Uneins über die Zukunft des Spitals

Die Schaffung eines ambulanten Versorgungszentrums ergänzt mit einem kleinen stationären Bereich anstelle des heutigen Spitals in Appenzell überzeugt nicht alle. An der gestrigen Grossratssession wurden Stimmen laut, die einen Verkauf des Spitals favorisieren würden.

Roger Fuchs
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Spital Appenzell wird ambulantes Versorgungszentrum. (Bild: Roger Fuchs)

Spital Appenzell wird ambulantes Versorgungszentrum. (Bild: Roger Fuchs)

APPENZELL. Seit Mitte Februar ist klar: Das Spital Appenzell und der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden werden in keinen gemeinsamen Spitalverbund Appenzellerland überführt. An der gestrigen Grossratssession informierte Innerrhodens Frau Statthalter Antonia Fässler, dass sich der Spitalrat und die Standeskommission bereits in den Monaten zuvor intensiv mit möglichen Alternativen befasst hätten. Vom Verkauf des Spitals an eine private Trägerschaft über die vollständige Schliessung bis hin zum Aufbau eines ambulanten Versorgungszentrums seien alle Varianten geprüft worden. Letztlich sei man zum Schluss gekommen, dass das heutige Leistungsangebot mit Orthopädie als Schwerpunktangebot beibehalten werden soll. Allerdings soll der ambulante Bereich gestärkt werden. Der stationäre Bereich würde redimensioniert. Mit der Beibehaltung in kleinerer Form könne eine vollständige Abhängigkeit von ausserkantonalen Institutionen vermieden werden.

Hohe Fallzahlen nötig

Obschon der Grosse Rat gestern keinen Entscheid zu fällen hatte, sondern nur den Bericht der Standeskommission zur Kenntnis nehmen musste, folgten emotionale Voten. Grossrätin Angela Koller (Rüte) sprach von hohen Fallzahlen, die es brauche, um im heutigen Umfeld bestehen zu können. Wolle man angesichts der Konkurrenz – insbesondere in der Orthopädie – mithalten, seien Investitionen zwingend. Koller geht dabei von einem zweistelligen Millionenbetrag aus. Sie bezweifle, ob der Kanton dafür Gelder zur Verfügung stellen wolle. Koller, die letztlich für eine nochmalige Prüfung des Spitalverkaufs plädierte, verglich das Spital mit einem «toten Ross», auf dem man die Angestellten reiten lasse. Den Glauben ans Appenzeller Spital hat auch Grossrätin Rahel Mazenauer (Appenzell) verloren. Bereits mit der Schliessung der Geburtenabteilung sei dem Spital das Herz genommen worden. Rhetorisch stellte Mazenauer in den Raum, sie wisse nicht, wer von den Anwesenden sich in Appenzell behandeln lassen würde.

Erst Erfahrungen sammeln

Das alles ging Grossrat Ueli Manser (Schwende) zu weit. «Schliessen kann man das Spital genau einmal», so Manser. Jetzt gelte es, bestehende Kooperationen weiterhin zu pflegen und mit der geplanten betrieblichen Neuausrichtung Erfahrungen zu sammeln. So habe man eine Basis, um über spätere Investitionen zu entscheiden. Auch führte Ueli Manser die Idee ins Feld, ärztliche Gemeinschaftspraxen am Spital zu prüfen. Gontens Grossrat und Hauptmann Ruedi Eberle zeigte sich ebenfalls als Befürworter des eingeschlagenen Weges. Auswärtige Hospitalisationen seien auch nicht gratis, so Eberle. Für ihn hängt ein Betrieb letztlich immer von den Menschen und dem Herzblut ab, das sie in ihre Arbeit stecken.

Säckelmeister Thomas Rechsteiner appellierte daran, auch die identitätsstiftende Wirkung eines eigenen Spitals nicht ausser Acht zu lassen. Und Landammann Daniel Fässler hielt fest, dass die Standeskommission die Realität nicht verkenne. «Wir sind ein eigener Kanton und das verpflichtet uns, alles Sinnvolle zu tun, um dem Spital eine Zukunft zu ermöglichen.»

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