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URNÄSCH: Warum die Silvesterchläuse dieses Jahr früher dran sind

Viele Bräuche sind von Regeln oder Verboten geprägt. Letzteres ist Grund dafür, dass heuer die Silvesterchläuse bereits einen Tag früher als üblich, unterwegs sind.
Noemi Oesch
Da der Silvester in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, ziehen die Chlausen-Schuppel bereits am Samstag übers Land (Bild: Luca Linder)

Da der Silvester in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, ziehen die Chlausen-Schuppel bereits am Samstag übers Land (Bild: Luca Linder)

Da Silvester in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, sind die Chläuse bereits einen Tag früher unterwegs. Die Kirche hat einst ein solches Verbot ausgesprochen. Das genaue Verbotsdatum, wie auch die Ursprünge des Silvesterchlausens sind schwierig auszumachen. Der erste schriftliche Hinweis stammt von 1663. Er beschreibt vermummte Gestalten, die lärmend herumtrieben. Auch das Wort «Chlaus» lässt vermuten, dass der Brauch im Advent rund um den St. Nikolaus-Tag begann. «Vermutlich waren sie unterwegs, um Geister zu vertreiben», berichtet Walter Frick, Kurator des Appenzeller Brauchtummuseums Urnäsch.

Sein fundiertes Wissen rund um regionale Bräuche hat er sich über Jahrzehnte angeeignet. Bereits als Kind hat ihn die Chlausenhaube seines Vaters fasziniert, das «Zauren» hat ihn dann gänzlich in den Bann gezogen. Gemeinsam mit seinen Brüdern wird auch er mit dem «Waisenhaus-Schuppel» an Silvester in Urnäsch Neujahrswünsche überbringen.


Brauchtum als Touristenmagnet

Für Frick ist es ganz normal, dass die Silvesterchläuse einen Tag früher unterwegs sind. «Für mich gehört dieses Verbot zum geschichtlichen Hintergrund des Brauches und soll deshalb auch ausgelebt werden». Die Kirche führte einst das Verbot ein, um das immer wilder werdende Herumtreiben einzuschränken. Zudem beinhaltete die Tradition Ähnlichkeiten mit heidnischen Ritualen. Deshalb vermuten Historiker, dass das Chlausen vom Advent auf Silvester verschoben wurde, weil die Kirche dies wollte. Das bunte und laute Treiben der Chläuse ist nicht nur ein Brauch für die örtliche Bevölkerung, mittlerweile ist es für viele Touristen ein Spektakel. Ob die Touristen nun das Chlausen verpassen oder sehen, liegt nicht in der Verantwortung der Schuppel. «Ich chlause, um den Hausbewohnern ein gutes neues Jahr zu wünschen, in diesem Sinne stört mich der Tourismus nicht», so Frick. «Ich freue mich über alle Besucher, die unseren Brauch miterleben wollen. Hinter der Larve erkenne ich, wie bewegt viele Zuschauer sind. Die Andacht des Zäuerli und das laute Getöse der Rollen und Schellen machen wohl vielen Eindruck.»

Ein Silvester ohne Chläuse gibt es nicht

Die Chancen auch am 31. Dezember einen Chlaus zu sichten sind gross. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Gewohnheit des Spasschlausens ergeben. «Ich denke auch dieses Jahr, werden einige Schuppel am Sonntag, 31. Dezember unterwegs sein», so Frick. Dann gehen aber die Chläuse nicht bereits am Morgen früh los, sondern erst am Mittag oder gar erst beim Eindunkeln. Sie tragen nicht das Groscht vom Vortag, sondern lassen sich ein originelles Spasschlausen-Groscht einfallen. «Auch wir werden wahrscheinlich unterwegs sein, da wir uns ein Motto haben einfallen lassen», berichtet Frick. «Das Spasschlausen-Groscht ist weniger aufwendig. Teilweise benutzen die schönen Chläuse dieses auch an Silvester, wenn das Wetter schlecht ist. Denn das schöne Groscht würde schnell kaputtgehen.» Ob die Chläuse nun am 31. Dezember oder einen Tag früher am 30. Dezember unterwegs sind, Walter Frick freut sich schon das ganze Jahr wieder auf den Tag, an welchem er sein Groscht anziehen und Neujahrswünsche überbringen kann.

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