Urnäsch im Allgäu

Manchmal sind sie gut, manchmal auch schlecht. Es gibt liebe, aber auch dumme Journalisten. Am schlimmsten aber sind die lieben Dummen. Eine Hamburger Agentur meldete sich an, sie möge unsere Familie in Urnäsch besuchen kommen.

Philipp Langenegger
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Bild: Philipp Langenegger

Bild: Philipp Langenegger

Manchmal sind sie gut, manchmal auch schlecht. Es gibt liebe, aber auch dumme Journalisten. Am schlimmsten aber sind die lieben Dummen.

Eine Hamburger Agentur meldete sich an, sie möge unsere Familie in Urnäsch besuchen kommen. Ziel der Aktion, eine schöne Fotostory, welche die Agentur später an eine Zeitung verkaufen kann.

Meine Frau war an diesem Termin, mit leiser Vorahnung, nicht dabei. Meine Buben wollten unbedingt dabei sein. Wenn der geneigte Brosmete-Leser jetzt glaubt, dass für so ein Plausch der Flieder nur so fliegt, dann täuscht er sich leider. Die einzige Hoffnung besteht, aktuelle Familienbilder zu bekommen.

An einem wunderbaren Sonntagvormittag trudelten sie ein. Nancy, die Journalistin aus der Grossstadt, schwärmte schon vor der Haustüre vom schönen Allgäu. Meine Buben schauten mich fragend an. Ich korrigierte sie lächelnd, dass wir uns hier im Appenzellerland befinden. Während des ersten Kaffees richtete sich der Fotograf ein und war dann auch zügig fertig. Nancy brauchte für ihr Interview länger. Am Schluss angekommen sagte sie tatsächlich, dass sie sich vorstellen könnte, im Allgäu zu leben. Diesmal korrigierte sie mein Sohnemann. Bevor das Gespräch ganz auf den Höhepunkt fiel, schickte ich die beiden Hamburger auf die Schwägalp. Wenn schon, denn schon. Zwei Tage später sendete sie mir das Interview zum Gegenlesen. Der Text war soweit in Ordnung.

Vor wenigen Tagen erhielt ich nun Post. Oooch, welche Überraschung! Unsere Story in der deutschen Klatschpresse. Ganz toll sei der Bericht geworden, schrieb Nancy euphorisch dazu. Und dann lag das Exemplar auf dem Tisch. Die Jungs lasen mit Vorfreude, und es stand in grossen Lettern geschrieben: «Philipp Langenegger erzählt, wie er um seine Ehe kämpfen muss». Mich überkam ein kaum aufhörender Lachanfall, während ich auf die Reaktion meiner Frau hier nicht weiter eingehen möchte. Aber das Beste kam zum Schluss der Story: «Herzlichen Dank, dass wir die Grossfamilie exklusiv im Allgäu besuchen durften.»