Unvollendete Grabungsarbeiten

Ein Kapitel des Toggenburger Jahrbuchs 2016 befasst sich mit der Geschichte der legendären Burg Bärenfels oberhalb von Wattwil. Geschrieben hat es die 51jährige Toggenburgerin Katharina Meier, die in Lütisburg lebt.

Beat Lanzendorfer
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Arme kreisen, in den Zehenstand gehen: Der Wattwiler Vitaparcours führt am renovierten, sandsteinernen Torbogen des einstigen Klosters vorbei. (Bild: Serge Hediger)

Arme kreisen, in den Zehenstand gehen: Der Wattwiler Vitaparcours führt am renovierten, sandsteinernen Torbogen des einstigen Klosters vorbei. (Bild: Serge Hediger)

WATTWIL. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) herrschte Aufbruchstimmung. Die Sanierung der Burgruine Iberg von 1902 durch die Gemeinde Wattwil war bei der Bevölkerung in der Erinnerung verankert. Kam hinzu, dass die archäologischen Arbeiten auf der Ruine Neutoggenburg (1935 bis 1939) in der Nachbargemeinde Oberhelfenschwil aufsehenerregende Funde ans Tageslicht beförderten.

Dies und die im Jahre 1944 gegründete Toggenburger Vereinigung für Heimatkunde (TVHK) waren der Nährboden dafür, ab 1946 nach Überresten der Burg Bärenfels zu graben.

Erste Erwähnungen

Der Höhenzug am rechten Flussufer der Thur zwischen Ebnat-Kappel und Wattwil findet erstmals Erwähnung zwischen dem neunten und zehnten Jahrhundert. Eremiten (Einsiedler) sollen die Wattwiler Gelände-rippe Pfanneregg besiedelt haben. Der Legende nach nahm rund 250 Jahre später (1250) der Bau der Burg Bärenfels seinen Anfang. Um 1411 wird dann von einer Klostergründung gesprochen; der Neubau erfolgt 1600. Zwanzig Jahre später legt ein Brand die Gemäuer in Schutt und Asche – die Gemeinschaft verlässt die Pfanneregg und findet Zuflucht in der Iburg. Nach dem Neubau des Klosters auf der Wenkenrüti (1621) sowie dem Einzug der Gemeinschaft ins neue Kloster Maria der Engel (1622) gerät die Pfanneregg definitiv in Vergessenheit.

Ausgrabungen ab 1946

300 Jahre später liest Lehrer Samuel Voellmy – von 1911 bis 1926 in Wattwil – seinen Schülern aus der Klosterchronik vor und erwähnt auch den Standort Pfanneregg. Das Entdeckerfieber ist geweckt, die Schüler packen Hacke und Schaufel und kehren mit diversen Fundstücken ins Dorf zurück. Federführend bei den Ausgrabungen ab 1946 war die zwei Jahre zuvor gegründete Toggenburger Vereinigung für Heimatkunde. Im Zentrum des Interesses stand allerdings nicht die Erforschung der Pfanneregg. Vielmehr sollte Licht in die Geschichte der Verkehrswege des mittleren Toggenburgs gebracht werden. Um die begüterten kirchlichen Institutionen sowie den Bischof ins Boot zu holen, verkaufte man das Vorhaben als «Klostergrabung».

Treibende Kräfte waren Heinrich Edelmann, Gründer der TVHK, und Josef Braunwalder, Präsident der TVHK und in gleicher Funktion der Grabungskommission. Ihnen zur Seite standen Grabungsleiter Paul Schulthess, Fundverwalter Otto Inhelder, Planzeichner Ernst Lüber sowie Fotograf Hans Kessler. Interesse bekundete auch die Gemeinde Wattwil, welche in den Anfangsjahren unentgeltlich Arbeiter zur Verfügung stellte. Geld- und Personalmangel führten zu mehreren Unterbrüchen. Als das Projekt nach vier Jahren vollends ins Stocken geriet, begann die Ausgräberära der Gebrüder Grob aus Bütschwil. Karl, August und Jakob setzten den Spaten zu dritt an.

Bis zum Grabungsende im Jahre 1957 wurden auf dem Gelände die Mauerresten der Kirche – Ostteil, Haupt sowie Seitenaltäre – und des Kellers freigelegt. Mit Beschluss der Gesamtkommission wurden die Arbeiten am 20. Oktober 1957 «nur» unterbrochen, seither aber nie mehr wieder neu aufgenommen. Gesucht wurde eine Burg, gefunden ward ein Kloster – zumindest dessen Reste. Ob der Hügelzug tatsächlich einmal eine Burg beheimatete, bleibt ein Geheimnis, das vielleicht unter dem Erdreich schlummert.

Toggenburger Jahrbuch, 244 Seiten, illustriert, Fr. 34.–, Toggenburger Verlag. Erhältlich im Buchhandel sowie bei den Toggenburg Medien, Rietwisstrasse 10, Wattwil

Katharina Meier in den Räumlichkeiten der Museumsgesellschaft Bütschwil, der sie seit 2012 als Präsidentin vorsteht. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Katharina Meier in den Räumlichkeiten der Museumsgesellschaft Bütschwil, der sie seit 2012 als Präsidentin vorsteht. (Bild: Beat Lanzendorfer)