«Unser Weg» mit Professor

Kleinkulturell läuft zu Beginn der Frühlingsferien meist nicht mehr allzu viel. Dem hielt der Schönengründler Asselkeller «Amarao Drom» entgegen – mit durchschlagendem Erfolg.

Michael Hug
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«Amaro Drom» füllte am Samstag den Schönengründler Assel-Keller bis auf den letzten Platz. (Bild: Michael Hug)

«Amaro Drom» füllte am Samstag den Schönengründler Assel-Keller bis auf den letzten Platz. (Bild: Michael Hug)

Wald-Schönengrund. Von wegen Ferien – wenn das Wetter so ist wie es zurzeit ist, bleiben Hinterländer und Neckertaler im Land und gehen in den Keller. Am Samstag lohnte es sich, den «Asselkeller» aufzusuchen. Nicht weil es dort kühler war als auf dem Ebenerdigen, denn es wurde sogar wärmer, sondern weil dort «Amaro Drom» spielte. Ein unscheinbarer Name, ein Geheimtip, für Fans der Roma-Musik aber ein absolutes Muss. «Amaro Drom» sind vier klingende Namen, die im Bereich Zigeunermusik aus der Ostschweiz für deren Anhänger das Non-plus-Ultra bedeuten. Kein Wunder war der «Asselkeller» bis mehr als nur auf den letzten Platz besetzt.

Hochzeitslied zum Auftakt

Mit dem «Gipsy Wedding Song», dem Haupt-Heiratslied der Roma, begann der schwüle Abend im Keller. Mit einer Eigenkomposition des Geigers Gavro Nicolic ging es weiter. Womit angedeutet wird: «Amaro Drom» pendelte stets zwischen Traditionellem und Neuem, zwischen Bekanntem und neu zu Entdeckendem. Auch Tradition bedeutet den Roma nicht, die Asche zu hüten, sondern stets die Glut von neuem zu entfachen, ihre Musik immer wieder neu zu betrachten und neu zu erschaffen.

Kein «Gipsy Wedding Song» tönt gleich wie der letzte, denn auch Hochzeiten sind nicht immer gleich lustig und die Brautleute wechseln ebenso von Fest zu Fest.

Musik der Emotionen

Denn Zigeunermusik ist Musik der Emotionen. Dramatisch ging es also am Samstagabend zu und her, als von Liebe und Leid gesungen wurde. Fröhlich wenn Erinnerungen von ausgelassenen Festen aufgefrischt wurden. Oder himmelhochtraurig wenn der Tod oder die Steuer im Spiel waren. «Amaro Drom» bewegte sich immer nah an den Wurzeln der Roma-Musik, gewährleistet durch die Herkunft des eigentlichen «Stars» des Quartetts, Goran Kovacevic sowie der erwähnte Gavro Nicolic und Demco Bajramovic an der klassischen Gitarre. Letzterer bezeichnet sich als fanatischer Anhänger Django Reinhardts, womit er einen Hauch Jazz in das akustische Bild von «Amaro Drom» brachte.

«Unser Weg»

Der Vierte im Bunde, der einzige dessen Name nicht auf «ic» endet, ist Patrick Kessler. Auch er in der Szene ein Altbekannter und ausserdem Weggefährte von Kovacevic, spielt er doch auch in dessen Nebenprojekten wie dem «Dusa Orchestra» und dem «Romobil» den Kontrabass.

Trotz des prominenten Akkordeonisten, der noch dazu den Titel eines Professors (für Akkordeon und Kammermusik am Landeskonservatorium in Feldkirch) tragen darf, wurde der Abend nicht zur Ego-Show eines Einzelnen, sondern es trugen alle wechselnd mit bewegenden Solis zum Fest bei. Nomen est Omen – «Amaro Drom» heisst schliesslich «unser Weg».

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