URNÄSCH: Zäuerliklänge bis ins Tal

Mit dem Gersterüti-Schuppel endete am Sonntagabend die Veranstaltungsreihe «D Chlauseschüppel zauret». Walter Frick zieht Bilanz zum mehrmonatigen Projekt.

Andy Lehmann
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Die Buben des Gersterüti-Schuppels, für einmal mit brauner Hose und Hemd, statt im «Schö-Wüeschte-Groscht». (Bild: Andy Lehmann)

Die Buben des Gersterüti-Schuppels, für einmal mit brauner Hose und Hemd, statt im «Schö-Wüeschte-Groscht». (Bild: Andy Lehmann)

Andy Lehmann

andreas.lehmann

@appenzellerzeitung.ch

Es ist kurz vor acht Uhr, die Abenddämmerung über Urnäsch setzt ein. Sieben junge Burschen stehen nebeneinander auf einer Krete beim alten Scheibenstand. Gekleidet mit brauner Hose, Edelweisshemd und rotem Halstuch verharren sie einen Moment, den Blick zum Dorf gerichtet. Es ist beinahe still, nur weit entfernt nimmt man vereinzelte Motorengeräusche wahr. Im na­he gelegenen Gehöft bellt ein Bläss. Dann beginnen die Bu­ben des Gersetrüti-Schuppels mit einem melancholischen Zäuerli. Der Klang ihrer Stimmen hallt weitherum. Rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer stehen weit unterhalb, wie auf einer Perlenschnur aufgereiht, und lauschen dem Klang der Zäuerli. Dreissig Minuten später ist alles vorbei. Der Gersterüti-Schuppel begibt sich auf den Weg zurück ins Dorf, um in der «Taube» den Abend ausklingen zu lassen.

Mit ihnen geht eine Veranstaltungsserie zu Ende, welche von Walter Frick in Eigenregie zur 600-Jahr-Feier Urnäschs lanciert wurde. «Am 12. März er­öffnete der Res-Düsel-Schuppel den Naturjodelreigen. 24 weitere Chlausenschuppel folgten, alternierend beim alten Scheibenstand oder beim Büelbänkli», sagt der Urnäscher Walter Frick. Entstanden war das Projekt an einer Sitzung des Brauchtumsmuseums mit dem OK 600 Jahre Urnäsch. Man wollte im Jubi­läumsjahr auch etwas zum Silvesterchlausen machen. Schliesslich erhielt Walter Fricks Vorschlag den Zuspruch. «Ich wollte etwas Ähnliches machen wie das Solojodelprojekt im vergangenen Jahr. So begann ich, alle Chlausenschuppel anzuschreiben», sagt Frick. Er selbst habe nicht genau gewusst, wie viele es schlussendlich sein würden. Sämtliche Anfragen stiessen auf positive Resonanz, wohl auch deshalb, weil der Auftritt ohne Chlause-groscht, Schellen und Rollen geplant war.

Mehrstimmige Klänge in der Dunkelheit

Walter Frick erinnert sich gut an den Res-Düsel Schuppel, der den Auftakt machte. «Es war bereits dunkel draussen. Die Zuhörerschaft sah den Schuppel nicht, sondern vernahm lediglich die Zäuerli. Das war ein schöner und mystischer Moment.» Walter Frick trat mit dem Waisehuus-Schuppel beim Büelbänkli auf. Dieser Standort sei bewusst gewählt worden, um auch die Einwohner im Urnäscher Tal zu berücksichtigen, so Frick. Dass das Projekt auch in der Bevölkerung geschätzt wurde, zeigte sich am regen Publikumsaufmarsch. Im Schnitt kamen 100 Leute an den Anlass. Als einen von vielen Höhepunkten bezeichnet Frick den Kinderschuppelabend, als etwa 20 «Goofe» gemeinsam zauerten. Für den passionierten Silvesterchlaus geht eine schöne Zeit zu Ende. Er ist dankbar für die Unterstützung. «Ich konnte so einen persönlichen Beitrag zum Jubiläumsjahr leisten.»