Vanillecrème für des Flohs Arbeitsgerät

Also, wenn ich Messis linker Kickschuh wäre, hätte ich es mir vorgestern gemütlich gemacht, mich vom obersten aller Materialwärte des noblen FC Barcelona mit einer ganz edlen Schuhcrème einschmieren lassen – zum Beispiel einer mit Vanille-Erdbeer-Aroma.

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Also, wenn ich Messis linker Kickschuh wäre, hätte ich es mir vorgestern gemütlich gemacht, mich vom obersten aller Materialwärte des noblen FC Barcelona mit einer ganz edlen Schuhcrème einschmieren lassen – zum Beispiel einer mit Vanille-Erdbeer-Aroma. So leicht wie mich Lionel über das Feld getragen und die Bälle ins Tor gezaubert hat, konnte er keine stinkenden Schweissfüsse gehabt haben. Ein bisschen Auslüften genügte nach dem Spiel.

Deshalb hätte ich mich nicht zum Trocknen mit zerknüllten Zeitungen füllen lassen müssen, sondern hätte die Printmedien im ursprünglichen Sinn nützen können: zum Lesen von Attributen wie entzückend, meisterhaft, genial. Wer am Dienstag Lionel Messi im Champions-League-Spiel gegen Arsenal zugeschaut hat, kam nicht um Superlative herum.

Einmal traf er mit meinem rechten Zwilling, dreimal mit mir; die Engländer waren bei der 1:4-Niederlage vom Hochgeschwindigkeitsfussball meines Chefs und seiner Mitspieler überfordert.

Wenn ich also sein tiefliegendes und oft scheinbar fliegendes Arbeitsgerät wäre, würde ich mich königlich darüber freuen, dass aus Lionel noch etwas geworden ist. Mit 13 Jahren litt er unter einer Wachstumsstörung, mass kaum 140 cm.

Nun strecken sich immerhin 169 cm argentinischer Nationalstolz aus den Schuhen mit Grösse 43; der Spitzname «Pulga» (Floh) ist geblieben. Und in Postur, Frisur, Gesichtsausdruck und Spielweise hat er sich etwas Spitzbübisches bewahrt.

Ich wäre stolz und liesse in einem Sportmuseum an prominenter Lage einen Vitrinenplatz reservieren, zusammen mit dem Ball, den er vorgestern dem Schiedsrichter abgebettelt hat. Oder (man ist ja kein Un-Schuh) ich würde ins Auge resp.

ins Leder fassen, mich zu einem karitativen Zweck versteigern zu lassen. Aber nicht sofort. Denn am Samstag wartet der Rivale Real Madrid. Der hat im Gegensatz zu Messi im Namen rollende «R» zu bieten, was der Dynamik der spanischen Reporter dienlich ist. Aber Messimessimessimessigolgolgolgol tönt auch fein.

Lukas Pfiffner

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