Unter dem Lichterbaum

Nachdem den Mitgliedern unserer obersten Exekutive von einer gewissen Sonntagspresse angelastet wurde, sie seien Weihnachtsmuffel, erachte ich es als Bürgerpflicht, solchen Anwürfen entgegenzutreten und die Dinge wieder etwas zurechtzurücken.

Martin Hüsler
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Bild: Martin Hüsler

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Nachdem den Mitgliedern unserer obersten Exekutive von einer gewissen Sonntagspresse angelastet wurde, sie seien Weihnachtsmuffel, erachte ich es als Bürgerpflicht, solchen Anwürfen entgegenzutreten und die Dinge wieder etwas zurechtzurücken. Ich habe meine Beziehungen spielen lassen und in Erfahrung bringen wollen, wie bei Bundesrats Weihnachten gefeiert wird. Als absolut gesichert können die mir zugetragenen Informationen zwar nicht gelten, aber ihr Wahrscheinlichkeitsgrad darf grösstenteils als hoch eingestuft werden.

So viel vorweg: Von Muffel kann keine Rede sein. Mir ist beispielsweise zugetragen worden, dass Christbäume trauten Schein in sämtliche bundesrätlichen Stuben bringen, auch in jene des Neugewählten. Und meine nicht genannt sein wollenden Gewährsleute haben auch herausbaldowert, was da und dort unter dem Lichterbaum liegt. Bei Guy Parmelin ist es unter anderem eine Ostwind-Tageskarte, damit er jene Gegend auch einmal erkunden kann, der gegenüber er in seiner Antrittsrede das Versprechen abgab, er werde sie nicht vergessen. Der angehende Bundespräsident Johann Schneider-Ammann wird sich nach der Bescherung fortan auf das Bändchen «Grosse Worte – gelassen ausgesprochen» aus der Leitfadenreihe «Rhetorik im Alltag» abstützen können. Bei Burkhalters und bei Leuthards blieben Nachforschungen ergebnislos. Ueli Maurer winkte leider mit dem Hinweis ab, er habe keine Lust, sich in die Weihnachtsstube blicken zu lassen. Simonetta Sommaruga und Alain Berset schliesslich, beide mit pianistischen Fähigkeiten reich gesegnet, sollen scheint's einen Klavierauszug der Donizetti-Oper «I Pazzi per Progetto» erhalten. Sie spielt in einem Irrenhaus und ist unter den deutschen Titeln «Die absichtlichen Narren» beziehungsweise «Die Irren aus Vorsatz» bekannt. Aber das halte ich nun wirklich für unqualifiziertes Gemunkel.

Bild: Martin Hüsler

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