Urbs!

Eigentlich heisst urban einfach städtisch. Wer ständig urban sagt und schreibt, meint aber meist bloss gross, wichtig, irgendwie cool, jedenfalls das Gegenteil von klein, brav und bieder.

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Eigentlich heisst urban einfach städtisch. Wer ständig urban sagt und schreibt, meint aber meist bloss gross, wichtig, irgendwie cool, jedenfalls das Gegenteil von klein, brav und bieder.

Beispiele: Vor ein paar Jahren hielten manche Leute die Davidstrasse in St. Gallen für urban. Dann die AFG-Arena. Jetzt ist es die Lokremise. Oder die weissen Hemdkragen, die urbanen Männern bis unter die Ohren reichen und sie (die Ohren und die Männer) steif aussehen lassen, obschon letztere auf eine Krawatte verzichten.

Oder das weibliche Pendant: die jungfräulich weissen Blusen zu dunklen Blazern und Hosen, seit Jahren Berufskleidung von politischen und wirtschaftlichen Verantwortungsträgerinnen jeden Alters, die es allen recht machen müssen.

«Ich schätze die Urbanität von Zürich», sagt ein dezent modisch gestylter, angegrauter Herr in einer Wochenend-Beilage der zweitgrössten Tageszeitung der Schweiz. Er meint dies ausdrücklich im Gegensatz zur Romandie. War der Mann schon mal richtig in Genf? Kaum.

Jedenfalls richtet er seinen Flagshipstore – auch so ein urbaner Begriff – in Zürich ein.

Jetzt werde ich kurz (noch) seriöser: Aus Sicht mancher Raumplaner wäre praktisch die ganze Schweiz urbaner Raum – mit wenigen Brachen in den innersten Alpen. Aber diese gedachte Urbanität ist beim modischen Gebrauch des Wortes urban meistens nicht gemeint.

Schade, denn gerade an diesem Punkt könnte die Diskussion spannend, weil politisch werden und schliesslich sogar zum Thema Gemeindefusionen führen...

Gabriele Barbey

PS: Urbs! im Titel ist kein ordinärer Rülpser, sondern lateinisch für Stadt, Hauptstadt, Rom.