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URTEIL: Schuldig wegen Verleumdung

Zu einer unbedingten Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu 30 Franken (1950 Franken) und einer Busse von 300 Franken hat das Kantonsgericht einen 23-jährigen Mann verurteilt.
Margrith Widmer
Der verurteilte junge Mann entwendete die Autoschlüssel samt Audi seiner Ex-Freundin. (Bild: KEY)

Der verurteilte junge Mann entwendete die Autoschlüssel samt Audi seiner Ex-Freundin. (Bild: KEY)

Margrith Widmer

redaktion

@appenzellerzeitung.ch

Schuldig gesprochen wurde der Mann unter anderem wegen Verleumdung, Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch und Missbrauch einer Fernmeldeanlage. Freigesprochen wurde er von den Vorwürfen der Drohung, Belästigung, Urkundenfälschung, und Tätlichkeit. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann ans Obergericht weitergezogen werden.

Der Prozess war zweigeteilt: Der erste Teil fand im Juni statt. Damals sagte die Ex-Freundin des Manns vor Gericht als Auskunftsperson aus. Der Beschuldigte bestritt alles, ausser der Verleumdung - Status-Einträgen auf Facebook. Im Dezember nun wurden im zweiten Prozess-Teil, unter einer anderen Vorsitzenden, ein Zeuge und eine Zeugin befragt.

Unter den Anträgen der Anklage

Das Gericht ging in seinem Urteil deutlich unter die Anträge der Anklage, die eine unbedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 30 Franken (3000 Franken) und eine Busse von 600 Franken gefordert hatte. Der Beschuldigte hatte Freisprüche beantragt. Der 23-jährige soll seiner Ex-Freundin in Herisau Autoschlüssel samt Audi entwendet und ohne Führerschein gefahren sein. Der Zeuge beteuerte, er habe den jungen Mann nie selber fahren sehen; er habe ihn immer abgeholt.

Die Autoschlüssel habe er nur als Druckmittel benutzt, um Geld, das er der Ex-Freundin fürs Leasing geliehen hatte, zurückzufordern, hatte der junge Mann gesagt. Der Kantonspolizei liess er ein Foto des Vertrags zukommen, wonach der Audi ihm gehöre und nicht der Frau. Dem Vertrag war zu entnehmen, die Frau schulde ihm 22000 Franken. Der Staatsanwalt ging davon aus, der Mann habe die Unterschrift der Freundin gefälscht. Von diesem Vorwurf wurde er freigesprochen.

Drohung und Tätlichkeit gegen Ex-Freundin

Zum Eklat kam es 2015 in Flawil: Als sie mit einer Freundin wegfahren wollte, habe sie der Mann daran gehindert, die Autotür zu schliessen und ihr den Ellbogen ins Gesicht geschlagen, sagte die Frau. Die Zeugin bestätigte, die Frau habe Angst gehabt; vieles wusste sie nicht mehr oder hatte es nicht genau gesehen. Der Mann bestritt die Tätlichkeit; er habe lediglich den Autoschlüssel haben wollen.

In der folgenden Nacht rief er die Frau rund 50 Mal an und soll «unter massiven Drohungen» - so der Staatsanwalt - den Autoschlüssel verlangt haben. Damit habe er sie in Angst und Schrecken versetzt. Sie habe sich bedroht gefühlt. Er habe nur mit ihr reden wollen; gedroht habe er nicht. Er habe gehofft, es könne alles «wieder in Ordnung» sein; sie sei ja wieder zu ihm gekommen. Inzwischen habe er «abgeschlossen», sagte er nun vor Schranken. Er lebe ein neues Leben - anderswo. Damals habe er monatelang alles bezahlt - bis er seinen Job verloren habe. Dann habe es nur noch ein Thema gegeben: «Wir haben keine Kohle mehr.» Er habe für 17000 Franken Möbel gekauft: «Sie hat bei mir gelebt, gegessen, getrunken.» Dass er weder Führerprüfung noch Führerschein gehabt habe, gab er zu - aber: «Ich bin nur auf einem Privatplatz gefahren.» Er habe sich ins Facebook-Profil der Frau eingeloggt und Status-Posts hinterlassen, gestand er. Die Posts sollten den Eindruck erwecken, die Frau arbeite als Prostituierte in einem Tabledance-Etablissement.

Ein Strafbefehl mit einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 30 Franken widerrief das Gericht; sie wird vollzogen. Die Forderungen der Frau verwies es auf den Zivilweg. Der Mann muss Verfahrens- und Gerichtskosten von 2650 Franken bezahlen. Die Freisprüche begründete die Richterin mit Zweifeln: Die Zeugin habe die Vorwürfe nicht bestätigen können - ob der Schlag ins Gesicht vorsätzlich erfolgt oder es «einfach passiert» sei, bleibe unklar. Wegen Vorstrafen sei die Geldstrafe unbedingt.

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