Damit im Frühling mehr Vögel zwitschern: Kanton und Bund fördern Biodiversität

Wer umweltfreundlich wirtschaftet, erhält mehr Zuschüsse. Eine Beratung beim Bauern zeigt das Potenzial auf.

Karin Erni
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Karin Küng sucht nach dornentragenden Pflanzen in der Hecke. Diese sind besonders wertvoll.   Bilder: Karin Erni

Karin Küng sucht nach dornentragenden Pflanzen in der Hecke. Diese sind besonders wertvoll.   Bilder: Karin Erni

Im ablaufenden Jahr 2019 war die Förderung der Biodiversität ein grosses Thema in den Medien. Privatpersonen haben beim Projekt «Mission B» von Fernsehen SRF fast eine Million Quadratmeter Gartenfläche für eine naturnahe Pflege angemeldet. Auch die Landwirtschaft tut einiges für mehr Biodiversität. Vermehrt werden Wiesen später im Jahr geschnitten oder Hecken gepflanzt.

In Ausserrhoden haben die Biodiversitätsförderflächen mit Qualitätsstufe II zwischen 2003 und 2018 um 184 Hektaren zugenommen. Jene mit Vernetzung um 359 Hektaren. Damit die Rechnung auch für den Landwirt aufgeht, richten Bund und Kanton Beiträge aus. Bei den Biodiversitätsbeiträgen geht es darum, dass seltenen Pflanzen und Tieren wieder mehr Lebensraum zur Verfügung steht. Der Bauer wird für die Pflege von prägenden Elementen wie Obstgärten, Hecken oder Streuwiesen entschädigt.

Die vor allem auf Milchwirtschaft ausgerichteten Betriebe seien auf qualitativ hochwertiges Wiesenfutter angewiesen, sagt Karin Küng. Die Agronomin arbeitet im Ausserrhoder Amt für Landwirtschaft. «Vom qualitativ minderwertigen Futter extensiver Wiesen können nur kleine Mengen verwertet werden. Es gilt, ein gutes Nebeneinander von intensiv und extensiv bewirtschafteten Flächen zu finden.» Dank seiner Topografie seien im Appenzellerland natürliche Strukturen wie Bachläufe und Waldränder vorhanden, sagt Karin Küng. «Können gezielt angrenzende Flächen extensiviert oder aufgewertet werden, bringt dies einen grossen Mehrwert für die Natur.»

Gute Beratung zahlt sich längerfristig aus

Doch die Materie ist komplex. «Es gibt viele verschiedene Fördermassnahmen und sie sind jeweils an ganz bestimmte Bedingungen gebunden», sagt Karin Küng. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Beratung von Landwirten, die Förderbeiträge beantragen wollen. Dazu begeht sie mit den Interessenten jede Parzelle, die neu angemeldet werden soll. Aufgrund der bereits vorhandenen Strukturen wie Waldränder, Hecken oder Bächen wird gemeinsam angeschaut, ob es bereits möglich ist, eine Fläche anzumelden und was allenfalls noch verbessert werden muss. Das kann das Fällen von bestimmten Bäumen bedeuten, eine Trockenmauer anzulegen oder eine Hecke zu pflanzen.

Die Beraterin prüft, ob es sich um einen Hochstamm-Obstbaum handelt.

Die Beraterin prüft, ob es sich um einen Hochstamm-Obstbaum handelt.

Einer, der naturnaher bauern möchte, ist Bruno Schürpf aus Schlatt-Haslen. Er bewirtschaftet einige Parzellen auf Ausserrhoder Kantonsgebiet und möchte für diese eine Biodiversitätsberatung in Anspruch nehmen. Gemeinsam schauen Karin Küng und Bruno Schürpf zuerst anhand von Ausdrucken aus der kantonalen Datenbank, welche Flächen überhaupt für Beiträge in Frage kommen. In diesem Fall ist es ein Ufergehölz, eine extensive Weide und eine Baumgruppe. «Auf dieser Weide stehen einige Hochstamm-Obstbäume, gibt es dafür einen Beitrag?», will der Bauer wissen. Doch die Beraterin muss ihn nach einem Blick in die Unterlagen enttäuschen. «Es müssten mindestens zehn Bäume sein. Du müsstest also noch fünf neue pflanzen.»

Einzelne Waldränder hat Bruno Schürpf in Absprache mit dem Förster bereits naturnah gestaltet. Dafür hat er einige grosse Bäume entfernt. Die Beraterin befürwortet dieses Vorgehen: «Der Waldrand soll nicht wie eine Wand in der Landschaft stehen, sondern Stufen aufweisen, damit mehr Licht zu den Pflanzen im Unterholz dringt.» Durch das Setzen von dornentragenden Pflanzen wie Schwarzdornbüschen oder Heckenrosen wird der Waldrand aufgewertet und zum Lebensraum für viele gefährdete Tierarten wie Vögel oder Hasen. Ein Krautsaum als Pufferstreifen zur Wiese muss stehen gelassen werden.

Die Beraterin überträgt die erhobenen Daten in ihre Unterlagen.

Die Beraterin überträgt die erhobenen Daten in ihre Unterlagen.

Beim abschliessenden Gespräch in der Küche des Landwirts wird in den Unterlagen abgeglichen, was bei der Begehung im Feld aufgenommen wurde. Bruno Schürpf kann diese Änderungen bei der nächsten landwirtschaftlichen Strukturdatenerhebung, die jeweils im Januar und Februar erfolgt, angeben.