Unerwünschte Nähe

Brosmete

Martin Hüsler
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Das Wetter hat umgeschlagen – Schneefall, schlechte Sicht, missliche Strassenverhältnisse. Die Heimfahrt auf der A1 wird je länger, desto unerquicklicher. Ich passe die Geschwindigkeit den Gegebenheiten an. Doch es will mir fast scheinen, ich sei der einzige, der dies tut. Laufend werde ich überholt, teils in aberwitzigem Tempo. Man kann nur den Kopf schütteln. Noch mehr irritieren mich aber die Drängeler, die – bei besetzter Überholspur – bis auf wenige Meter ans Heck meines Wagens aufschliessen und die erstbeste Lücke abpassen, bis sie an mir vorbeibrausen können. Wenn es nur ein Mittel gäbe, diese Waghälse auf ihr unverantwortliches Verhalten aufmerksam zu machen! Die Installation eines Warnsystems wäre zu überlegen. Ich denke da an eine einfach zu bedienende Leuchtschrift an der Heckklappe: «Bitte Abstand halten!» Oder etwas drastischer: «Ihre Nähe ist mir äusserst unangenehm!» So könnte ich per Knopfdruck dem zu nahe Aufschliessenden unmissverständlich zu verstehen geben, dass er eine grosse Gefahr heraufbeschwört. In weiter entwickelter Konsequenz liesse sich ein Sensor mit installierter Kamera denken, der die Distanz zum Drängeler misst, bei zu geringem Abstand das Nummernschild fotografiert und das Bild gleich der Polizei, Abteilung Ord­nungsbussen, übermittelt, wo es automatisch eine Übertretungsanzeige auslöst. Bei den unaufhaltsamen Fortschritten in der Technik des Automobilbaus, die uns ja bereits das selbstfahrende Auto in Aussicht stellt, sollte es doch ein Leichtes sein, ein solches Verfahren zu entwickeln.

Bis die Automobilingenieure so weit sind, empfehle ich einstweilen die noch immer wirksamste Methode: Beim Drehen des Zündungsschlüssels nicht nur den Motor einschalten, sondern auch die Vernunft!

Martin Hüsler