Urnäsch
«Wir wollen mehr als Rakete und Pralinato»: Zwei Urnäscherinnen eröffnen eine eigene Gelateria

In Urnäsch fehlt nicht nur ein sozialer Treffpunkt beim Bahnhof, sondern auch eine Gelateria. Das finden zwei Jungunternehmerinnen und gründen einen besonderen Take-away.

Karin Erni
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Nadja Jung und Beate Pehlchen schmeckt Glace zu jeder Jahreszeit.

Nadja Jung und Beate Pehlchen schmeckt Glace zu jeder Jahreszeit.

Bild: Karin Erni

Der Säntis trägt noch immer sein weisses Kleid und das Thema Glace scheint noch weit weg. Nicht so für zwei Urnäscherinnen: Bei ihnen dreht sich derzeit alles um die kühle Masse, denn an Ostern wollen sie ihre eigene Gelateria beim Bahnhof eröffnen.

Beate Pehlchen und Nadja Jung haben sich vor eineinhalb Jahren am Neuzuzüger-Apéro von Urnäsch kennengelernt. Den beiden gefällt es sehr gut im Dorf. Doch für die gebürtigen Deutschen war bald klar: «Hier fehlt ein gutes Eis!» In ihrer alten Heimat gebe es an jeder Ecke einen Glaceverkäufer oder eine Eisdiele, so Pehlchen. «Ich verbinde das mit meiner Kindheit. Frische Glace ist ein Stück Lebensgefühl.»

Start mit Premium-Glace

Das Fernziel der beiden ist eine eigene Glaceproduktion in Urnäsch. Nadja Jung hat zu diesem Zweck bereits eine Eisfachschule absolviert. Doch ein komplettes Eislabor einzurichten, sei kostspielig, gibt sie zu bedenken. Weil der Umbau des ehemaligen Elektrogeschäfts schon einiges an Mitteln verschlungen hat, setzen die Unternehmerinnen für den Start mit «Glatsch Balnot» auf eine handwerklich produzierte Premium-Glace aus Graubünden. «Die Hersteller haben dieselben Qualitätsansprüche wie wir und arbeiten mit regionalen Zutaten. Ihre Glace hat eine einzigartig feine Konsistenz.» Damit diese ihre Cremigkeit behält, haben sich die beiden Frauen eine Spezialvitrine mit neuester Technologie angeschafft, in der die Behälter «übernachten». Denn schwankende Temperaturen können zur Bildung von unerwünschten Eiskristallen im Glacé führen. 14 Sorten stehen zur Auswahl. Geplant ist, mit saisonalen Spezialitäten für Abwechslung im Eisbecher zu sorgen.

Visitenkarte für das Dorf

Weil es in Urnäsch auch keinen Bahnhofkiosk mehr gibt, wollen die beiden mit ihrer Gelateria auch hier einspringen. Sie möchten einen Treffpunkt schaffen, wo auch ankommende Touristen eine Auskunft erhalten. Pendler können sich am Morgen einen Kaffee und ein Gipfeli kaufen, bevor sie in den Zug steigen. In der Znünipause werden Sandwichs angeboten. Nach dem Mittag setzen die beiden Inhaberinnen aufs Glacegeschäft. Das Lokal hat von 7 bis 19 Uhr geöffnet. «Uns ist bewusst, dass das lange Arbeitstage geben wird. Im ersten Jahr möchten wir testen, was bei der Kundschaft gefragt ist. Zum Glück unterstützen uns unsere Ehemänner und helfen mit, wo sie können.»