Projektwettbewerb
Tiefgarage mit Lift, Sitzmauern und eine neue Überbauung: So könnte der Casinopark Herisau künftig aussehen

Am Montag präsentierten Gemeindepräsident Max Eugster und die Wettbewerbsjury den Sieger des Projektwettbewerbs für die Aufwertung des Casinoparks sowie die Bebauung eines Nachbargrundstücks und einer Tiefgarage.

Ramona Koller
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So könnte der Casinopark künftig im Bereich hinter dem Casino aussehen.

So könnte der Casinopark künftig im Bereich hinter dem Casino aussehen.

Visualisierung: PD

Im Publikum befanden sich neben geladenen Gästen aus dem Gemeinde- und Einwohnerrat auch die Jurymitglieder sowie das Gewinnerteam. Zur Weiterbearbeitung empfohlen wird das Projekt cazinou von atelier tp tijssen, preller landschaftsarchitekten (Zürich), der SJB Kempter Fitze AG, der Schällibaum AG (beide Herisau), der Blumer Lehmann AG (Gossau) und der Tom Munz GmbH (St. Gallen).

Das Projekt geht auf die drei im Projektwettbewerb gestellte Aufgaben ein. Zum einen soll der Casinopark als grösste sich im Gemeindebesitz befindliche Parkfläche aufgewertet werden. «Früher fanden in diesem Park noch Freilichtspiele und andere Veranstaltungen statt», sagte Gemeindepräsident Max Eugster in seiner Ansprache. Heute befinde sich der Park in einem Dornröschenschlaf. Der Park soll künftig auch als Erweiterung des Casinos beispielsweise für einen Apéro oder eine Darbietung im Freien genutzt werden können.

Bedarf für Tiefgarage besteht

Eine weitere Aufgabenstellung war die Planung einer Tiefgarage. Bereits vor einigen Jahren hatte der Gemeinderat geprüft, wie man in Herisau mehr Parkplätze realisieren könnte. Man entschied sich für ein Konzept mit dezentraler Parkierung. In der mittel- bis langfristigen Strategie sollen an drei Standorten öffentliche Parkplätze genutzt werden können. Zum einen wurden dazu Gespräche mit der Migros Genossenschaft geführt, welche sich dazu bereit erklärte, die Parkplätze unter ihrem Neubau an der Kasernenstrasse auch ausserhalb der Öffnungszeiten der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Des Weiteren besteht die Absicht einer Tiefgarage unterhalb des Hotels Herisau im Wiesental. Das dritte Standbein soll künftig die Tiefgarage unter dem Casinopark bilden. Max Eugster erklärt:

«Mit diesen drei Tiefgaragen könnte man den Verkehr im Dorfkern entlasten und so die Einkaufs- und Aufenthaltsattraktivität erhöhen.»

Angedacht sei, dass die Verkehrsteilnehmer nach dem Einkauf auch in die Richtung wieder wegfahren, aus der sie gekommen sind.

Zwischen der Wyburg und der Villa Sonnegg soll eine neue Überbauung entstehen.

Zwischen der Wyburg und der Villa Sonnegg soll eine neue Überbauung entstehen.

Visualisierung: PD

Ehepaar Koller will Überbauung realisieren

Bereits früh im Prozess meldeten sich Priska und Walter Koller bei der Gemeinde. Sie sind Eigentümer der Liegenschaften Wyburg und Villa Sonnegg, die an zwei Ecken des Casinoparks stehen. Dazwischen soll nun eine Überbauung realisiert werden. In einer kooperativen Planung wurde nun ein Lösungsvorschlag ausgearbeitet.

Ein weiterer Punkt, der von den Projektteams miteinbezogen werden musste, ist die Wirtschaftlichkeit. Eugster erklärt:

«Dem Schutz der gesamten Anlage muss Rechnung getragen werden. Dennoch muss die neue Überbauung an die Poststrasse angeschlossen werden können.»

Für die Überbauung soll eine eigene Tiefgarage, unabhängig von der öffentlichen, möglich sein. «Das private Bauprojekt soll gegebenenfalls nicht durch allfällige politische Prozesse bei den öffentlichen Projekten gefährdet werden», so Eugster.

Das Gewinnerteam: Tom Munz, Tom Munz GmbH, Iris Tijssen, atelier tp tijssen, preller landschaftsarchitekten, Erich Bischof, Schällibaum AG, mit Gemeindepräsidenten Max Eugster.

Das Gewinnerteam: Tom Munz, Tom Munz GmbH, Iris Tijssen, atelier tp tijssen, preller landschaftsarchitekten, Erich Bischof, Schällibaum AG, mit Gemeindepräsidenten Max Eugster.

Bild: rak

Anonymer Projektwettbewerb

Die Wettbewerbsjury wurde durch den Gemeinderat eingesetzt. Jurymitglieder waren Daniel Ganz, Tobias Pauli, Christian Wagner, Kai Kröger, Bruno Bottlang, Andreas Filosi, Andreas Tenger, Glen Aggeler sowie Priska und Walter Koller. Die Jury setzte sich aus Fachpersonen sowie Mitgliedern der Gemeindeverwaltung und des Gemeinderats und den Grundeigentümern zusammen. Sechs Landschaftsarchitekten wurden von der Jury gebeten, ein Team zusammenzustellen, mit dem sie schlussendlich anonym ein Projekt einreichen konnten. In jedem Team waren ausserdem ein Bauingenieur sowie ein Architekt vertreten.

Entstanden sind allerhand unterschiedliche Projekte, wie Bruno Bottlang ausführte, der auch das Wettbewerbsverfahren durchführte. Einige legten die Vorgaben der Jury kreativ aus. Während ein Projekt den langfristigen Bedarf an einer Tiefgarage in Frage stellte, wurde in einem anderen vorgeschlagen, diese unter der Poststrasse zu realisieren.

Um die Projekte miteinander vergleichen zu können, habe man ein Beurteilungsschema erarbeitet. «Wir berücksichtigten dabei beispielsweise die Ortsbildgestaltung, die rechtliche Machbarkeit sowie die Bewilligungsfähigkeit», so Bottlang. Auch die Biodiversität sei immer Thema gewesen.

Sträucher und Rabatten sollen künftig den Park säumen. Ein serpentinartiger Weg soll zum Spazieren einladen.

Sträucher und Rabatten sollen künftig den Park säumen. Ein serpentinartiger Weg soll zum Spazieren einladen.

Visualisierung: PD

Baumbestand soll wo möglich geschützt werden

Gerade wenn es um den beeindruckenden Baumbestand im Casinopark gegangen sei, seien die Diskussionen schnell emotional geworden. «Wie man diesen möglichst schützen kann, wird in der weiteren Ausarbeitung des Projekts diskutiert werden», so Bottlang.

Max Eugster erklärte, man habe die berüchtigte «eierlegende Wollmilchsau» gesucht - und nicht gefunden. Doch: «Wir haben mit dem Projekt cazinou die bestmögliche Grundlage gewählt, um die Aufwertung des Casinoparks sowie den Neubau einer Überbauung und einer Tiefgarage gemeinsam weiter zu entwickeln.»

Die Anwesenden diskutierten die fünf Projekte und das Siegerprojekt.

Die Anwesenden diskutierten die fünf Projekte und das Siegerprojekt.

Bild: rak

Daniel Ganz, Jurymitglied, würdigte das Siegerprojekt. Es habe die Jury überzeugt, weil es sich selbstverständlich und angemessen in den Kontext und die Topografie einfüge. Ein serpentinartiger Weg soll sich künftig durch den Park schlängeln. Die Wegsteigung wird so minimiert und lädt zum Spazieren ein. In der Mitte des Parks soll der Tiefgaragenaufgang mit Lift seinen Platz finden. Die Projektverfassenden schlagen eine grosse, zweigeschossige Tiefgarage vor, die sich durch einen horizontalen Versatz ins Gelände einpasst. Die Ein- und Ausfahrt soll zwischen Altem Zeughaus und ehemaligen Schulhaus Emdwis Platz finden. Die Positionierung ermöglicht eine komfortable barrierefreie Anbindung mittels Lift. Neben einem Spielplatz sollen einige Sitzmauern in den Hang eingelassen werden. Hinter dem Casino soll ein abgestufter Platz mit einem Pavillon Feierlichkeiten ermöglichen.

Weitere Abklärungen nötig

Dadurch, dass die künftige Überbauung direkt an den Park stossen soll, werde dieser grösser wirken. Beim Wasserreservoir könnte künftig Raum für Ausstellungen geschaffen werden - ganz Kulturzentrum eben. Der Baumbestand, welcher der Tiefgarage weichen muss, soll nachgepflanzt werden. Eigens dazu wurde ein Vegetationskonzept erstellt, in dem festgehalten wird, wie die Grünflächen aufgewertet und erhalten werden sollen. Künftig sollen beispielsweise Sträucher und Rabatten den Park einrahmen.

Nun gilt es, das Projekt gemäss den Hinweisen aus der Jurierung zu schärfen. Dies erfordert eine Weiterbearbeitung des siegreichen Projektes. Max Eugster erklärt den weiteren Vorgang:

«Es gilt nun einige Fragen beispielsweise zur Wirtschaftlichkeit, der Lage der Tiefgarage und dem Baumbestandserhalt zu klären.»

Aufgrund der komplexen Aufgabe sind bis zur Umgestaltung des Casinoparks und zum Bau der Tiefgarage diverse weitere Schritte nötig, von denen mehrere die Zustimmung des Einwohnerrats und gegebenenfalls der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger benötigen. Unter anderem bedarf es einer Zonenplanänderung, eines Sondernutzungsplans sowie der Krediterteilung für Projektierung und Planung.

Öffentliche Ausstellung

Alle sechs Beiträge des Projektwettbewerbs werden von Montag, 30. August, bis Samstag, 4. September, im Alten Zeughaus ausgestellt. Die Ausstellung ist betreut.

Öffnungszeiten

Montag – Freitag: 16 – 19 Uhr

Samstag: 10 – 15 Uhr

Der Jurybericht ist zu finden unter www.herisau.ch/casinopark

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