Das Projekt Unterdorf in Speicher gerät ins Stocken

Vor einem Jahr wurde die Wohnbaugenossenschaft Speicher gegründet. Das Fazit nach dieser Zeit fällt ernüchternd aus. Das Projekt Unterdorf ist wegen Einspracheverhandlungen zum Stillstand gekommen.

Astrid Zysset
Drucken
Teilen
So soll das fertig umgesetzte Projekt Unterdorf einmal aussehen. (Bild: PD)

So soll das fertig umgesetzte Projekt Unterdorf einmal aussehen. (Bild: PD)

Unbefriedigend ist die aktuelle Situation für die Wohnbaugenossenschaft Speicher. «Wir befinden uns in einer Warteposition. Und das schon seit Monaten», sagt Präsident Stephan Rausch. Und: «Wir können nichts tun. Obwohl wir als Bauherrin agieren werden, sind wir derzeit nicht direkt am Verfahren beteiligt.» Verhandlungspartei ist die Gemeinde. Sie war federführend bei der Planung, den Bewilligungsverfahren, und ist Besitzerin des Grundstückes, auf dem das Projekt Unterdorf umgesetzt werden soll. Vergangenen Oktober lag der Gestaltungsplan für das Bauprojekt öffentlich auf. Neun Einsprachen gingen ein. «Die Einspracheverfahren sind noch nicht abgeschlossen», sagt Gemeinderat Florian Németh, Ressort Baubewilligungen, auf Anfrage. Darum könnten im Moment keine weiterführenden inhaltlichen Angaben gemacht werden. Auch eine zeitliche Prognose, bis wann die Verhandlungen abgeschlossen sein dürften, will Németh nicht wagen. Die Gemeinde werde zu gegebener Zeit informieren, heisst es weiter.

Eine Million Franken Genossenschaftskapital

Vor einem Jahr wurde die Wohnbaugenossenschaft gegründet. Mittlerweile zählt sie 39 Mitglieder, rund eine Million Franken Genossenschaftskapital ist zusammengekommen. Klingt nach einer erfolgreichen Entwicklung. Doch Stephan Rauschs Anfangseuphorie ist etwas gedämpft. «Die Projektentwicklung steht still. Das hat den Schwung rausgenommen.» Tatsächlich hat die Nachfrage nach einer Mitgliedschaft seit Bekanntwerden der Einsprachen abgenommen. Auch die Kapitalbeschaffung ist ins Stocken geraten. «Ich verstehe das», sagt der Wohnbaugenossenschaftspräsident. «Ich wäre auch vorsichtig, in ein Projekt zu investieren, zu welchem noch keine Bewilligung vorliegt.» Das Ziel der Wohnbaugenossenschaft ist es, auf drei bis dreieinhalb Millionen Franken Eigenkapital zurückgreifen zu können. Ein zu ambitioniertes Vorhaben? «Nein», findet Rausch. Es sei realistisch. Viele Private und KMUs hätten bislang Anteilsscheine gezeichnet. «Wir sind nun in Kontakt mit anderen Genossenschaften. Von diesen wurden uns teilweise sehr hohe Beträge in Aussicht gestellt.» Aber erst müsste die Einigung mit den Einsprechern erzielt werden.

Rausch ist nach wie vor überzeugt vom Projekt Unterdorf. Dass es umgesetzt wird, ist für ihn sicher. Die Frage ist nur, wann. Und wie. Noch offen ist nämlich der Entscheid, ob ausschliesslich Mietwohnungen entstehen oder ob ein, zwei Häuser im Eigentum veräussert werden. Dann würde sich das Projektvolumen der Wohnbaugenossenschaft dementsprechend verkleinern. Aktuell geht sie davon aus, dass das Investitionsvolumen zwischen 25 und 30 Millionen Franken beträgt, inklusive Fremdkapital.

Das Projekt Unterdorf in Kürze

70 Wohneinheiten werden im Gebiet Unterdorf realisiert. Die Idee ist, dass bezahlbarer Wohnraum für Familien, aber auch kleinere Einheiten für Paare und Einzelpersonen entstehen. Die Gemeinde hatte 2014 das 16 000 Quadratmeter grosse Gebiet gekauft, um es der Spekulation zu entziehen. Was folgte, war ein Architekturwettbewerb und die Gründung einer Wohnbaugenossenschaft. Sie soll das Land kaufen oder im Baurecht übernehmen und als Bauherrin auftreten. (pd)