«Unsere typische Baukultur schützen»

Die CVP AR regt an, die Ortsbildschutzzonen im Kanton grundsätzlich zu überprüfen. Denkmalpfleger Fredi Altherr zweifelt am Sinn des Postulats. Seiner Ansicht nach stehen nicht zu viele Häuser im Kanton unter Schutz.

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Herr Altherr, was halten Sie von der Überprüfung der Ortsbildschutzzonen?

Fredi Altherr: Es finden alle 10 bis 15 Jahre Überprüfungen der Zonenpläne statt. Zudem hat der Kanton 2006 eine Überprüfung der Grundlagen für die Schutzplanungen angeordnet. Danach forderte der Regierungsrat die Gemeinden auf, ihre Ortsbildschutzzonen auf Verkleinerungspotenzial zu überprüfen. Die bisher vorgenommenen Anstrengungen haben noch in keiner Gemeinde zu einer substanziellen Reduktion geführt. Unter anderem deshalb, weil die Zonen sehr bewusst festgelegt wurden.

Es wird aber gesagt, dass sich viel zu viele Häuser unter Schutz befinden. Wie schätzen Sie das ein?

Altherr: In unserem Kanton gibt es keine Prachtbauten wie Schlösser, Burgen oder Opernhäuser. Wir haben dafür Hunderte Profanbauten. Das ist unsere Baukultur, das ist unsere Stärke, die es zu schützen gilt. Paris schützt den Eiffelturm und München das Hofbräuhaus. Wir haben unsere Appenzellerhäuser, denen wir Sorge tragen müssen. Ich teile daher die Ansicht nicht, dass zu viele Häuser unter Schutz stehen.

Es wird ausserdem beklagt, dass die Behörden die Vorschriften zu stur anwenden. Was sagen Sie dazu?

Altherr: Wir wenden die Regeln nicht stur, sondern konsequent an. Ein Denkmalpfleger ist kein Konservator. Die Häuser dürfen und müssen sich verändern. Entscheidend ist, dass diese Veränderungen auf hohem Niveau erfolgen. Für Pfusch bieten wir keine Hand. Ein Appenzellerhaus ist halt nur dann typisch, wenn es weitgehend mit den traditionellen Ingredienzien erstellt wird.

Dann dürfen beispielsweise keine kostengünstige Kunststofffenster verwendet werden?

Altherr: Nein, wir wollen die originalen Werkstoffe. Für einen Appenzellerkäse werden auch nur originale Zutaten verwendet. Im Gegensatz zum Käse jedoch kann ein Gebäude den heutigen Bedürfnissen angepasst werden. Früher gab es nur Plumpsklos, keine Bäder und niedrige Raumhöhen. Solche Mängel müssen behoben werden. Heute ist es zum Beispiel möglich, eine Garage, Balkone, einen Lift anzubauen. Nur muss alles sauber geplant werden; hier bieten wir Beratungen an.

So teure Haussanierungen können sich wohl nur «Millionäre» leisten.

Altherr: Das ist nicht der Fall. Ausserdem leisten wir auch finanzielle Unterstützung. Wir wollen schliesslich nicht nur mitbestimmen, was gemacht wird. Wichtig ist es, dass die Hausbesitzer kontinuierlich in den Unterhalt investieren. Wer fünfzig Jahre lang von der Substanz lebt, hat irgendwann zwangsläufig hohe Kosten für die Haussanierung.

Trotzdem: Es gibt viele alte Gebäude im Kanton. Würde eine Lockerung nicht zur Aufwertung dieser Substanz beitragen?

Altherr: Ich bin skeptisch. Auch wenn wir beispielsweise in Schwellbrunn die Ortsbildschutzzone aufheben würden, so stünden die Investoren trotzdem nicht Schlange. Wohnen im Dorf ist zurzeit noch kaum Trend, mit attraktiven zeitgemässen Umbauten wird es uns gelingen, dies zu ändern.

Wie wollen Sie das erreichen?

Altherr: Wir sollten die vorhandenen Instrumente weiterentwickeln. Der Kanton hat beispielsweise vor zwei Jahren die Hausanalyse eingeführt. Gut renovierte Häuser lösen Begeisterung aus und haben oftmals eine Sogwirkung auf die ganze Umgebung. Hier müssen wir meiner Ansicht nach ansetzen. Interview: pk

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