Vaterschaftsurlaub in der Verwaltung: Wie lange dürfen Väter in Ausserrrhoden zu Hause bleiben?

Teufen führt einen Vaterschaftsurlaub von zehn Tagen ein. Andere Ausserrhoder Gemeinden zeigen sich weniger grosszügig. Ein Überblick.

Astrid Zysset
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Im Kanton Appenzell Ausserrhoden wird in den Verwaltungen die Auszeit von frischgebackenen Vätern sehr unterschiedlich gehandhabt.

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden wird in den Verwaltungen die Auszeit von frischgebackenen Vätern sehr unterschiedlich gehandhabt.

Bild: Gaëtan Bally

Die Geburt eines Kindes ist ein prägendes Erlebnis für jedes Paar oder jede kleine Familie. Der Alltag wird aus den Fugen gerissen. Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es war. Während für die Frauen der Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen eingeführt wurde, gibt es für die Männer keine gesetzliche Grundlage, um nach der Geburt eines Kindes eine Auszeit anzutreten. Auf nationaler Ebene sind jedoch Bestrebungen im Gange. So hatte das eidgenössische Parlament im September einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub beschlossen. Ein bürgerliches Komitee hat dagegen aber das Referendum ergriffen.

Teufen verdoppelt seinen Vaterschaftsurlaub

Die Gemeinde Teufen vermeldete vor einigen Tagen, dass das Personalreglement der Gemeindeverwaltung auf 1. Januar 2020 angepasst würde. Grund hierfür sei gewesen, dass das seit Anfang 2016 gültige Reglement in der praktischen Handhabung diverse Mängel offenbarte, wie Teufens Gemeindepräsident Reto Altherr ausführt. «Das bisherige Reglement ist eine Durchmischung von öffentlichem und privatem Recht, wobei die Handhabung des jeweiligen Rechtes nicht klar aufeinander abgestimmt ist.» Zudem seien in der praktischen Anwendung immer wieder verschiedene Fragestellungen aufgetreten, da diese im Personalreglement nur oberflächlich beschrieben waren. Personalvertreter wie auch der Gemeinderat hätten eine Überarbeitung gewünscht. Eine der Änderungen: Der Vaterschaftsurlaub wird von bisher fünf auf zehn Tage erhöht. Damit nimmt die Mittelländer Gemeinde eine Spitzenposition ein im Vergleich zu den anderen Ausserrhoder Gemeinden, welche keine solch grosszügige Regelung für frischgebackene Väter vorgesehen haben.

Doch warum ist Teufen dermassen grosszügig? Das Personalreglement sei von einer Arbeitsgruppe aus Arbeitnehmern und Vertretern des Arbeitgebers entstanden, so Altherr. Hinzu komme ein breites Vernehmlassungsverfahren bei allen Angestellten der Verwaltung. «Das vorliegende Resultat ist das Ergebnis von Geben und Nehmen», sagt der Gemeindepräsident. Bei einzelnen Punkten wie dem Vaterschaftsurlaub sei man den Arbeitnehmern entgegengekommen, dafür bei anderen weniger. Insgesamt sei das Personalreglement ein ausgewogenes Produkt. Eine isolierte Betrachtung des Vaterschaftsurlaubes würde dem gesamten Reglement nicht Rechnung tragen, so Altherr weiter.

Wie hoch die Mehrkosten sind, welche die Verdopplung des Vaterschaftsurlaubs mit sich bringt, hängt davon ab, wie viele Arbeitnehmer der Gemeinde effektiv Vater werden. Altherr geht davon aus, dass aufgrund der Personalstruktur in der Verwaltung die Anzahl Mitarbeiter, die vom verlängerten Vaterschaftsurlaub profitieren könnten, «überschaubar» sei.

Weitere Gemeinden ziehen vielleicht nach

Ein Blick in die Verwaltungen der anderen Ausserrhoder Gemeinden zeigt: Die zehn Tage in Teufen sind aussergewöhnlich hoch. Die meisten setzen tiefer an. Nach Teufen folgt Waldstatt mit einem Vaterschaftsurlaub von sechs Tagen. Lutzenberg, Heiden, Urnäsch und Schönengrund sehen deren fünf vor. Ab dem 1. Januar 2020 führt denn auch Wolfhalden einen Vaterschaftsurlaub von fünf Tagen ein. Die übrigen Ausserrhoder Gemeinden verzichten auf einen solchen Urlaub. Allerdings steht bei vielen eine Überarbeitung des Personalreglementes respektive des Dienst- und Besoldungsreglementes an. So etwa in Herisau. Dort können Väter derzeit drei freie Urlaubstage beziehen. Gemäss Gemeindeschreiber Thomas Baumgartner werde bei der Reglementsüberarbeitung ein Vaterschaftsurlaub von fünf Tagen vorgeschlagen. In Stein, Schwellbrunn, Speicher, Grub und Reute ist ebenfalls eine Revision angedacht, in Bühler und Wald ist eine solche bereits im Gange. Bühlers Gemeindeschreiber Richard Fischbacher stellt in Aussicht, dass ein Vaterschaftsurlaub von fünf Tagen bei der Mittelländer Gemeinde Thema sein wird. Walds Gemeindeschreiberin Lina Graf äussert sich vorsichtiger und spricht davon, dass ein solcher Urlaub «ein bereits andiskutiertes Thema» ist. Spruchreif sei aber noch nichts. In Bälde könnte somit auch in weiteren Gemeinden ein Vaterschaftsurlaub eingeführt werden.

Diejenigen Gemeinden, welche noch keinen Vaterschaftsurlaub in ihren Reglementen verankert haben, sehen für die Geburt eines Kindes ihrer Mitarbeiter zumindest bis zu drei Urlaubstage vor. Am wenigsten freie Tage sind in Gais, Bühler, Schwellbrunn und Stein vorgesehen; dort erhalten Betroffene gerade mal einen Tag frei.

Kanton sieht seit 2017 einen Vaterschaftsurlaub vor

Beim Kanton gilt seit dem 1. Januar 2017 ein Anrecht auf einen Vaterschaftsurlaub von fünf Tagen. Zwei Urlaubstage sind bei einer Geburt im Rahmen der Verordnung zum Personalgesetz vorgesehen.