Veränderung als einzige Konstante

Am vergangenen Samstag hat die «WandelBar» im Alten Zeughaus haltgemacht. Drei Referenten beleuchteten das Thema «Wandel» aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.

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Die nächste «WandelBar» findet am Samstag, 7. November, statt. (Bild: pd)

Die nächste «WandelBar» findet am Samstag, 7. November, statt. (Bild: pd)

HERISAU. Für die dritte «WandelBar» haben sich die Veranstalter gewissermassen auf die Kernkompetenz der Bar konzentriert: Wandel, Wandelbarkeit, Flexibilität war diesmal das Thema. Drei Kurzreferate beleuchteten den Wandel in Familie und Gesellschaft, in Kirche und Religion und im Gewerbe. Als Referenten konnten die Organisatoren Nadja Rechsteiner (Geschäftsleiterin Kinderbetreuung Herisau), Norbert Hochreutener (katholische Pfarrei Herisau-Waldstatt-Schwellbrunn) und Ueli Zeller (Geschäftsführer Metzgerei Zeller, Herisau) gewinnen.

Metzgerei ohne Kühlschrank

Ueli Zeller, der bereits in sechster Generation die Herisauer Metzgerei Zeller führt, illustrierte mit ebenso unterhaltsamen wie prägnanten Anekdoten, welche Wandlungen seine Branche durchlaufen hat. Sein Grossvater etwa habe noch ohne Kühler gearbeitet. Zum Kühlen holte er sich jeweils Eis aus dem Saumweiher, und wenn dieses geschmolzen war, gab es eben keine Kühlung mehr. Zu Grossvaters Zeiten orientierte sich der Preis für einen Cervelat daran, wie viel man für eine Flasche Bier auf den Wirtshaustisch legen musste. Heute gilt diese Parität längst nicht mehr; das Bier kostet fast doppelt so viel wie eine Wurst. Und die wohl augenfälligste Veränderung in der Metzgereibranche: Als Ueli Zellers Vater 1947 die Metzgerei übernahm, gab es in Herisau noch 17 Metzgereien. Heute sind es im Dorf noch deren drei.

Für die zweite Rednerin, Nadja Rechsteiner, gehören Flexibilität und Wandelbarkeit seit den Anfängen der Kinderbetreuung Herisau vor rund zehn Jahren fest zum Alltag: «Veränderung ist für uns die einzige Konstante», so Rechsteiner. Es gelte, dafür achtsam zu bleiben und die Dinge anzupacken, statt wehmütig Idealvorstellungen nachzuhängen. Von einer kleinen Organisation mit Grossmüttern und Praktikantinnen als Betreuungspersonen hat sich die Kinderbetreuung innert zehn Jahren zu einem Betrieb mit fünf Standorten entwickelt, in denen gesamthaft über 400 Kinder betreut und elf Lernende zu Fachpersonen Betreuung ausgebildet werden.

«Man braucht eine Hoffnung»

Norbert Hochreutener erlebt als Seelsorger in der katholischen Pfarrei Herisau-Waldstatt-Schwellbrunn das Thema «Wandel» noch einmal von einer ganz anderen Seite. Oft hat er es bei seiner Arbeit zu tun mit Menschen, die vom Tempo der heutigen Welt überfordert sind, die mit all den Veränderungen nicht Schritt halten mögen. Einerseits sei es zwar wichtig für den Menschen, sich nach vorne zu wenden, so Hochreutener: «Man braucht eine Hoffnung, einen Antrieb, damit man anpassungsfähig und leistungsfähig bleibt.» Der Prozess des Sich-Entwickelns und Wachsens höre bis ins hohe Alter niemals auf. Nach seiner Erfahrung gehen selbst Sterbende noch «auf etwas zu». Allerdings sei Anpassung nicht beliebig möglich. (pd)