Unglaubliche Klänge auf 24 Saiten

Der Teufner Musiker Rolf Krieger hat ein völlig neuartiges Musikinstrument erschaffen. Seit 25 Jahren perfektioniert er seine Syntharp. Und bringt Laien wie Profis zum Staunen: Mit 24 Saiten spielt er vielfältigste Klänge.

Julia Nehmiz
Drucken
Teilen
Unermüdlicher Erfindergeist – vor 25 Jahren erfand Rolf Krieger die Technik, auf die seine Syntharp basiert. (Bild: miz)

Unermüdlicher Erfindergeist – vor 25 Jahren erfand Rolf Krieger die Technik, auf die seine Syntharp basiert. (Bild: miz)

TEUFEN. Ein mächtiges Glockengeläut erklingt, als stünde man neben dem Kölner Dom. Dabei steht man im ersten Stock des Teufner Zeughauses. Ein Streichorchester setzt ein. Die Klänge erfüllen Raum und Mensch. Ein Chor erklingt. Deutlich sind die Stimmen und Worte zu vernehmen. Fassungslos steht man vor dem mannshohen Instrument. Das Teil erzeugt diese Klänge?

Ungläubig berührt man Korpus und Saiten: Tatsächlich, sie vibrieren. Das sind keine künstlichen Klänge, 24 Saiten erzeugen diese Musiken. Saiten, die wie Glocken, Chor und Streichorchester klingen. Oder wie Harfe, Blockflöte und Schlagwerk. Oder wie Saxophon, Bass, Trompete und E-Gitarre. Es scheint, als kenne dieses eine Instrument keine Grenzen.

Klang durch Technik

Rolf Krieger steht inmitten seiner Syntharp-Ausstellung und lacht. Er ist die fragenden, staunenden Blicke und ungläubigen Zuhörer gewohnt. Aber wie hatte sein Marketing-Manager Roland Bieri am Telefon zuvor gewarnt? «Diese Klänge kann man nicht beschreiben, Sie müssen vorbeikommen und die Syntharp erleben.» Syntharp heisst die von Krieger und Bieri 2009 gegründete Firma, die – klar – Kriegers Syntharps vermarktet. Doch von Kriegers erster Idee bis zum serienreifen Musikinstrument war es ein langer Weg.

Krieger, in Luzern geboren, in Solothurn aufgewachsen, studierte nach seiner Ausbildung zum Maschinenzeichner am Zürcher Konservatorium Klassische Gitarre. Anschliessend nahm er Privatunterricht in Komposition. «Damals experimentierte ich viel mit Klanggestaltung», sagt Krieger. Warum klingt eine Geigensaite so anders als eine Klaviersaite? «Der Klang wird bestimmt durch die Technik», sagt Krieger.

Umgekehrte E-Gitarre

Er wollte eine Technik erfinden, die einen neuen Klang erschaffe. Als E-Gitarrist war ihm die Technik des Pickup, des elektromagnetischen Tonabnehmers, vertraut. Krieger kehrte diese Technik um: «Wenn ich einen Ton über ein Magnetfeld herausnehmen kann, ist das vielleicht auch umgekehrt möglich.» Mittels elektromagnetischer Impulse soll die Saite zum Schwingen gebracht werden. Krieger fing an zu bauen. Schon der erste Versuch war erfolgreich: «Ich beschallte eine Saite mit meiner Stimme – der Klang war erstaunlich nah an meiner Stimme.»

Im Mikrokosmos der Obertöne

Wie das? Der Syntharp-Mechanismus dringe mittels magnetischer Schwingungen in den Mikrokosmos der Obertöne ein, erklärt Krieger. Die Obertöne bestimmen das Klangfeld eines Instruments. So könne eine Saite wie eine Flöte klingen oder wie ein Schlagzeug. «Wir gehen von der digitalen Welt in die akustische», sagt Krieger. «Computermusik, die man akustisch live hört.» Neugierigen sei ein Live-Hörerlebnis empfohlen.

Öffentliche Probe am Donnerstag, 19.30 Uhr, ab 17 Uhr ist Rolf Krieger anwesend. Syntharp-Konzert am Sonntag, 3.11., um 11 Uhr, beides im Zeughaus Teufen.

Syntharp: 24 Saiten, unendliche Klangmöglichkeiten. (Bild: pd)

Syntharp: 24 Saiten, unendliche Klangmöglichkeiten. (Bild: pd)