Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

UNTERSUCHUNG: Vincenz lenkt Blick auf Herisau

Durch die Ermittlungen gegen Pierin Vincenz ist eine Herisauer Firma in den Fokus der Finanzmarktbehörde und der Medien geraten. Diese führt das Tagesgeschäft weiter und organisiert sich neu.
Simon Roth
Die Investnet AG mit Sitz in Herisau steht im Fokus der Öffentlichkeit. (Bild: Roger Fuchs)

Die Investnet AG mit Sitz in Herisau steht im Fokus der Öffentlichkeit. (Bild: Roger Fuchs)

Simon Roth

simon.roth@appenzellerzeitung.ch

Pierin Vincenz, Ex-Raiffeisen-Chef, sitzt zurzeit in Untersuchungshaft. Dem 61-Jährigen wird ungetreue Geschäftsbeschaffung vorgeworfen. Auch eine Firma mit Sitz in Herisau ist durch die Ermittlungen der Finanzmarktaufsicht in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Vielen Einheimischen dürfte das Unternehmen kein Begriff sein. Wer also ist die Investnet AG?

Die Genossenschaftsbank Raiffeisen hat die Finanzierungs- und Beteiligungsgesellschaft Investnet im Jahr 2012 als Partnerschaft zusammen mit Drittinvestoren gegründet (Ausgaben vom 1. und 3. März). Während die Raiffeisen als Hauptaktionärin 60 Prozent der Beteiligung hielt, besassen zwei Ostschweizer Unternehmer die restlichen 40 Prozent. Pierin Vincenz hatte als Raiffeisenchef die Beteiligung der Bauernbank eingefädelt. Als Verwaltungsratspräsident wurde Patrik Gisel, der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsleitung und aktuelle Chef der Raiffeisenbank, ernannt. Bis sich die Investnet im Jahr 2015 eine neue Struktur gab. Unter der Investnet Holding AG operieren seither die beiden Schwestergesellschaften Investnet AG und KMU Capital AG. Pierin Vincenz wurde neuer Verwaltungsratspräsident und beteiligte sich zu 15 Prozent an der Investnet AG. Gleichzeitig trat er als Raiffeisen-Chef zurück.

Unternehmen den Zugang zu Kapital ermöglichen

Das Geschäftsmodell der Investnet beschreibt die Firma mit Sitz in Herisau auf ihrem Internetauftritt. Unternehmen soll der Zugang zu Kapital ermöglicht werden, dies hauptsächlich über die KMU Capital AG, die mehrheitlich der Raiffeisen gehört. Die Investnet AG kümmert sich um die Verwaltung dieses Geldes. Das Portfolio umfasst aktuell 19 Beteiligungen in kleineren und mittleren Unternehmen. Diese beschäftigen laut «Handelszeitung» rund 1200 Mitarbeiter und machen einen Umsatz von über 300 Millionen Franken. Von insgesamt 300 Millionen Franken, die in den Unternehmen stecken, habe die Raiffeisen gegen 200 über die KMU Capital AG den KMU zugeführt.

Weiter will die Investnet Firma Zugang zu einem Netzwerk verschaffen, der bei Nachfolgelösungen oder etwa Wachstumsstrategien genutzt werden kann. Laut der Website interessiert sie sich für KMU mit einem Transaktionsvolumen von 5 bis 50 Millionen Franken. Auch betreibt Investnet einen Verein. Dieser soll den gut 50 Mitgliedern Direktinvestitionsmöglichkeiten in den KMU anbieten. Die Anforderungen an die Nachfolgeunternehmer lauten wie folgt: erfolgreicher Manager oder Managerin, zwischen 35-50-jährig, verfügbare Eigenmittel von mindestens einer halben Million Franken.

Beträge in zweistelliger Millionenhöhe geflossen

Laut dem Finanzblog «Inside Paradeplatz» soll die Raiffeisen an die beiden Minderheitsaktionäre der Investnet 20 bis 40 Millionen Franken ausbezahlt haben. Dies im Zuge einer Abmachung, die den beiden Unternehmern den Verkauf der Aktien an die Raiffeisen ermögliche. Weitere Zahlungen sind laut «Inside Paradeplatz» geplant gewesen, bis die Genossenschaftsbank alleinige Aktionärin würde. So weit kam es schliesslich nicht mehr. Pierin Vincenz kaufte 15 Prozent der Anteile. Nun steht der Vorwurf im Raum, Vincenz habe die Interessen seiner früheren Arbeitgeberin Raiffeisen mit den eigenen vermischt und sich so persönlich bereichern wollen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Zwei Tage, bevor die Polizei vergangene Woche eine Hausdurchsuchung bei Pierin Vincenz durchgeführt hatte, verschickte sowohl die Raiffeisen wie auch die Investnet eine Medienmitteilung. Darin vermeldeten sie, die Beteiligungsverhältnisse neu zu organisieren. Die Raiffeisen soll alle Aktien der KMU Capital AG übernehmen und die bisherigen Minderheitsaktionäre sollen 100 Prozent der Aktien der Investnet AG übernehmen. Zudem solle Pierin Vincenz als Verwaltungsratspräsident an der kommenden Generalversammlung der Gesellschaften im April abtreten. Ein Tag nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen Pierin Vincenz veröffentlichte Investnet eine weitere Mitteilung, in der sie «trotz der bekannt gewordenen Umstände» an der Reorganisation festhält. Auf Anfrage dieser Zeitung will sich die Herisauer Firma nicht äussern und verweist auf die Medienstelle der Raiffeisen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.