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Väter sind anders – zum Glück!

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht ein Problem der Mütter allein – sie ist ebenso eines der Väter.
Guido Berlinger-Bolt

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht ein Problem der Mütter allein – sie ist ebenso eines der Väter. Denn: Wie viele Väter reiben sich auf im Spannungsfeld zwischen Partnerschaft, Familie und Beruf, zwischen Existenz-, Leistungs- und Erfolgsdruck? Aus dem eigenen Umfeld weiss ich, selber zwei-, bald dreifacher Vater, dass es zu viele sind. Aus eigener Erfahrung weiss ich auch, dass den meisten Vätern (aber auch den meisten Müttern) die Zeit fehlt, die eigene Rolle in der Familie und in der Gesellschaft zu hinterfragen. Übrigens nimmt sich auch die Gesellschaft als Ganzes eindeutig zu wenig Zeit, sich über das Vater-Sein Gedanken zu machen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der morgen zum sechsten Mal stattfindende Schweizerische Vätertag endlich eine grössere Ausstrahlung entfaltet; er muss nämlich helfen, die familiäre, aber auch die gesellschaftliche Bedeutung dieses Vater-Seins in der Öffentlichkeit zu thematisieren.

Vor Wochenfrist sammelte der Künstler Mark Riklin auf dem Herisauer Obstmarkt Vätergeschichten; dies im Auftrag der Gruppe Familien-Ost-Schweiz. Die Botschaft, welche die Gruppe damit transportieren will: Ein Kind braucht seinen Vater. Ein Kind braucht freilich auch die Mutter – und so ist dies denn die zweite Botschaft, die der Vätertag transportieren muss: Die je eigenen Fähigkeiten und Bedürfnisse von Vätern und Müttern sind ganz und gar nicht gegeneinander auszuspielen. Im Gegenteil: Es ist für die Familie wie für die Gesellschaft ein grosser Gewinn, wenn die Unterschiede zwischen Vätern und Müttern als befruchtend wahrgenommen werden.

Väter sind anders als Mütter. Väter müssen sich nicht am Massstab der Mütter messen. Väter kämpfen gegen viele Mythen. Traditionelle Rollenbilder wirken noch immer – besonders in ländlichen, konservativen Gebieten wie dem Appenzellerland. Der starke Mann, der die Konfrontation nicht scheut, Entscheidungen zielstrebig sucht; der Mann, der nicht weint, dessen Zärtlichkeit einseitig auf den Orgasmus fokussiert, der seine Schwächen, wenn er solche denn hätte, niemals zeigen würde. Es ist ein noch heute vielerorts gängiges Rollenbild, das zum grossen Elend unterschwellig zu verstehen gibt: Die Mutter ist biologisch zur Brutpflege prädestiniert.

Nicht nur ist ein solches Männer- und Väterbild ein verzerrtes; solches Denken ist gar dumm! Dass etwa die Frau biologisch zur Kindererziehung prädestiniert sei, ist von der Forschung längst widerlegt. Die Neurobiologie bestätigt zudem: Der Vater ist für die Tochter und für den Sohn nicht nur bereichernd, sondern unersetzlich. Und die Familienforschung spricht von entscheidenden Erfahrungen, die Kinder mit Vätern machen können. Denn: Obwohl das Kind in einer radikalen Weise hilflos ist, nimmt sich der als stark wahrgenommene Vater seiner bedingungslos an – eine sensationelle Erfahrung für das Kind. (Bei der Mutter ist diese Annahme nach neun Monaten Schwangerschaft keine Überraschung.) «Wenn diese Liebesbeziehung gelingt», so die deutsche Familienforscherin Karin Grossmann, «prägt sie fundamental das Vertrauen und Selbstvertrauen des Kindes. Und kann beides ruinieren, wenn sie scheitert.»

Eine aktive Vaterschaft kommt aber nicht nur dem Kind zugute. Neben der Stärkung der Vater-Kind-Beziehung geht laut aktueller Forschung auch die Paarbeziehung gestärkt aus der gemeinsam durchlebten (bisweilen durchlittenen) Familienzeit hervor: Das Konfliktpotenzial in der Familie insgesamt sinkt und ebenso die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung. Der tägliche Umgang mit den eigenen Kindern stärkt zudem Fähigkeiten, die für das Berufsleben des Vaters wertvoll sind: Teamfähigkeit, Stressresistenz, Flexibilität.

Wenn dieses Thema der Woche nun die Überschrift «Väter sind anders – zum Glück!» trägt, will ich damit in keiner Weise die Leistung der Mütter geringschätzen – nichts läge mir ferner! Es geht in der Bewertung der Rolle der Väter aus meiner Sicht nicht um den Kampf zwischen den Geschlechtern: Mütter können niemals Väter sein – und umgekehrt. Sie müssen das auch nicht. Es geht mir im Gegenteil um die Schärfung des Bewusstseins für Ergänzung, für Kooperation, für Solidarität. Darüber hinaus – und hier kann ein breit wahrgenommener Vätertag durchaus helfen – geht es um eine konstruktive Neubewertung des Vater-Seins, es geht um die Emanzipation der Väter. Und zwar in zwei mögliche Richtungen: Weg vom aggressiven Feminismus, der einst (zu Recht) das patriarchale Männerbild dekonstruierte; und weg von möglichen eigenen veralteten Vater-Vorbildern. Der Weg ist offen.

(Einige der in diesem Aufsatz verwendeten Informationen können interessierte Leserinnen und Leser im Buch «Zeit zum Vatersein» von Christoph Popp nachlesen.)

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