Unkraut als Teil des Systems

Thomas Fri Freydl und Roland Rüegg konfrontieren im Botanischen Garten St. Gallen die Besucher mit Unkraut. Die Ausstellung Unkraut dauert noch bis am 18. September.

Drucken
Teilen
Pflanzroboter von Thomas Fri Freydl. (Bild: Markus Eugster)

Pflanzroboter von Thomas Fri Freydl. (Bild: Markus Eugster)

ST. GALLEN/TOGGENBURG. Ohm41 ist immer wieder gut für aussergewöhnliche Aktionen. Eine solche Aktion leitete ihre Ausstellung im Botanischen Garten St. Gallen ein. Ein Forstwart bestieg einen entlaubten Baum, sägte auf seinem Weg zur Krone die Äste vom Stamm, kappte fünf Meter unter der Krone dieselbe, um danach, frei schwebend an einem Arm aufgestützt, auf dem Stamm das Gedicht von Morgenstern «Der Lattenzaun» in die Menge der Vernissagebesucher zu sprechen. Danach war die Ausstellung Unkraut von Ohm41 eröffnet. Verantwortlich für diese Aktion zeichnete der Kunstschaffende Stefan Kreier.

Unkraut richtet Schäden an

Ohm41 wollte mit dem Titel Unkraut einen Gegenpol zur offiziellen Sammlung der Pflanzen des Botanischen Gartens St. Gallen schaffen. Der Botanische Garten ist ein Begegnungsraum und ein Verweilraum. Die St. Galler gehen dorthin, weil sie hier Musse und Erholung finden wollen. Scheinbar hat Ohm41 wieder den Nerv der Zeit getroffen. Verschiedene Aussagen zu den Werken belegen dies. «Da habt ihr Öhmler wieder einmal mehr Bombiges zusammengestellt», liess sich eine Besucherin vernehmen.

Ohm41 wollte die Sammlung des Botanischen Gartens mit ihren Aktionen und Werken ergänzen. «Den Titel Unkraut haben wir gewählt, weil dies Pflanzen bezeichnet, die scheinbar Schaden anrichten und stören», meinte Stefan Kreier vom Kunstnetzwerk. Etwas breiter fasste dies Renato Müller von Ohm41 zusammen: «Ohm41 pflanzt nun seine Schädlinge in diese durchorganisierte Flora.» Thomas Fri Freydl integrierte drei verschiedene Werke in das Areal. Mit dem Pflanzroboter persifliert er das Überhandnehmen der Technik. Massenproduktion und Gewinnorientierung sind gesellschaftliche Phänomene, wo man sich fragen darf, ob Nutzen und Schaden in einem vertretbaren Verhältnis stehen. Eine Neophytenzucht, ausgerechnet im Botanischen Garten, lässt den Betrachter schmunzeln. Roland Rüeggs Pilzformationen, seien es die Riesenwiesenchampignons wie auch der verpilzte Baumstamm, erfreut, aber irritiert den Besucher zugleich.

Doppeldeutungen der Namen

Elegant und gekonnt haute der gelernte Steinmetz die filigranen Pilze, Schlag für Schlag, aus dem Holz, dass am Schluss ein verspielter, überdimensionierter Pilzbewuchs den Raum einnimmt. Eine Anspielung auf seine Archäologie der Moderne, die sich nun auch der Biologie annimmt. Die Doppeldeutung der Namen ist bei Ohm41 beinahe schon Programm. «Mushroaming» von Roland Rüegg, «Wachsbaum» von Kurt Scheiwiller, Selfie mit Sanddorn von Stefan Kreier oder cophrk von Markus Eugster sind Werktitel, die auch vielseitig gedeutet werden können.

Die Werke sind noch bis zum 18. September zu sehen. Am 5. September ist die Ausstellung zusammen mit der Aufführung des Theater Jetzt! «Kunst fühlen» ein Highlight der St. Galler Museumsnacht. (pd)

www.ohm41.ch

Pflanzroboter von Thomas Fri Freydl an der Ausstellung Unkraut im Botanischen Garten in St. Gallen. (Bild: Markus Eugster)

Pflanzroboter von Thomas Fri Freydl an der Ausstellung Unkraut im Botanischen Garten in St. Gallen. (Bild: Markus Eugster)