«Unsere Leute sind belesen»

Wie viele Jahre Yves Noël Balmer noch SP-Präsident bleiben will, kann er nicht sagen. Fakt ist jedoch: Nach fünf Jahren in diesem Amt erachtet er seine Parteimitglieder als weniger hemdärmelig als in anderen Parteien.

Roger Fuchs
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Für seine persönliche Zukunft verfügt Yves Noël Balmer über eine A-B-C-Planung. (Bild: Bruno Eisenhut)

Für seine persönliche Zukunft verfügt Yves Noël Balmer über eine A-B-C-Planung. (Bild: Bruno Eisenhut)

Yves Noël Balmer, seit fünf Jahren sind Sie Parteipräsident der Ausserrhoder SP. Wie gefällt es Ihnen?

Yves Noël Balmer: Gut, aber es ist eine nicht zu unterschätzende Arbeit. Sowohl von den Medien wie auch von der Politik her ist es in den letzten Jahren schnelltaktiger geworden. Als Parteipräsident bin ich gefordert, verschiedenste Ansprüche zu koordinieren. Es ist eine Arbeit, die ohne Sekretariat nicht mehr möglich wäre. Mein Vorgänger Ivo Müller hat Gott sei Dank bereits ein solches eingeführt.

Gibt es Anfangsfehler, die Sie heute nicht mehr machen?

Balmer: Für das Amt eines Parteipräsidenten gibt es kein Studium. Heute bin ich sicher entspannter, wenn Medienanfragen kommen. Ich will aber auch mehr gegenlesen als früher. Immer wieder von neuem herausfordernd ist, allen Voten an einer Veranstaltung den richtigen Raum zu gewähren. Ich denke, da unterscheiden wir uns auch von anderen Parteien. Unsere Leute sind belesen, folglich kommen kontroversere Voten, die weniger hemdärmelig sind.

Seit Sie Parteipräsident sind, sitzt Matthias Weishaupt für die SP in der Regierung. Wegen überrissene Honorare beim Verwaltungsrat des Spitalverbundes geriet auch er kürzlich in die Kritik.

Balmer: Wir sind in dieser Situation kritisch, aber fair miteinander umgegangen. Zwar ist er für mich nicht nur Regierungsrat, sondern auch Parteikollege und Freund – doch ich habe ihn in der angesprochenen Situation nicht nur gelobt.

Inwiefern hat dadurch das Verhältnis zwischen Ihnen

gelitten?

Balmer: Es hat nicht gelitten. Im Gegenteil: das gegenseitige Vertrauen ist gewachsen. Er hat gelernt, gut mit Kritik umzugehen. Und ich habe das Vertrauen gewonnen, dass er alles, was er als Mitglied der Regierung sagen darf, mir auch sagt.

Seit Ende 2013 verfügt die SP AR über ein 12-Punkte-Programm. Ist das nun ein Balmer-Programm oder ein Basis-Programm?

Balmer: Es ist ein tiefes Basis-Programm. Ich habe es zwar angestossen und auch grossen Druck bezüglich Terminierung aufgebaut. Letztlich wurde in der Partei aber darüber abgestimmt, ob auch alle ein solches Programm wollen. Die Umsetzung war dann eine Riesenarbeit, es sind viele Nächte drauf gegangen.

Ursprünglich wolltet Ihr, dass dieses Programm in der Bevölkerung breit diskutiert wird. Diese Diskussion fand allerdings nicht statt.

Balmer: Das stimmt nicht. Das Programm wurde an alle Haushaltungen verschickt. Wir kriegen bis heute Rückmeldungen und es gab auch Neumitglieder wegen des Programms. Und was mich besonders stolz macht, ist die Tatsache, dass wir die einzige Partei im Kanton sind, die mit einem prägnanten Programm sagt, wie der Kanton in Zukunft aussehen soll.

Wie soll er denn aussehen? Nennen Sie die vordringlichsten Punkte aus dem Programm.

Balmer: In Sachen Steuergerechtigkeit müssen wir dranbleiben. Bei Familien mit unteren und mittleren Einkommen rangiert Appenzell Ausserrhoden gemäss einer Studie der Wirtschaftsforschung BAK Basel auf den hintersten Rängen. Pflöcke gilt es auch in Sachen Landschaftsschutz einzuschlagen. Und unser Kanton hat weit über 70 Prozent Atomstrom. Davon müssen wir wegkommen. Erneuerbare Energie ist eine Wirtschaftschance für unseren Kanton.

In Ihre Präsidialzeit fiel auch das 100-Jahr-Jubiläum der Partei. Was hallt nach?

Balmer: Das Jubiläum hat unsere Parteigeschichte vor Augen geführt mit dem politischen Übervater und Gründer Howard Eugster-Züst. Dieses Bewusstsein hallt nach und gibt mir auch Respekt vor dem Amt. Wir sind jetzt auch daran, eine Chronik der Parteigeschichte erstellen zu lassen. Noch in diesem Jahr sollte diese von der Kantonsbibliothek veröffentlicht werden.

Wie lange werden Sie die Geschichte als SP- Präsident noch fortschreiben?

Balmer: Was ich weiss, ist, dass ich für 2015 nochmals kandidiere. Im Moment habe ich eine A-B-C-Planung. A betrifft eine berufliche Weiterbildung, B die Politik und C hat mit Auslandprojekten zu tun. Ich versteife mich auf nichts, sondern lasse es auf mich zukommen. Die Gegebenheiten müssen passen.

Für seine persönliche Zukunft verfügt Yves Noël Balmer über eine A-B-C-Planung. (Bild: Bruno Eisenhut)

Für seine persönliche Zukunft verfügt Yves Noël Balmer über eine A-B-C-Planung. (Bild: Bruno Eisenhut)

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