Unser wichtigstes Nahrungsmittel

Norbert Fischbacher ist seit zwei Jahren Brunnenmeister der Dorfkorporation Wildhaus. Trotz des heissen und relativ trockenen Sommers hat im Obertoggenburg nie Wassermangel bestanden.

Christiana Sutter
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Norbert Fischbacher im Lager der Betriebszentrale der Dorfkorporation Wildhaus an der Moosstrasse. (Bilder: Christiana Sutter)

Norbert Fischbacher im Lager der Betriebszentrale der Dorfkorporation Wildhaus an der Moosstrasse. (Bilder: Christiana Sutter)

WILDHAUS – ALT ST. JOHANN. Der Brunnenmeister Norbert Fischbacher sitzt in seinem Büro in der Betriebszentrale der Dorfkorporation Wildhaus. Seit 2013 ist Fischbacher für das saubere Wasser in Wildhaus verantwortlich. «Das Wasser ist unser wichtigstes Grundnahrungsmittel», sagt Fischbacher. Dies ist auch der Grund, dass die Wasserqualität mehrmals jährlich durch die kantonale Lebensmittelkontrolle kontrolliert wird. «Wir unterstehen dem Lebensmittelgesetz.» Zur Entkeimung durchfliesst das hereinkommende Wasser in den Reservoirs einen Tank. In diesem wird mit ultravioletten Strahlen das Wasser desinfiziert.

Neues Reservoir

Der Brunnenmeister ist verantwortlich dafür, dass die Bevölkerung genügend Wasser mit ausreichendem Druck erhält. Nicht jedes Dorf oder jede Gemeinde hat einen Brunnenmeister, aber immer jemanden, der für das Wasser die Verantwortung hat. In Wildhaus ist Norbert Fischbacher für die Kontrolle und die Reparaturen des Wassernetzes zuständig. Für Alt St. Johann und Unterwasser ist Arthur Tobler aus Alt St. Johann Brunnenmeister. Er ist zugleich in der Kommission Weiterbildung des Schweizerischen Brunnenmeister-Verbandes. 95 Prozent des Wildhauser Trinkwassers kommen aus den Quellen Flüren, Oberhag, Gamplüt und Oberdorf. Die restlichen 5 Prozent aus dem Pumpwerk Widen in Unterwasser.

Die erste Arbeit am Morgen ist das Kontrollieren des gesamten Wasserbedarfs. Das Wassernetz verfügt über 300 Schieber im Gebiet von Wildhaus. Auf seinem Computer kann Norbert Fischbacher sämtliche zehn Wildhauser Reservoirs und deren Zu- und Ableitungen überprüfen. Über das System wird die natürliche Wassergewinnung des Grund- und Quellwassers kontrolliert. Dieses System läuft Tag und Nacht und löst bei einer Störung einen Alarm beim Brunnenmeister aus. «Ich bin eigentlich immer auf Pikett.» Das System zeigt genau an, wie viel Wasser verbraucht wurde. Fischbacher weist auf den Verbrauch des Reservoirs Hag hin, welches die Alp Gamplüt Boden mit Wasser versorgt. «Hier sieht man, dass das Vieh am Samstag von der Alp gegangen ist, der Wasserverbrauch ist gesunken.» Jene Reservoirs, die im Wohn- respektive Tourismusbereich plaziert sind, weisen auch eine vorgeschriebene Menge an Löschwasser auf. Dies für einen Notfall, sollte es irgendwo brennen. Das neuste Reservoir der Dorfkorporation Wildhaus ist jenes in der Egg, das Reservoir Fausler. Dieses wurde neu gebaut, da das alte bereits 118jährig war. Das Reservoir Fausler wird diesen Herbst in Betrieb genommen. Eine Tätigkeit, die vor Ort ausgeführt wird, ist die Kontrolle der Schieber, Pumpen, Reservoirs und Hydranten, «und die Schutzzonenkontrolle». Dabei werden auf den Alpweiden die Flächen eingezäunt, die durch das Vieh nicht betreten werden dürfen.

Jahreszeitabhängige Arbeiten

Die Arbeiten des Brunnenmeisters variieren auch mit den Jahreszeiten. Im Sommer ist Fischbacher vermehrt draussen. Er besucht Baustellen und schaut, was seitens der Leitungen noch gemacht werden muss. Auch besteht im Sommer die Gefahr starker Niederschläge. Kommt es zu Hochwasser, weist die Grafik des Leitsystems des Brunnenmeisters viele rote Punkte auf. «Das kann eine Trübung sein, die über dem Toleranzwert liegt, eine Verwurfklappe, die nicht funktioniert, oder eine Entkeimungsanlage weist eine Störung auf.» Sollte es zu einem Wassermangel kommen, würde Wasser des Pumpwerks Widen in Unterwasser in die Reservoirs gepumpt. Es wäre aber schlecht, wenn gerade die oberste Ortschaft kein Wasser mehr hätte, «dann hätten die unteren Ortschaften schon lange kein Wasser mehr», sagt Fischbacher etwas nachdenklich. Im Winter gibt es mehr Büroarbeiten. Wegen der geschlossenen Schneedecke gibt es auch weniger spontane Einsätze.

Ordner für den Notfall

Ein Horrorszenario für einen Brunnenmeister ist es, wenn eine Haupt- oder eine Zuleitung defekt oder das Wasser durch Bakterien verunreinigt ist. «Für mich ist es daher sehr wichtig, dass die Unterhaltsarbeiten regelmässig durchgeführt werden.» Norbert Fischbacher zeigt auf einen schwarzen Ordner. «Wenn ich diesen zur Hand nehme, darf ich nicht mehr studieren, sondern muss sofort handeln.» Er sagt, dass er ihn zum Glück noch nie benötigte. Zurzeit absolviert Norbert Fischbacher den Lehrgang zum eidgenössischen Brunnenmeister. «Ende September sind die Prüfungen», sagt Fischbacher, der gerade die letzte Ausbildungswoche hinter sich hat.

In der «Widen» in Unterwasser wird das Grundwasser reguliert.

In der «Widen» in Unterwasser wird das Grundwasser reguliert.

Mit einem Suchgerät sucht der Brunnenmeister nach einem Schieber.

Mit einem Suchgerät sucht der Brunnenmeister nach einem Schieber.

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