Ungelöste Finanzierungsfragen

Mit dem Anschluss Liebegg und dem Zubringer Appenzellerland soll die Region Zugänge zum Autobahnnetz erhalten. Eine grosse Hürde stellt die Finanzierung der Projekte dar, wie an einer Veranstaltung der FDP Teufen deutlich wurde.

Jesko Calderara
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Alt Regierungsrat Jakob Brunnschweiler stellt die beiden geplanten Autobahnanschlüsse vor. (Bild: cal)

Alt Regierungsrat Jakob Brunnschweiler stellt die beiden geplanten Autobahnanschlüsse vor. (Bild: cal)

TEUFEN. Für viele Pendler aus dem Appenzellerland ist der tägliche Stau auf der Teufenerstrasse ein Ärgernis. Entlastung schaffen soll ein Tunnel zwischen der Liebegg und dem Güterbahnhof in St. Gallen, wo ein unterirdischer Kreisel geplant ist. Die Teilspange führt von dort aus in einem weiteren Tunnel zur Autobahn A1. Über den Stand der Planung und die Herausforderungen des Vorhabens sprachen verschiedene Referenten am Dienstagabend an einer durch die FDP Teufen organisierten öffentlichen Orientierungsversammlung im Zeughaus. Ein weiteres Thema war der Zubringer Appenzellerland mitsamt der Umfahrung Herisau.

Bau nicht vor 2030

Der frühere Ausserrhoder Baudirektor Jakob Brunnschweiler stellte die beiden Projekte vor. «Mit der Teilspange wird sich die Verkehrssituation auf der St. Leonhard- und der Teufenerstrasse verbessern.» Zur Knacknuss des Teilstücks Güterbahnhof–Liebegg könnte die Finanzierung werden. Brunnschweiler schätzt die Kosten dafür auf über 300 Millionen Franken. Der Bund habe bereits klargemacht, sich daran nicht beteiligen zu wollen. Deshalb müssten sich die Kantone Ausserrhoden, Innerrhoden, St. Gallen und die Stadt St. Gallen auf ein Finanzierungsmodell einigen, sagte Brunnschweiler. Erste Vorstösse hat der Stadtrat jedoch negativ beantwortet. Der Liebegg-Tunnel wird nach heutigem Fahrplan frühestens ab 2030 gebaut werden.

Anders liegt der Fall beim Zubringer Appenzellerland und der Umfahrung Herisau. Für die Ostschweiz sei es wichtig, dass der Netzbeschluss in Kraft tritt, sagte Brunnschweiler. Falls es im Parlament zu einer Einigung kommt, wird die Strecke Winkeln–Appenzell zur Nationalstrasse. Kürzlich hat die Verkehrskommission des Ständerats über die Frage beraten, ob der Netzbeschluss in den neuen Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF) aufgenommen werden soll. Sollte dies gelingen, wäre laut Nationalrat Andrea Caroni eine erste Voraussetzung für den Zubringer Appenzellerland geschaffen. Darüber hinaus müsse der ungefähr 500 Millionen Franken teure Zubringer Teil eines nationalen Strassen-Entwicklungsprojekts werden. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen ging Caroni auf die einzelnen Elemente der angestrebten Engpassbeseitigung im Grossraum St. Gallen ein. «Aus Sicht des Bundes haben die Erweiterung des Rosenberg-Tunnels und die Teilspange gute Chancen auf eine Realisierung.» Der Liebegg-Tunnel hingegen sei eine regionale Strasse. Es gebe vielleicht die Möglichkeit, dass sich der Bund mit finanziellen Mitteln aus dem Agglomerationsfonds daran beteilige.

Für eine dritte Röhre im Rosenberg-Tunnel, die Teilspange und die Appenzeller Autobahn-Anschlüsse setzt sich die IG Engpassbeseitigung ein. Dem Zusammenschluss St. Galler Wirtschaftsvertreter gehört Markus Bänziger an. «Ich bin überzeugt, dass der Individualverkehr im ländlichen Raum nicht abnehmen wird.» Er setze sich für ein Nebeneinander der verschiedenen Verkehrsarten ein. Bänziger wies auf die Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens der Region beim Ausbau des Strassennetzes hin. «Herisau benötigt beispielsweise dringend eine Umfahrungsstrasse.» Die Ostschweiz dürfe sich nicht auseinanderdividieren lassen, betonte Bänziger.

Strassen werden entlastet

Welche Auswirkungen die Anschlüsse Herisau und Teufen haben könnten, skizzierte der Raum- und Verkehrsplaner Balz Bodenmann vom Herisauer Büro RegioConcept AG anhand andernorts gemachter Erfahrungen. «Auf den entlasteten Strassen wird es wesentlich weniger Verkehr haben als heute.» Zudem sei mit einer leichten Zunahme der Wohnbevölkerung entlang der Achsen zu rechnen.