Umgang mit PC will gelernt sein

Claudia Hengstler vom Kinderschutzzentrum St. Gallen gab der Walzenhauser Elternschaft wertvolle Tips im Umgang mit Computer, Handy und Co. Im kommenden Jahr führt die Schule Walzenhausen einen weiteren Kursabend durch.

Isabelle Kürsteiner
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Claudia Hengstler zeigte in einem Referat die Gefahren der neuen Technologien für Kinder auf. (Bild: iks)

Claudia Hengstler zeigte in einem Referat die Gefahren der neuen Technologien für Kinder auf. (Bild: iks)

WALZENHAUSEN. Das Kinderschutzzentrum St. Gallen informierte an der Schule Walzenhausen seit Sommer sowohl den Lehrkörper als auch die Schülerschaft über die Möglichkeiten und Gefahren des Medienkonsums. Als drittes Modul waren die Eltern geladen, und sie kamen in Scharen. Mehr als 130 Walzenhauserinnen und Walzenhauser erweiterten ihre Medienkompetenz. Claudia Hengstler lieferte dabei rund neunzig Minuten Informationen zur kindergerechten Handhabung der neuen Technologien.

Mitreden und begleiten

Die Referentin stellte fest, dass ICT-Medien in den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken sind. Für eine sichere und verantwortungsvolle Nutzung seien die Kinder jedoch auf die Unterstützung und Begleitung der Eltern angewiesen. Das bedeutet, sich für Computer, Handy, Spielkonsolen, Internet oder Communities zu interessieren, sich Spiele und soziale Netzwerke vom Kind erklären zu lassen und über seine Erfahrungen zu sprechen. Um mit den Kindern auf gleicher Augenhöhe betreffend ICT-Medien zu sein, bestückte Hengstler ihr Referat mit eindrücklichen Filmsequenzen. Dem betroffenen Schweigen nach einer Game-Demonstration von GTA war zu entnehmen, dass wohl die Mehrzahl dieses Spiel nicht gekannt hatte. Trotzdem wird es auch in Walzenhausen von Schülerinnen und Schülern gespielt. Es zielt darauf ab, dass der Spielende virtuell tötet und dafür Geldprämien erhält. Gamen, sprich Spielen habe eine berauschende Wirkung, stellte Hengstler fest, weil Glückshormone ausgeschüttet würden, was ähnliche Abläufe wie bei Alkohol und Cannabis hervorrufe. Viele Gamer hätten ein grösseres Gehirn, da sich ihr Lustzentrum ausweite. Dies fördere Abhängigkeit. Da Gamen oft Gruppen benötige, die weltweit zusammengewürfelt würden, könne es auch zu Nachteinsätzen kommen. Aus diesem Grund sei es wichtig, dass PC, Fernseher, Handy, Spielkonsolen usw. ausserhalb des Kinderzimmers plaziert werden.

Medienzeiten bestimmen

Richtwerte besagen, dass Kinder im Kindergartenalter Medien in kurzen Sequenzen pro Tag, möglichst in Begleitung, maximal bis vier Stunden wöchentlich geniessen dürfen. Im Primarschulalter ist die obere Grenze sieben Stunden pro Woche, in der Oberstufe maximal vierzehn Stunden. Ein erhöhter Konsum beeinträchtigt die Schulleistungen, insbesondere durch Konzentrationsstörungen. Um die altersgerechten Medienzeiten durchzusetzen, müssen die Eltern Verantwortung übernehmen. Unterstützend kann dabei der Austausch mit anderen Eltern sein. Ausserdem dienen Jugendschutzeinstellungen bei PC, Handy und Spielkonsolen oder beim iPod am Gerät selbst zur besseren Kontrolle des Internetzugangs. Denn eines muss Eltern bewusst sein: Das Internet ist ein Medium für Erwachsene, in welchem Kinder mit nur zwei Klicks surfen können und das auch in der Kinderwelt omnipräsent ist.

So werden soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter meist als cool empfunden. Die Gefahren sind oft nicht bekannt. Wer sich mit unbekannten Menschen austauscht, sollte sich fragen: Würde ich diese Informationen im realen Leben meinen besten Freunden erzählen oder verschweigen? Was verschwiegen würde, gehört unter keinen Umständen ins Netz. Ausserdem können einmal gesetzte Daten nicht mehr gelöscht werden, denn das Internet vergisst nicht. Auch mit Familienfotos sollte sehr sorgsam umgegangen werden, denn nicht jedes Familienmitglied kann sich damit identifizieren. Es kann aber auch vorkommen, dass über diese sozialen Netzwerke Informationen fliessen, derer sich Kriminelle bedienen. So sollten Ferien unter keinen Umständen vorangekündigt werden, sie könnten Einbrecher anlocken. Ein kleinster Schutz sind die Privatsphäreneinstellungen, wenn sie regelmässig überprüft werden, und eine kleine Freundesliste. Unbekannte Freunde erhöhen das Potenzial des Ausspionierens. Ein weiteres Gebiet war das Sex- und Porno-Angebot im Internet. Dazu Claudia Hengstler: «Kinder kommen gewollt oder ungewollt auf Pornoseiten.» Gefahr besteht darin, dass fünfzig Prozent der Jungs annehmen, dass das Gesehene der Realität entspricht. «Über Sexualität zu sprechen ist ein Muss, auch korrigierende Informationen von Seiten der Schule leisten ihren Beitrag», zeigte sich die Referentin überzeugt.

Im kommenden Jahr führt die Schule Walzenhausen einen weiteren Abend durch, dann zum Thema Sicherheitseinstellungen bei Facebook.