URNÄSCH: Visionen für das Zentrum

Die Gemeindekanzlei ist marode. Sie zu sanieren lohnt sich nicht mehr. Jetzt bestehen Visionen für eine Gesamtlösung für das Zentrum - mit Tiefgarage und Erweiterungsbau. Und Kritiker gibt es auch.

Bruno Eisenhut
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Einst als Pfarrhaus gebaut, benötigt die Gemeindekanzlei eine Renovation. Angestrebt wird zudem eine zweite Baute im Hintergrund. (Bild: APZ)

Einst als Pfarrhaus gebaut, benötigt die Gemeindekanzlei eine Renovation. Angestrebt wird zudem eine zweite Baute im Hintergrund. (Bild: APZ)

Bruno Eisenhut

bruno.eisenhut@appenzellerzeitung.ch

Man befinde sich in der Ideenphase, sagte Gemeindepräsident Peter Kürsteiner an der öffentlichen Orientierungsversammlung am Dienstagabend. Der Gemeinderat informierte über Ideen zur Entwicklung des Urnäscher Dorfzentrums. Anlass zu den Über­legungen gibt das sanierungs­bedürftige Gemeindehaus am östlichen Eingang zum Dorfzentrum. Eine breit abgestützte Projektgruppe diskutierte vorab verschiedene Möglichkeiten. Dabei habe sich gezeigt, dass eine Sanierung nicht zu favorisieren sei. Der beigezogene Kantonale Denkmalpfleger Fredi Altherr zog eine persönliche Faustregel herbei: «Wenn nach der Renovation weniger als die Hälfte bestehen bleibt, dann macht es Sinn, über einen Neubau nachzudenken». Dies tat die Arbeitsgruppe und zog hierfür mit Professor Christian Wagner von der HTW Chur einen erfahrenen Planungsfachmann bei. Dieser präsentierte den Urnäscherinnen und Urnäschern eine Zentrumsüberbauung. «Wobei dieser Begriff für das Vorhaben hochgegriffen ist», so Wagner. Der Neubau soll sich optisch nur wenig vom bisherigen Bau unterschieden. Höhere Räume würden das Gebäude bei weiterhin drei Geschossen aber leicht höher werden lassen. Damit es nicht turmartig werde, müsste die Baute auch breiter und länger werden.

In Zusammenhang mit dem Bau eines Gemeindehauses suchte die HTW-Chur auch nach ergänzenden Projekten. So könnte das Dorfbild mit einer weiteren Baute südlich vom Gemeindehaus in Richtung Feld optimal ­abgeschlossen werden. Damit könnte Wohnraum geschaffen werden und zudem sieht die Studie eine einfach zu realisierende Tiefgarage vor. Genau daran ­störte sich aber am Dienstag ein Bürger. Die Tiefgarage sei unrealistisch, alles andere könne – mit einigen Diskussionspunkten – weiterverfolgt werden. Gemeindepräsident Peter Kürsteiner und Baupräsident Niklaus Hörler nahmen diese Anregung auf und vermerkten sogleich, dass man sich immer noch in der Anfangsphase befinde. Man wolle keine Schnellschüsse, so Hörler.

Dennoch hat sich der Gemeinderat einen ambitionierten Umsetzungsplan zurechtgelegt. Bis im Sommer 2017 soll ein Vorprojekt basierend auf der Studie der HTW Chur entstehen. Daraufhin soll im Herbst entschieden werden, ob die Zentrumsüberbauung weiterverfolgt wird, oder ob es nur zu einem Kanzleineubau kommen soll. Voraussichtlich im März 2018 soll dann das Stimmvolk endgültig darüber abstimmen. «Im Optimalfall haben wir im Sommer 2018 den Baubeginn», so Hörler.

Schwingende Böden und «ringhörende» Wände

Eine Studie, durchgeführt von Holzbau-Ingenieur Paul Grunder, brachte an den Tag, dass ­ die Urnäscher Gemeindekanzlei schon einige Renovationen miterlebt hat. Die Böden seien dadurch instabil geworden, so Grunder. Und zudem sei das ganze Haus nicht schalldicht. Gerade für diskrete Besprechungen in einer Gemeindekanzlei könne dies zu Problemen führen. Als grosse Gefahren wertete Paul Grunder auch die Belastbarkeit der Böden. Zunehmend würden schwere Aktenschränke aufgestellt. Man frage sich, wie lange die bestehenden Böden diese tragen könnten. Im Weiteren seien diese Akten weder bei einem Brand noch bei einem Erdbeben genügend geschützt. Der Gemeinderat hat aufgrund der Studie entschieden, Massnahmen einzuleiten. Nicht aber ohne diese Studie von einem anderen Holzfachmann überprüfen zu lassen. Im Investitionsplan sind deshalb für das Jahr 2018 25 Millionen Franken vorgesehen.

Nebst Informationen bekamen die Urnäscherinnen und Urnäscher am Dienstag auch den Voranschlag 2017 serviert. Dieser sieht ein Defizit von rund 460000 Franken vor. Die 67 anwesenden Stimmberechtigten genehmigten das Budget und liessen den Steuerfuss unverändert bei 4.3 Einheiten.