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Verabredet mit der Welt: Ausserrhoder Sängerin auf Heimatbesuch

Sängerin Joana Obieta hebt in ihrer Musik sprachliche und kulturelle Grenzen auf. Am Samstag steht sie in Teufen auf der Bühne.
Claudio Weder
Die Rehetobler Sängerin Joana Obieta. (Bild: PD)

Die Rehetobler Sängerin Joana Obieta. (Bild: PD)

Joana Obieta macht das, was man im Fachjargon als Weltmusik bezeichnen würde. Wer ihr beim Singen zuhört, der hat oft das Gefühl, in einem einzigen Augenblick an mehreren Orten auf dieser Welt gleichzeitig zu sein. Die 27-Jährige ist überzeugt, dass man mit Hilfe von Musik kulturelle, sprachliche und nationale Grenzen überwinden kann. Den Dialog mit den verschiedenen Nationen und Kulturen sucht die Sängerin aber auch neben der Bühne. «Ich bin fast dauernd unterwegs», sagt sie und lacht. Das Reisen gebe ihr die Möglichkeit, stets Neues zu lernen - musikalisch wie auch menschlich.

Auch dieser Tage ist die in New York wohnhafte Sängerin wieder «on the road». Ihre Reise wird sie zwar nicht um die ganze Welt führen, dafür in einen gewichtigen Teil dieser Welt: ins Appenzellerland, ihre alte Heimat.

Werkbeitrag der Kulturstiftung erhalten

Joana Obieta ist in Eggersriet aufgewachsen, verbrachte aber einen nicht unbedeutenden Teil ihres Lebens in Rehetobel. Derzeit tourt sie mit ihrer Band Dejàn durch Deutschland, Österreich und die Schweiz – und steht heute Samstag auch am Jubiläumsfest der Ausserrhodischen Kulturstiftung im Zeughaus Teufen auf der Bühne. Ein Zufall ist dieser Auftritt wohl kaum, gehörte Obieta im vergangenen Jahr doch zu jenen Kunstschaffenden, die von der Ausserrhodischen Kulturstiftung einen Werkbeitrag erhielten.

Dieser Förderbeitrag ist für die junge Musikerin, die im Mai ihr Studium am Berklee College of Music in Boston abgeschlossen hat, ein «grosses Geschenk». «Bei vielen Musikern geht unmittelbar nach dem Studium der Kampf ums Überleben los», sagt Obieta. Aus diesem Grund fehle meist die Zeit für diejenigen Dinge, die man eigentlich machen wolle, wie zum Beispiel Lieder schreiben. Der Werkbeitrag verschaffe ihr nun etwas «Luft» und gebe ihr die Möglichkeit, sich eine bestimmte Zeit lang eingehend ihren musikalischen Projekten zu widmen – ohne dass sie sich andauernd Gedanken darüber machen müsse, wie sie jetzt ihre Miete bezahlen solle.

Unverkennbares Talent

Eines von mehreren Projekten der jungen Musikerin ist die Band Dejàn, eine World-Jazz-Formation, deren Sound genauso multikulti ist, wie es die Bandmitglieder sind. Bassist Han Beyli hat aserbaidschanisch-ukrainische Wurzeln, Pianist Aníbal Cruz sowie Perkussionist Keisel Jimenez stammen aus Kuba. Und auch Joana Obieta hat einen multinationalen Hintergrund: Sie ist die Tochter des argentinischen Komponisten und Kontrabassisten Francisco Obieta und der Schweizer Cembalistin Marie-Louise Dähler.

Unverkennbar also auch, von wem Joana Obieta ihr musikalisches Talent geerbt hat. Als Kind von zwei Profimusikern war sie schon von klein auf mit Musik umgeben. Neben Blockflöte spielte sie Kontrabass und Saxofon, bevor sie im Alter von elf Jahren ihr eigentliches «Instrument», den Gesang, entdeckte. Nach der Matura begann Obieta dann aber zunächst ein Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Zürich, bevor sie sich nach dem Bachelorabschluss entschied, ihre musikalische Karriere voranzutreiben.

Dazu in die USA auszuwandern, sei aber nicht von Anfang an der Plan gewesen, gibt sie zu. Nach bestandener Aufnahmeprüfung für das Berklee College wollte die angehende Profimusikerin eigentlich nur für ein Jahr in Amerika studieren. Es kam dann aber anders. Ihren eigenen Musikstil würde Obieta als «exotisch, aber dennoch verständlich» umschreiben.

«Ich versuche stets etwas zu kreieren, das denjenigen Leuten, die beispielsweise von einer klassischen oder einer Jazz-Tradition herkommen, vertraut vorkommt, das aber gleichzeitig etwas hat, das noch niemand kennt.»

Sich eindeutig auf ein Genre festlegen, kann und will die Sängerin nicht. Das sei anstrengend, sagt sie. Und in etwa genauso schwierig, wie wenn man sich als Person auf eine eindeutige Nationalität festzulegen versuche. Dass das in der heutigen Zeit ohnehin fast niemand mehr kann, sei ihr gerade in den USA und insbesondere am Berklee College, wo die Durchmischung der Kulturen besonders ausgeprägt gewesen sei, bewusst geworden.

Kuba hat es ihr angetan

Den Werkbeitrag hat Joana Obieta mit der Begründung erhalten, eine eigene Musiksprache gefunden zu haben. Ebenso würdigte die Jury ihre Entwicklung und den Mut, sich musikalisch zu positionieren und zu exponieren. Dabei geholfen, eine eigene Musiksprache zu finden, habe Joana Obieta aber nicht nur das Studium am Berklee College. Auch das Reisen habe in entscheidendem Masse dazu beigetragen, sagt sie. Nach der Matura reiste Obieta durch Südamerika, wobei es ihr Kuba besonders angetan habe. Vor allem die Musik, die dort sehr reichhaltig und von unterschiedlichen Einflüssen geprägt ist.

«Es scheint so, als ob sich die ganze Musikgeschichte in der lateinamerikanischen Musik spiegeln würde.»

Auch wenn für die 27-Jährige nun Europa auf dem Reiseplan steht, wird sie bestimmt nicht zum letzten Mal nach Kuba gereist sein. Und sollte sich in absehbarer Zeit gerade keine Möglichkeit dazu bieten, dann hat sie immer noch die Musik, die es in ihrem Verständnis ja vermag, räumliche Grenzen aufzuheben.

Hinweis
Am Samstag um 21.20 Uhr tritt Joana Obieta mit ihrer Band Dejàn im Zeughaus Teufen auf. Weitere Tourdaten im Internet unter: www.dejanmusic.com/live

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