Unter Wasser trocknen lassen

Speerspitz

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Ich kann den Sommer nicht leiden. Es stört mich nicht, wenn Sie jetzt empört nach Luft geschnappt haben. Da fällt mir etwas ein, was die Sommerhitze erträglicher macht. Wasser. Wie in der Badi. Aber ganz ehrlich, ich war noch nie ein Badi-, sondern schon immer ein Seekind. Noch lieber bade ich irgendwo, wo ich nicht von zahlreichen Leuten beäugt werden kann. Also zu Hause. Im kleinen – in der Werbung nennen sie es tatsächlich so – Pool. Fairerweise ist es eher ein Planschbecken. Zwei mal drei Meter. Nach Luft schnappen ist da nicht möglich, da man den Kopf im fünfzig Zentimeter tiefen Wasser nur mit Mühe und üblen Verrenkungen unter die Oberfläche kriegt.

Doch auch der «Pool» brachte mich dieses Jahr dazu, nach Luft zu schnappen. Vor Entsetzen. Als ich ihn nach dem Aufstellen schweissgebadet begutachtet habe und mit Wasser zu befüllen begann, entdeckte ich zahlreiche Wasserlachen. Der Pool hatte Löcher. Zuhauf.

Abkühlen in zehn Zentimeter hohem Wasser, das ständig abfliesst? Ein Ding der Unmöglichkeit. Zum Glück gibt es Reparatursets für solche Notfälle. Mit Leim. Witziges Detail: Dieser Kleber «trocknet» unter Wasser. Und das dauerte «nur» zwei Stunden. Dies aber erst, nachdem ich am Vormittag in den Baumarkt gefahren war, das dort gekaufte Reparaturset nach zwei Stunden klebrigem Geschmiere frustriert in den Müll geworfen habe, zu einem anderen Baumarkt fuhr, dort ein vermeintlich besseres Set erwarb und danach erneut mit leimverschmierten Händen unter Wasser hantiert habe. Sehen Sie? Mit so etwas muss ich mich im Sommer rumschlagen. Ich freue mich schon jetzt auf den Herbst.

Martina Signer

martina.signer@toggenburgmedien.ch