Unklarheit im Sägemehl: Werden Jubiläumsschwingfest in Appenzell und Schwägalp-Schwinget verschoben?

Vermutlich finden bis Ende Juli keine Grossveranstaltungen statt. Doch was ist mit den Schwingfesten im August?

Astrid Zysset
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Im vergangenen Jahr besuchten 13250 Personen das Schwingfest auf der Schwägalp.

Im vergangenen Jahr besuchten 13250 Personen das Schwingfest auf der Schwägalp.

Bild: Urs Bucher (11. August 2019)

Anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Eidgenössischen Schwingerverbandes ist auf den 30.August das Eidgenössische Jubiläumsschwingfest in Appenzell angesetzt. 120 Schwinger, 2000 Helfende und bis zu 20000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet. Ein Grossanlass, der nun auf der Kippe steht.

Wie der Bundesrat schreibt, ist es «unwahrscheinlich», dass Grossveranstaltungen auf Grund der grassierenden Coronapandemie vor Ende Juli wieder stattfinden können. Was diese Ankündigung für Veranstaltungen bedeutet, die wie das Jubiläumsschwingfest im Spätsommer angesetzt sind, ist aktuell unklar.

Reto Mock, Präsident des Innerrhoder Organisationskomitees

Reto Mock, Präsident des Innerrhoder Organisationskomitees

Foto: Lorenz Reifler

Reto Mock, Präsident des Organisationskomitees (OK), hegt nur wenig Hoffnung, dass das Fest stattfinden wird:

«Ich will kein Pessimist sein, aber mich zugleich auch nicht naiv zeigen. Es sind zwar noch einige Wochen bis zur geplanten Durchführung. Da kann sich noch vieles ändern. Aber wenn bereits Oktoberfeste abgesagt werden, wird es immer weniger wahrscheinlich, dass wir das Schwingfest im August tatsächlich begehen können.»

Noch ist es nicht beschlossen, aber Mock deutet an, dass das Fest möglicherweise auf nächsten Sommer verschoben wird. Das sei zwar nicht optimal, wie der OK-Präsident weiter ausführt, da im kommenden Jahr mit dem Kilchberger Schwinget bereits ein Schwingfest mit eidgenössischem Charakter stattfindet. «Es ist aber auch kein Drama», so Mock. Und kein Novum: 2002 fanden der Expo-Schwinget in Murten wie auch der Kilchberger Schwinget statt.

Finanzielle Einbussen halten sich im Rahmen

Das OK des Jubiläumsschwingfestes ist als Trägerverein organisiert. Kommt es zur Verschiebung, halten sich die finanziellen Einbussen im Rahmen. 80% der Sponsoringbeiträge wurden bereits gezahlt. Mit den Vermietern der Tribünen und Festzelte werden Gespräche hinsichtlich der Möglichkeiten im Falle einer Verschiebung geführt. Und definitive Bestellungen wie etwa für Essen und Getränke sind noch keine erfolgt. Diese sind frühestens Ende Juni vorgesehen. «Finanziell kämen wir mit einem blauen Auge davon», so Mock. Das Verschieben hätte aber einen grossen organisatorischen Aufwand für alle Beteiligten zur Folge. Und noch eine weitere Auswirkung gebe es. «Der Siegermuni wäre im nächsten Sommer wohl 200 Kilogramm schwerer», lächelt Mock. Die weiteren vier Lebendpreise müssten neu gesucht werden.

Ein Alternativdatum diesen Herbst steht für das OK nicht zur Debatte. Rund 70 Personen des Schweizer Fernsehens und mehr als 80 Ehrengäste und Funktionäre gilt es in den Hotels der Nähe unterzubringen. Zu viele, als dass dies kurzfristig möglich wäre. Zudem sieht Mock das Risiko einer zweiten Ansteckungswelle. «Und wenn das Fest dann erneut verschoben werden müsste, hätten wir den Aufwand dreifach. Das will ich nicht riskieren.»

Vorbereitungen laufen weiter auf Hochtouren

Doch das sind alles Zukunftsszenarien. Die Festvorbereitungen für diesen Sommer laufen nach wie vor auf Hochtouren. Einzelne Arbeiten wie etwa das Drucken des Festführers oder das Verschicken der Arbeitspläne für die über 2000 ehrenamtlichen Helfenden werden allerdings hinausgezögert, bis Klarheit ob der Durchführung herrscht. Die weiteren Planungsarbeiten laufen weiter. «Wir haben rechtliche Verpflichtungen gegenüber unseren Vertragspartnern und Sponsoren», so Mock. «Wir können nicht einfach die Hände in den Schoss legen und nichts tun, nur, weil Ungewissheit herrscht.»

 Niklaus Hörler, OK-Präsident des Schwägalp Schwingets.

 Niklaus Hörler, OK-Präsident des Schwägalp Schwingets.

Foto: Urs Bucher

Bereits zwei Wochen früher, am 16.August, soll der Schwägalp-Schwinget stattfinden. Ebenfalls ein Grossanlass – bis zu 13000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet. Obwohl der Event nur kurz nach der bundesrätlichen Prognose von Ende Juli angesetzt ist, zeigt sich OK-Präsident Niklaus Hörler zuversichtlich, dass der Schwägalp-Schwinget durchgeführt werden kann:

«Bei uns ist die Hoffnung gross, dass es klappen wird.»

Die Vorbereitungen würden darum auch auf Hochtouren laufen. Allerdings gibt Hörler zu bedenken, dass die Durchführung in erster Linie Wunschdenken seitens des OK sei. Die Entscheidung fällen Bund und Kanton. Ein Verschiebedatum gibt es nicht. Wird der Anlass tatsächlich abgesagt, bleibt der Verein Schwägalp-Schwinget, der das Fest organisiert, auf den Fixkosten sitzen. Diese dürften auf Grund von Versicherungs- und Materiallagerkosten rund 130000 Franken betragen. «Dieses Defizit auszugleichen, würde für uns eine Herausforderung werden», sagt Hörler. Aber unmöglich sei es nicht.

Durch eine sparsame Ausgabenpolitik und der Bildung von Rücklagen nach den Durchführungen der vergangenen Jahre verfügt der Verein über ein finanzielles Polster. «Spare in der Zeit, dann hast du in der Not – nach diesem Prinzip hatten wir die letzten Jahre gelebt. Und das könnte sich heuer auszahlen», so der OK-Präsident weiter. Würde der Schwägalp-Schwinget tatsächlich abgesagt, wäre es das erste Mal in dessen Geschichte.