URTEIL: Mildere Strafe für harte Pornografie

Das Ausserrhoder Kantonsgericht halbierte die Strafe für einen 68-Jährigen, der laut Staatsanwalt harte Pornografie über seine WLAN-Verbindung ins Internet hochgeladen haben soll.

Margrith Widmer
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Margrith Widmer

ostschweiz@tagblatt.ch

Der 68-jährige Mann ist einschlägig vorbestraft: Er wurde 2004, 2009 und 2015 wegen Pornografie zu unbedingten und teilbedingten Geldstrafen verurteilt. Ihm wurde zur Last gelegt, kinderpornografische Darstellungen auf Datenträger gespeichert und konsumiert zu haben. Im April 2015 stellte die Polizei fest, dass ein Nutzer auf einem Profil, dessen E-Mail-Adresse dem Beschuldigten zugeordnet wurde, Bilder hochgeladen hatte, auf denen laut Staatsanwaltschaft «ein Mädchen zu sehen ist, das Oralverkehr an einer männlichen, erwachsenen Person ausübt».

Die Bilder seien über die WLAN-Verbindung des Beschuldigten ins Internet gestellt worden, hielt die Polizei fest. Bei einer Hausdurchsuchung im November 2015 wurden aber auf den Rechnern keine beweisrelevanten Daten oder Hinweise gefunden. Der Computer schied aus; er war zuletzt 2014 benutzt worden.

«Unverschlüsseltes WLAN-Gerät verwendet»

Der Staatsanwalt, der nicht vor Gericht erschien, argwöhnte allerdings im Strafbefehl, der Mann habe «höchstwahrscheinlich ein Gerät benutzt, das bei der Hausdurchsuchung nicht entdeckt oder vom Beschuldigten in einem Versteck ausserhalb seiner Liegenschaft gelagert oder zum Zeitpunkt der Hausdurchsuchung bereits spurlos veräussert oder entsorgt worden war». Der Staatsanwalt sprach im berichtigten Strafbefehl von «Indizien». Beweise gab es keine. Aber er wies auf die Vorstrafen hin. Laut Staatsanwalt sollte der Beschuldigte zu einer Geldstrafe von 5000 Franken plus Gebühren und Polizeikosten, insgesamt zur Bezahlung von 6640 Franken verurteilt werden. Der Mann bestritt vor Gericht, illegale Bilder aus dem Internet runtergeladen oder ins Internet gestellt zu haben. WLAN strahle weit; es könne auch jemand diese Bilder in der Nähe in einem Auto hochgeladen haben. Er habe zu jenem Zeitpunkt ein unverschlüsseltes WLAN-Gerät verwendet. «Ich will nicht für etwas bestraft werden, das ich nicht getan habe. Auf dem PC war nichts. Die Polizei hat nichts gefunden. Diese Bilder sind nicht von mir gekommen», sagte er in seinem Schlusswort. Der Einzelrichter glaubte ihm nicht. Der Einwand, jeder in der nahen Umgebung hätte die Bilder hochladen können, sei wenig überzeugend, heisst es in der Kurzbegründung des Urteils. Angesichts der örtlichen Gegebenheiten sei es «höchst unwahrscheinlich», dass ein Dritter die Bilder über das ungeschützte Netzwerk des Beschuldigten hochgeladen habe. Der Richter verurteilte den Mann wegen harter Pornografie, reduzierte die Geldstrafe aber auf 2500 Franken. Dazu kommen die Verfahrenskosten von 2300 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.