URTEIL: «Lebenslängliche Lehre» für jugendlichen Raser

Ein 18-jähriger Thurgauer Autolenker ist vom Ausserrhoder Kantonsgericht zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten verurteilt worden. Der jugendliche Raser war vor sechs Wochen in Stein Richtung Appenzell mit über 140 km/h gemessen worden.

Margrith Widmer
Drucken
Teilen
60 km/h zu schnell war ein Thurgauer unterwegs. (Bild: Donato Caspari)

60 km/h zu schnell war ein Thurgauer unterwegs. (Bild: Donato Caspari)

Der 18-jährige Neulenker hatte erst vor wenigen Wochen seinen Führerausweis erhalten: Am 14. März bretterte er in Stein, Sonderau, bei einem Überholmanöver mit mehr als Tempo 140 auf einer 80er-Strecke in eine Polizeikontrolle. Am Donnertag stand er vor Gericht und wurde im abgekürzten Verfahren zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten bedingt auf eine Probezeit von zwei Jahren, einer Busse von 700 Franken und Kosten von 1150 Franken verurteilt.

Der junge Mann überschritt – nach Abzug der Toleranz – die rechtlich relevante Höchstgeschwindigkeit um 60 km/h. Als er von der Polizei angehalten wurde, gab er sein Raserdelikt sofort zu. Seine Aussagen wurden von seinen Mitfahrern bestätigt.

Unverantwortliche Raserfahrt

Abgesehen von der unentschuldbaren und unverantwortlichen Raserfahrt könnten dem Mann keine weiteren Verkehrsregelverletzungen nachgewiesen werden, so der Staatsanwalt in der Anklageschrift. Der Raser habe nicht noch zusätzlich andere Verkehrsteilnehmer konkret gefährdet. Sein Verhalten sei zwar unentschuldbar und unüberlegt gewesen, jedoch nicht als skrupellos zu beurteilen. Nicht strafmildernd sei, dass er noch sehr jung sei. Vor Gericht bestätigte der junge Mann, seinen Golf auf über 140 km/h beschleunigt zu haben, als er ein anders Auto überholte. Diese Anerkennung ist nötig, damit das Gericht im abgekürzten Verfahren, einen «Deal», den Entwurf des Urteilsdispositivs des Staatsanwalts, zum Urteil erheben kann.

Nichts mit «wieder blochen»

Im Schlusswort wünschte sich der junge Mann, der sich in ­Ausbildung befindet und wenig verdient, das Gericht möge die Kosten «tief halten». Das tat der Einzelrichter: Er setzte die Gerichtskosten auf nur 150 Franken fest. Damit kam der junge Thurgauer mit der Minimalstrafe davon. Der Richter machte ihn darauf aufmerksam, dass er während der Probezeit kein Delikt mehr begehen dürfe, sonst müsse er ins Gefängnis. Mit «Juhui, jetzt kann ich wieder blochen», sei nichts, warnte er – er hoffe, der junge Mann habe daraus Lehren gezogen. Der Verurteilte bestätigte: «Ja, lebenslänglich.»

Zwar hatte die Staatsanwaltschaft den VW Golf vorläufig beschlagnahmt. Sie verzichtete jedoch darauf, das Auto einzuziehen und zu Gunsten der Staatskasse zu verwerten. Das Auto wurde dem Beschuldigten zurückgegeben mit der Auflage, es zu verwerten und aus dem Verkaufserlös die Busse samt Verfahrenskosten – total 1850 Franken – sowie die Anwaltskosten zu bezahlen. Er habe einen Bekannten mit dem Verkauf des Autos beauftragt, sagte der junge Mann. Um wieder in den Besitz eines Führerscheins zu gelangen, muss er die Führerprüfung nach einer gewissen Frist wiederholen.

Margrith Widmer

redaktion@appenzellerzeitung.ch