Umsonst und draussen

Anfang der Neunzigerjahre hat sich die Charlottenburg in Spenge um die heimische Musikszene verdient gemacht. Im Sommer war es im Forum eigentlich zu warm. Das Kondenswasser tropfte von der Decke. Die lauschigen Sommernächte luden zum Verweilen und Musikhören im Freien ein.

Merken
Drucken
Teilen

Anfang der Neunzigerjahre hat sich die Charlottenburg in Spenge um die heimische Musikszene verdient gemacht. Im Sommer war es im Forum eigentlich zu warm. Das Kondenswasser tropfte von der Decke. Die lauschigen Sommernächte luden zum Verweilen und Musikhören im Freien ein. Die Crew der Charlottenburg nutzte das und veranstaltete eine Konzertreihe «Umsonst und draussen». Die Bühne stand am unteren Ende einer Böschung, die einem römischen Amphitheater in nichts nachstand. Zahlreiche Bäumen boten genug Schatten, bis die Sonne untergegangen war. Olli und die Sugarbeets hatten einen der begehrten Konzerttermine ergattern können. Und sie probierten an diesem Abend etwas Neues aus. Sie hatten einen befreundeten Grafikdesigner gebeten, eine Lightshow zu konzipieren. Und Lightshow hiess damals noch harte Arbeit. Die Computer standen noch vor ihrem Siegeszug in die Wohnzimmer Ostwestfalens. Lightshow hiess damals Super8-Projektor, Diaprojektoren und mehr oder weniger manuelles Auf- und Abblenden. «Semiprofessionell» war damals das Wort dafür. «Ambitioniert» trifft es besser. Aber nichtsdestotrotz: Der Grafiker hatte ganze Arbeit geleistet und eine grossartige Show zusammengestellt, die Ollis Lieder wunderbar unterstützte. Die Olli und die Sugarbeets trugen enge schwarze Hosen, dazu weisse Hemden und schwarze Krawatten. Olli hatte sich seinen Mikrophonständer besonders hoch gestellt und das Mikro nach unten gebogen, so dass er immer leicht nach oben hineinsingen musste…

Lars Syring