Und wer ist wer in diesem Spiel?

Zugegeben: Ich fühle mich weder innerlich noch äusserlich als Sportreporter. Dennoch durfte ich dieses Wochenende erstmals über einen Match berichten (siehe Seite 37).

Roger Fuchs
Merken
Drucken
Teilen
Bild: Roger Fuchs

Bild: Roger Fuchs

Zugegeben: Ich fühle mich weder innerlich noch äusserlich als Sportreporter. Dennoch durfte ich dieses Wochenende erstmals über einen Match berichten (siehe Seite 37). Wohl erging es mir dabei wie einem Praktikanten, der erstmals an einem Polit-Anlass teilnimmt und weder Gesichter noch Namen zuordnen kann.

In roten und schwarzen Trikots laufen sich die Herren warm, als ich gut zwanzig Minuten vor Spielbeginn das Ebnet betrete. Rot und schwarz – wer von diesen ist denn nun Herisau? Gott sei Dank haben die T-Shirts noch Logos, so dass ich ohne zu fragen und mich zu blamieren weiterkomme. Gut – wenn ich das nun in dieser Brosmete schreibe – blamiere ich mich dennoch. Aber was soll's. Ich kann dazu stehen. Kaum ein Mitglied der Journalistengilde interessiert sich dafür für Kirchliches und stünde bei jenen Themen und Personengruppen wohl vor ähnlichen Problemen.

Ich suche also die richtige Mannschaft und finde – diesmal mit nachfragen – auch Herisaus Trainer. Aufmerksam verfolge ich das Aufwärmtraining und staune, wie sich die Mannen herumdirigieren lassen. Rund sieben Minuten vor Spielbeginn leert sich das Feld. Na, was ist denn nun los? Haben die Spieler etwa schon genug, bevor es losgegangen ist? Ich überlege, ob ich in die Kabinen folgen soll, um nichts zu verpassen. Da die Zuschauer aber stehen bleiben, ist davon auszugehen, dass das Spiel stattfinden wird.

Was ich auf dem Sportplatz Ebnet in den nächsten rund zweieinhalb Stunden – die Fussballer haben mir gar eine Verlängerung gegönnt – erlebe, ist dann durchaus gewöhnungsbedürftig. Lauthalsig rufen sich Spieler, Trainer und auch vereinzelte Zuschauer Wortfetzen zu. «Go go», «kei Risiko», «Siete wechsle», «falle loh», «wieter zieh», «Ball aluege», «dee Fehler machsch nöd no eimol», tönt's fast pausenlos. Wie um Himmels willen kann in diesem Durcheinander klar sein, wer denn nun welchen Befehl zu empfangen hat? Wollt ihr nun Fussball spielen oder euch pausenlos anschreien?

Ziemlich leid tut mir der Linienrichter auf der Seite der Trainerbank. Während sich Herisaus Trainer gemässigt gibt, will Bazenheids Trainer fast zu jedem Entscheid eine Erklärung. Und ich frage mich erneut, wer hier eigentlich wer ist. Dem offiziellen Linienrichter scheint es gleich zu ergehen. «Ihr spielt Fussball, um den Rest kümmern wir uns», weist er den Trainer an. Recht hat er, denke ich, nur besagter Trainer will dies offenbar nicht wirklich wahrhaben. Liebe Fussballer, seid doch ein wenig dankbar, dass es Schiedsrichter und Linienrichter gibt. Ohne diese Leute könntet ihr euren Sport kaum in dieser Form ausüben.