahl der Pflichtlektionen gesenkt wird. Er untermauert dies mit einer kürzlich publizierten Erhebung. Laut dieser arbeiten Lehrerinnen und Lehrer inklusive Planung, Elternkontakten und Weiterbildungen im Schnitt 46 Stunden wöchentlich. Oder anders gesagt: Lehrerinnen und Lehrer leisten jährlich 248 Stunden Gratisarbeit.

Kanton nimmt noch keine Stellung

Dem Ausserrhoder Bildungsdepartement sind die Forderungen des Kantonalverbandes bekannt. Ob sie im Entwurf des Schulgesetzes allerdings berücksichtigt werden, ist offen. Dominik Schleich, Leiter des Amts für Volksschule, sagt dazu: «Eine Altersentlastung ist Gegenstand der aktuellen Diskussionen.» Zu den möglichen Kampfmassnahmen äussert er sich nicht. Er betont aber, dass dem Kanton gute Arbeitsbedingungen für Lehrpersonen ein grosses Anliegen seien.

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