Unterschlupf für Kleintiere

LÜTISBURG. Die Gemeinde Lütisburg hat seit diesem Jahr ein Vernetzungsprojekt. Andy Wyss von der Ökoberatungen Reto Zingg GmbH, Ebnat-Kappel, begleitet das Projekt fachlich und schliesst die nötigen Vereinbarungen ab.

Cecilia Hess-Lombriser
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Eine Anlage von Hochstammbäumen ist aus Sicht der Natur sehr wertvoll. (Bilder: Cecilia Hess-Lombriser)

Eine Anlage von Hochstammbäumen ist aus Sicht der Natur sehr wertvoll. (Bilder: Cecilia Hess-Lombriser)

Das Vernetzungsprojekt der Gemeinde Lütisburg ist vor kurzem vom Landwirtschaftsamt geprüft und gutgeheissen worden. Das Ziel von Vernetzungsprojekten ist, die natürliche Artenvielfalt auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu erhalten und zu fördern. Dafür werden Biodiversitätsförderflächen (BFF) so plaziert und bewirtschaftet, dass günstige Bedingungen für die Entwicklung und Verbreitung von Tieren und Pflanzen entstehen. Die Massnahmen des Projektes werden auf die Bedürfnisse lokal vorkommender Ziel- und Leitarten ausgerichtet.

Fachliche Begleitung

Für das Vernetzungsprojekt Lütisburg wurden folgende Ziel- und Leitarten ausgewählt: Zielarten: Wacholderdrossel, Zauneidechse, Gelbbauchunke, Geburtshelferkröte, Sumpfgrashüpfer. Leitarten: Hermelin, Rauchschwalbe, Schachbrettfalter. «Alle diese Arten, die man durch dieses Vernetzungsprojekt fördern möchte, kommen bereits im Gebiet vor», sagt der begleitende Biologe Andy Wyss. Zielarten sind lokal bis regional vorkommende, aber national gefährdete Arten, die erhalten und gefördert werden sollen und für welche die Schweiz in Europa eine besondere Verantwortung trägt. Leitarten sind charakteristisch für die Region und repräsentativ für einen bestimmten Lebensraum, sie kommen dort entsprechend häufiger vor als in anderen Naturräumen. Die Ökoberatungen Reto Zingg GmbH hat vom Gemeinderat Lütisburg den Auftrag erhalten, das Vernetzungsprojekt Lütisburg fachlich zu begleiten, die einzelnen Betriebe zu besuchen, zu beraten und wo erwünscht Vereinbarungen abzuschliessen. «Wir stellten für den Kanton die nötigen Unterlagen bereit, damit das Vernetzungsprojekt bewilligt werden konnte», informiert Wyss weiter. Im vierten Jahr wird ein Zwischenbericht erstellt, im achten Jahr ein Schlussbericht für die erste Vernetzungsperiode. Die Projektträgerschaft Lütisburg wird über die Entwicklungen im Vernetzungsprojekt auf dem Laufenden gehalten.

Beratungen vor Ort

Der Gemeinderat Lütisburg hat eine Kommission für das Vernetzungsprojekt unter dem Vorsitz von Gemeinderat Werner Grob gebildet. «Für uns ist das Vernetzungsprojekt neu. Ein Vorstoss im Jahr 2005 wurde nicht weiterverfolgt», weiss Grob. Das vom Kanton bewilligte Projekt läuft jeweils acht Jahre und kann dann erneut beim Kanton beantragt werden. Das aktuelle also von 2015 bis 2023. In Lütisburg ist es durch Anfragen der Landwirte zustande gekommen. «Die Projektierungskosten übernimmt die Gemeinde; später teilweise der Kanton. Das Kostendach beträgt rund 62 000 Franken für acht Jahre», informiert Werner Grob. Rund zwei Drittel der Lütisburger Wirtschaftsbetriebe, zurzeit 45, haben BFF für die Vernetzung angemeldet.

Im vergangenen Winter wurden interessierte Bewirtschafter durch die Ökoberatung Reto Zingg GmbH kontaktiert. Gemeinsam wurden die Biodiversitätsförderflächen auf einer Karte eingezeichnet. «Eine BFF ist nur dann beitragsberechtigt, wenn eine Zusatzbedingung erfüllt wird. Diese hat einen positiven Einfluss auf die Biodiversität im Landwirtschaftsland. Ist der Landwirt bereit, diese zu erfüllen oder erfüllt sie bereits, wird er durch den Vernetzungsbeitrag entschädigt. Welche Flächen der Bewirtschafter unter welchen Aufwertungsmassnahmen für das Vernetzungsprojekt anmelden möchte, wird während der Beratung vor Ort besprochen», berichtet Andy Wyss. Danach werde eine Vereinbarung getroffen, in welcher die Bedingungen und die beitragspflichtigen Flächen aufgelistet sind. Auf Wunsch des Bewirtschafters werden diese Flächen in das Vernetzungsprojekt aufgenommen und dem Landwirtschaftsamt des Kantons mitgeteilt.

Verschiedene Massnahmen

Geht es um die bereits bestehende Lebensraumvielfalt oder kann damit der Vernetzung wertvoller Lebensräume aktiv nachgeholfen werden? Der Biologe: «Einerseits werden Landwirte, die bereits zum Wohle der Natur wirtschaften, durch Vernetzungsbeiträge belohnt; andererseits wird auch mal in Erwägung gezogen, weitere Hochstammobstbäume zu pflanzen, um einen Obstgarten anmelden zu können, oder es werden beim Mähen Altgrasstreifen stehen gelassen. Andere wichtige Strukturen für Kleintiere wie Ast- und Steinhaufen entstehen ebenfalls durch ein Vernetzungsprojekt. Die Natur profitiert bei einem Vernetzungsprojekt von den zahlreichen kleineren und grösseren Massnahmen.»

Zusatzbedingungen erfüllen

Wie in der Vernetzungsrichtlinie des Kantons St. Gallen festgehalten, muss der Landwirt eine Zusatzbedingung erfüllen, um Vernetzungsbeiträge zu erhalten. Eine mögliche Zusatzbedingung ist, auf den angemeldeten Flächen 5 bis 10 Prozent Altgras stehen zu lassen. «Wenn an sonnigwarmen Frühsommertagen die Wiesen ziemlich flächendeckend gemäht werden, ist dies eine drastische Lebensraumänderung für Kleintiere der Wiesen wie Heuschrecken, Schmetterlinge, Spinnen und Kleinsäuger. Unterschlupfmöglichkeiten und das Blütenangebot sind dann komplett verschwunden. Da schaffen Altgrasstreifen Abhilfe», erklärt der Fachmann.

Haufen aus Ästen und Steinen

Eine weitere Zusatzbedingung, die nun auch auf manchen Flächen umgesetzt wird, ist die Bildung von Ast- und Steinhaufen. «Vielen Kleintieren fehlt es in der intensiv genutzten Landschaft an Nistplätzen, Verstecken und Unterschlupfmöglichkeiten. Da schaffen Ast- und Steinhaufen Abhilfe. Hermelin, Zauneidechse, Igel, Geburtshelferkröte und andere profitieren davon.»

Altgrasstreifen fördern Heuschrecken, Schmetterlinge oder Spinnen.

Altgrasstreifen fördern Heuschrecken, Schmetterlinge oder Spinnen.

Ast- und Steinhaufen ermöglichen Kleintieren Unterschlupf. (Bild: Andy Wyss)

Ast- und Steinhaufen ermöglichen Kleintieren Unterschlupf. (Bild: Andy Wyss)

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