«Uns ist es ein Anliegen, unseren Betrieb tierfreundlich und ökologisch zu führen»: Michael Steiner und Brigitte Fässler über die Vorteile der Vollweidemilchproduktion

Mit seinem Grasland eignet sich das Appenzellerland gut für die Vollweide. An der Futterbau-Flurbegehung in Herisau erfahren die Teilnehmer, dass für den Erfolg ein gutes Management nötig ist.

Martin Brunner
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Das Weidemanagement hat für Michael Steiner hohe Priorität.

Das Weidemanagement hat für Michael Steiner hohe Priorität.

Bild: Martin Brunner

Als Michael Steiner den Plan der Weiden auf seinem Betrieb zeigt, wird klar, dass er sich für einen Vollweidebetrieb bestens eignet. Alle seine Flächen liegen so, dass er sie mit seinen Tieren erreichen kann, ohne allzu weite Strecken gehen zu müssen. «Das ist nur möglich, weil unser Betrieb mit seinen 38 Hektaren Land arrondiert ist», erklärte er an der Futterbau-Flurbegehung der landwirtschaftlichen Beratungsdienste AI und AR in Herisau. Aber auch sonst hat das Betriebsleiterpaar einiges zu beachten.

Ein wichtiger Faktor sind natürlich die Tiere, von deren Milch er, seine Frau und seine zwei Kinder zum grössten Teil leben. «Im Moment sind es nur 34 Milchkühe, weil wir immer noch in der Umstellung auf kleinere Tiere sind», sagte er. «Ziel sind 42 bis 44 erwachsene Tiere.» 13 Rinder leben auf dem Hof, sechs zusätzlich auf einer Alp. Seine Kühe sind zurzeit trächtig, also auf dem besten Weg, für Nachwuchs zu sorgen. Deren Besamung ist ein zweiter entscheidender Punkt für das Betriebsleiterpaar. «Die Liegeboxen unseres Laufstalls eignen sich schlecht für grosse Kühe», betonten sie. «Mit dem Norwegischen Rotvieh, den KiwiCross, den Neuseeländischen Jersey und anderen fanden wir die geeigneten Weiderassen. Sie sind kleiner, frühreif und haben eine kurze Tragzeit.»

Fast nur eigenes Futter

Sein Weidemanagement beginnt Steiner bereits im März. Deshalb sind seine Kühe oft schon im Freien, wenn noch Schnee liegt. Er achtet darauf, dass er die Weiden nicht zu sehr beansprucht, also immer Futter vorhanden ist. Fünf bis sieben Zentimeter Grashöhe strebt er an für eine weitere Beweidung. Einmal pro Jahr schneidet er das Gras und trocknet es für den Winter. Steiner sagt:

«Ein Schnitt hilft bei der Erhaltung der Futterqualität.»

So kann er seine Tiere praktisch ohne Kraft- und Fremdfutter versorgen. Das hat allerdings zur Folge, dass er mit weniger Milch zufrieden sein muss. «Unsere Kühe liefern uns pro Jahr 5500 bis 6000 Kilo Milch. Diese geringere Menge können wir kompensieren, indem wir mit unserem System einiges an Betriebskosten einsparen.»

Damit die beiden über die vielen Tiere die Übersicht nicht verlieren, führt Brigitte Fässler eine genaue Liste. Dort trägt sie ein, wann eine Kuh brünstig wird, wann sie gebären könnte, wann sie geboren hat und vieles mehr. «Ab Anfang Januar kommen die ersten Kälber zur Welt», sagte sie. «Sind es an einem Tag gleich mehrere, so ist diese Liste besonders hilfreich.» 42 Kälber erwarten die beiden beim nächsten Mal. Sie werden in eigens für sie reservierten Teilen des Stalls versorgt. Zehn bis zwölf dieser Jungtiere integrieren sie pro Jahr in die eigene Herde. Stierkälber mästen sie aus, um sie dann zu verkaufen. «Unser Zuchtziel ist eine Weidekuh mit einer Grösse von 1,3 bis 1,5 Metern. Sie sollte ungefähr 400 bis 500 Kilo schwer sein.»

Tierfreundlich und effizient

In dieses System sind Brigitte Fässler und Michael Steiner in den letzten Jahren nach und nach hineingekommen. «Uns ist es ein Anliegen, unseren Betrieb so tierfreundlich, ökologisch, effizient und mit möglichst wenigen Emissionen zu führen», sagten sie. «Hinter unserer Vollweidehaltung stehen wir deshalb mit voller Überzeugung. Zudem gehen die Agrarpolitik sowie die Wünsche der Konsumentinnen und Konsumenten in diese Richtung der Tierhaltung.»