Unser Dorf nicht verkaufen

Leserbrief zum Artikel «Angst vor 500 neuen Bewohnern» vom 8. April

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Leserbrief zum Artikel «Angst vor 500 neuen Bewohnern» vom 8. April

Ja, als Mogelsbergerin durch und durch habe ich wirklich Angst vor so vielen neuen Bewohnern. Und ich denke dazu gibt es auch gute Gründe: Wenn in unserem Dorf 500 Personen mehr wohnen, ist das fast eine Verdoppelung der Einwohnerzahl von Mogelsberg. Wollen wir das wirklich ?

Letzten Mittwochabend wurde uns den ganzen Abend gesagt, dass die Stiftung Kolese mit uns zusammenarbeiten will. Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine solche Zusammenarbeit aussehen soll, wenn die Stiftung eine eigene Infrastruktur aufbauen will. In der ganzen Gemeinde sind wir betroffen von Schulhausschliessungen. Warum soll in diesem Dorf nochmals eine Schule entstehen? Spitäler mussten ihre Geburtenabteilung schliessen. Warum brauchen wir ein neues Geburtshaus? Es gibt genügend Spitäler, die froh sind über die Geburten. Möchte jemand nicht im Spital gebären, so gibt es auch in unserer Nähe andere Möglichkeiten.

In Brunnadern entsteht für 15 Millionen Franken ein neues Alters-und Pflegeheim. Warum braucht es innerhalb von Kolese auch noch ein solches Angebot?

Wenn in dieser Stiftung das Füreinander und Miteinander im Zentrum steht, wird ganz bestimmt viel über die sogenannte «Zeitbörse» anstatt mit Lohn abgerechnet. Das ergibt am Schluss für unsere Gemeinde keine neuen Steuerzahler.

Schauen Sie sich einmal auf der Homepage den Stiftungsbeirat an. Aus jeder (Bau)-Branche sind Fachleute mit eigenen Firmen dabei. Für die einheimischen Handwerker wird dieses Projekt ganz bestimmt keine Arbeit bringen, da die Stiftung in allen Bereichen abgedeckt ist.

Wenn man Theodora Mis auf ihren Beruf als Therapeutin – sie führt eine Praxis für systemische Lösungen – anspricht, bekommt man keine Auskunft oder man wird aufgefordert, die Stiftung Kolese nicht in Verbindung zu bringen mit ihrem Beruf. Sie aber ist Stiftungsratspräsidentin und die «Drahtzieherin» in diesem Projekt. Wenn Theodora Mis in der Öffentlichkeit nicht erklären kann, was sie beruflich macht, ist das mehr als fragwürdig.

Und nicht zuletzt dürfen wir die Warnung vom Sektenkenner Hugo Stamm nicht in den Wind schlagen. Er weist darauf hin, dass sich die Stiftung Kolese auch sektenhaft entwickeln kann, sobald sie sich irgendwo niederlassen. Das einzige, das meiner Meinung nach diese Stiftung will, ist unser Land. Bosco Büeler hat recht, wir wohnen im Paradies, aber ich denke, wir wissen das auch zu schätzen.

Immer wieder heisst es ausserdem, dass wir Mogelsbergerinnen und Mogelsberger das ganze Angebot der Stiftung Kolese nutzen dürfen. Nur sie wollen nichts von uns nutzen, nämlich keine Läden, keine Restaurants, keine Schulen und kein Altersheim! Für mich bringt dieses Projekt weder Arbeit noch einen guten Ruf in unsere Gemeinde.

Unser schönes Dorf ist es nicht wert, so verkauft zu werden. Wenn gebaut werden soll, dann so, dass unser einheimisches Gewerbe profitieren kann und wir alle nachhaltig einen Nutzen davon haben.

Silvia Schönenberger

Haldenberg

9122 Mogelsberg

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