Verantwortung des Jägers im Fokus

HEITERSWIL. Die Revierjagd St.Gallen führte am Samstag gemeinsam mit dem Jägerverein Toggenburg einen sowohl theoretischen als auch praktischen Weiterbildungstag in Heiterswil durch. Insgesamt 35 Jäger aus dem gesamten Kantonsgebiet frischten dabei ihr Wissen auf.

Nadine Rydzyk
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Bruno Forrer aus Wattwil (Mitte) demonstriert die Fähigkeiten eines Schweisshundes. (Bild: Thomas Geissler)

Bruno Forrer aus Wattwil (Mitte) demonstriert die Fähigkeiten eines Schweisshundes. (Bild: Thomas Geissler)

Der mittlerweile vierte Weiterbildungstag wurde in Zusammenarbeit der Revierjagd St. Gallen und dem Jägerverein Toggenburg angeboten und richtete sich an St.Galler Jäger, private Wildhüter und Hundeführer. Ziel war die Stärkung der Eigenwahrnehmung des Jägers und dessen Verantwortung für die Natur und das Wild in weidgerechter und nachhaltiger Weise. Dabei spielten die öffentliche Wahrnehmung sowie der Erfahrungsaustausch eine erhebliche Rolle. Um eine Diskussionsbasis zu legen, Wissen aufzufrischen und zu vermitteln, hatte man für einen theoretischen Teil gleich eine ganze Reihe spannender Referate von verschiedenen Dozenten anzubieten. Doch wie Köbi Rutz, Präsident des durchführenden Jägervereins Toggenburg erklärte, sind die Plätze an den Weiterbildungstagen immer stark limitiert, so dass zumeist nur ein Teilnehmer pro Jagdgesellschaft dabei sein kann und die Funktion eines Multiplikators im eigenen Verein übernehmen sollte.

Das Blickfeld erweitert

Unter anderem erläuterte Franz Joseph Schawalder Fragen der Jagdethik und verknüpfte diese mit einer korrekten Wildbret-Hygiene. «Die Jagdethik erschöpft sich nicht im Begriff der Weidgerechtigkeit», stellte er klar. Vielmehr ging es ihm substanziell um die Einstellung des Jägers zum Tier und zur Schöpfung, wie er erläuterte. Ausgehend von dieser Grundeinstellung spannte er den Bogen zur Wildbret-Hygiene, denn: «Der Jäger ist nach neuer Gesetzgebung mit einem Bauern gleichgestellt; also ein Primärproduzent. Dementsprechend muss das Lebensmittel, das durch die Jagd entsteht, behandelt werden.» Dies reicht bis hin zur genauen Rückverfolgbarkeit. Thematisiert wurden dabei ebenso mögliche Fehlerquellen, die das Fleisch verderben könnten, bis es auf dem Teller liegt. «Mir ist wichtig, dass man die Ethik und die Hygiene miteinander verflochten sieht. Denn ein geschossenes Tier ist ein wertvolles Lebensmittel, dem die nötige Achtung entgegengebracht werden sollte», so Franz Joseph Schawalder.

Der ehemalige kantonale Wildhüter Peter Eggenberger erklärte die Ansprache des Schalenwildes, namentlich von Rot-, Gams- und Rehwild. Unter der Ansprache versteht man, gleich einem optischen Dialog, die Beurteilung eines Tieres anhand seiner äusserlichen Merkmale. Besonderer Wert wurde dabei auf eine möglichst genaue Altersbestimmung gelegt. Dies ist zum einen wichtig, um die kantonal vorgegebenen Abschüsse zur Regulierung des Wildbestandes einhalten zu können, darüber hinaus ist es aber auch mit Blick auf die Sozialstruktur innerhalb der Rudel wertvoll. «Um den Wildbestand nachhaltig zu sichern, muss auch darauf geachtet werden, dass das Wissen innerhalb der Rudel nicht verloren geht», erklärte Peter Eggenberger die Bedeutung älterer Tiere für den Nachwuchs. Denn das Jagdgesetz entspricht hier nicht zwangsläufig der Biologie der Tiere. Zudem machte er deutlich, dass die Trophäenjagd nicht mehr dem modernen Verständnis der Jagd entspricht.

Eindrückliche Demonstrationen

Auf dem am Vormittag erlernten und aufgefrischten Wissen basierend, ging es am Nachmittag an die Postenarbeit im Gelände. Der kantonale Wildhüter Kreis 3, Rolf Wildhaber, thematisierte hier die bleifreie Munition, Schalldämpfer und Sicherheitsfragen. Nicht zuletzt frischte er anhand der gesetzlichen Grundlagen das Wissen über erlaubte Waffen und Munition für die jeweiligen Jagdeinsätze auf und schlug unter anderem mit der Demonstration von Einschussbildern einen Bogen zur vorher theoretisch thematisierten Wildbret-Hygiene oder der Nachsuche. Letztere wurde an einem weiteren Posten detailliert von Bruno Forrer aus Wattwil erläutert und demonstriert. Neben den beeindruckenden Fähigkeiten der Schweisshunde stand hier vor allem das richtige Verhalten des Jägers bei einem Anschuss im Fokus. «Dies beginnt schon bei der Vorsuche, denn beispielsweise ein kleines Reh kann sich auch bei einem guten Schuss noch einige Meter bis ins Unterholz tragen, wo es schwer gefunden wird», erklärte Ausbildungsobmann Noldi Rossi.

Der Toggenburger Kreisförster Christoph Ganter erarbeitete unterdessen gemeinsam mit den Teilnehmern die Bedeutung von waldbaulichen Massnahmen für Wild und Umwelt, womit er die Einbettung der Jagd in den Gesamtkontext nochmals unterstrich.