Und was machen wir jetzt?

«Auf ein Neues», sagen die Frischverliebten zueinander, stossen mit Champagner an und schauen sich tief in die Augen. «Nicht schon wieder», wimmert der Hund und verkriecht sich unter dem Bett, als er die Feuerwerkskörper knallen hört.

Christine König
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Bild: Christine König

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«Auf ein Neues», sagen die Frischverliebten zueinander, stossen mit Champagner an und schauen sich tief in die Augen. «Nicht schon wieder», wimmert der Hund und verkriecht sich unter dem Bett, als er die Feuerwerkskörper knallen hört. «Noch einmal», ruft das Mädchen lachend, und der Vater wirbelt sie ein weiteres Mal durch die Luft. «Endlosschlaufe», denkt sich der Programmierer beim Privatfernsehsender und strahlt zum x-ten Mal Folge 1 der ersten Staffel der amerikanischen Soap aus.

Da sind wir nun. Angekommen im neuen Jahr. Schon ein paar Tage ist es alt, so dass wir es kaum mehr als neu wahrnehmen, die meisten von uns haben ihn schon oft erlebt, den Jahreswechsel, ihn hingenommen wie eine Gewitternacht Mitte Juni oder ihn zelebriert wie die Geburt des ersten Kindes.

Und was machen wir jetzt, hier im Jahr 2015? Alles genauso wie vorher? Alles anders? Was passiert mit unseren Hoffnungen und Wünschen, unseren Träumen und Bestrebungen, den guten Vorsätzen und schlechten Angewohnheiten?

Seien wir ehrlich: In vielerlei Hinsicht bleiben wir das Gewohnheitstier, das wir schon lange pflegen. Wir belassen es bei regelmässigen gemütlichen Hügelwanderungen, den Gipfel behalten wir in Sichtweite. Wir schlittern durch den Alltag und sagen uns immer wieder, dass wir es schon «gut finden, so wie es ist».

Andererseits denken wir hie und da, dass da «doch noch mehr drinliegen muss». Der Ehrgeiz wird uns anstacheln und die Lust und die Neugier auf Neues und Unentdecktes erwachen. Plötzlich wollen wir dann doch auf diesen Gipfel, und, oben angekommen, werden wir feststellen: Die zusätzliche Anstrengung, sie war eigentlich gar nicht so anstrengend, und vor allem: Sie hat sich gelohnt.

Auf ein Neues, nicht schon wieder, noch einmal, Endlosschlaufe. Das neue Jahr ist noch lang. Nicht alles muss anders werden. Aber vieles kann.