Ungeduld und andere Schwächen

TEUFEN. Wer um 19.20 Uhr das Zeughaus Teufen betrat, kam definitiv zu spät. Bereits zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn war der Saal im Erdgeschoss bis auf den letzten Platz besetzt. FDP-Präsident Paul Studach liess eiligst zusätzliche Stühle für die über 300 Besucher herbeischaffen.

Michael Genova
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TEUFEN. Wer um 19.20 Uhr das Zeughaus Teufen betrat, kam definitiv zu spät. Bereits zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn war der Saal im Erdgeschoss bis auf den letzten Platz besetzt. FDP-Präsident Paul Studach liess eiligst zusätzliche Stühle für die über 300 Besucher herbeischaffen. Derweil analysierten die Teufner die Liste mit den zwölf Kandidatinnen und Kandidaten für Gemeinderat und Geschäftsprüfungskommission. Die Namen waren bis zuletzt ein gut gehütetes Geheimnis.

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«Wir sind überwältigt vom Aufmarsch», sagte Moderator Richard Fischbacher in seiner Begrüssung. Der Gemeindeschreiber von Bühler und Stadionspeaker des FC St. Gallen führte durch den Abend. Als erstes stellten sich die Kandidaten für den Gemeinderat vor. Exakt fünf Minuten erhielten sie dafür – darüber wachten Richard Fischbacher und ein elektronischer Gong. Für ihre Vorstellung folgten alle einem einheitlichen Schema: Alter, Familie, beruflicher Werdegang und Motivation ihrer Kandidatur. In der anschliessenden Fragerunde begann das grosse Einordnen. So stellte eine Einwohnerin als erstes die Frage nach der Parteizugehörigkeit der Kandidaten. Auch bei den parteiunabhängigen Kandidaten liess man nicht locker: Bernd Geldmacher positionierte sich «rechts der Mitte» und Pascale Sigg-Bischof sagte, sie stehe der FPD am nächsten. Danach schien die erste Neugier der Teufnerinnen und Teufner bereits befriedigt. Gemeindepräsident Walter Grob sprang zur Hilfe und wollte wissen, welches Ressort die Kandidaten bevorzugten. Die meisten gaben ein Ressort mit Bezug zu ihrem beruflichen Fachgebiet an, betonten aber, dass sie sich dem Kollektiv beugen würden.

Auf den Zahn gefühlt

Dann fragte ein Einwohner nach den Schwächen der Kandidaten: «Wo würden Sie in Ihrem Amt am ehesten an Grenzen stossen?» Ein Raunen ging durch die Reihen. Katja Diethelm sagte, sie sei ungeduldig und pingelig. Pascale Sigg-Bischof schloss sich ihrer Vorrednerin an und ergänzte: «Ich komme an meine Grenzen, wenn ich zu wenig Zeit habe.» Bea Weiler bekannte, dass sie nur ungern vor einem grossen Publikum spreche, und Marco Sütterle gab zu, dass er manchmal zu sehr ins Detail gehe. Bernd Geldmacher arbeitet daran, weniger abzuschweifen und besser zuzuhören. Und Bruno Schläpfer gab an, dass er bisweilen dafür kritisiert werde, dass er sehr direkt und ehrlich sei. Beat Flammer schliesslich sagte: «Ich bin manchmal etwas eigensinnig – aber das ist eigentlich keine Schwäche.»

Zögern bei der Flüchtlingsfrage

Leise im Saal wurde es, als ein Einwohner fragte: «Wie viele Flüchtlinge haben in Teufen Platz?» Die meisten Kandidaten reagierten ausweichend. Klar äusserten sich die Vertreter der beiden Polparteien. SP-Präsidentin Bea Weiler sagte: «Es ist unsere Pflicht, so viel wie möglich zu tun.» Und SVP-Kandidat Bruno Schläpfer fragte: «Sind es wirklich Flüchtlinge, die am Leben bedroht sind, oder wirtschaftliche Flüchtlinge?»

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