ULTRACYCLING: In fünf Tagen mit dem Velo rund um Österreich

Mit seinem Rennvelo will Migg Scherrer aus Gais innert fünf Tagen Österreich umrunden. Abgesehen von den rund 2200 Kilometern Distanz besteht die Herausforderung darin, dass auch in der Nacht gefahren wird.

Bruno Eisenhut
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Migg Scherrer unterwegs an der diesjährigen Tour Transalp von Sonthofen an den Gardasee. (Bild: PD)

Migg Scherrer unterwegs an der diesjährigen Tour Transalp von Sonthofen an den Gardasee. (Bild: PD)

Bruno Eisenhut

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@appenzellerzeitung.ch

Die Rangierung sei zweitrangig, erklärt Migg Scherrer mit Blick auf seine bevorstehende Herausforderung im Ausdauersport. Der Gaiser startet morgen Dienstag zum Race Around Austria, einem Velorennen, bei dem es rund 2200 Kilometer und mehr als 30000 Höhenmeter zu absolvieren gilt. Aber der Strapazen nicht genug: Beim Rennen rund um Österreich gibt es keine Pausen –gefahren wird rund um die Uhr.

Zufrieden sei er dann, wenn er das Ziel erreicht habe, so Scherrer. Schliesslich war bei all seinen bisherigen Ausdauerrennen der ausbleibende Schlaf ein nebensächliches Thema, weil diese Rennen schlicht nicht so lange dauerten. Beispielsweise nahm Migg Scherrer im vergangenen Jahr an der «Tortour», einem Velorennen rund um die Schweiz, teil. Migg Scherrer hat sich auf emotionale Hochs und Tiefs vorbereitet. «Über den Umgang mit diesen werde ich später Vorträge halten», so der Gaiser Ausdauersportler. Einfliessen lassen will er dann auch die eigenen Erfahrungen aus dem Race Around Austria.

Zur Vorbereitung auf das Rennen in Österreich hat der Extremsportler seit vergangenem Herbst Tausende Velokilometer absolviert, unter anderem auf einer Trainingstour von Gais nach Andorra und wieder zurück. Sein Trainingspensum musste Migg Scherrer mit seiner im Vollpensum tätigen Arbeit als selbstständigerwerbender Informatikingenieur und Projektmanager unter einen Hut bringen.

Im Austausch mit Christoph Strasser

Die Herausforderung ist Teil des Projekts «Tour Extreme», das Migg Scherrer 2015 ins Leben gerufen hat. Jedes Jahr setzt er neue Schwerpunkte und verschiebt immer wieder mentale und körperliche Grenzen. Während im ersten Jahr sieben Extremtriathlons in kurzer Abfolge auf dem Programm standen, nahm er ver­gangenes Jahr erfolgreich an der «Tortour» teil. In Österreich wird er sich nun auf mehr als doppelt so langer Strecke gleich in mehrfacher Hinsicht auf unbekanntes Terrain begeben. Einmal ist die Route komplett neu für ihn, ­anderseits ist erst während des Wettkampfs absehbar, wie der Körper auf die Dauerbelastung reagieren wird. Für das Rennen in Österreich hat sich der ­Ausdauersportler ein fünfköpfiges Supportteam zusammengestellt.

Scherrers Vorhaben erinnert an die sportlichen Leistungen vom Reto Schoch. Dieser gewann das Race Across America, indem er Amerika in etwas mehr als acht Tagen und Nächten mit dem Velo durchquerte. Zwar kenne er Reto Schoch, sagt Migg Scherrer, im Erfahrungsaustausch stünde er aber mit ihm nicht. Viel mehr tauscht sich Scherrer mit dem österreichischen Ausdauersport-Profi Christopoh Strasser aus. Dieser, selber mehrfacher Sieger des Race Across America und grosser Konkurrent von Reto Schoch, habe ihm beispielsweise Tipps zur Ernährung an Ultracycling-Rennen gegeben.

Auf der Suche nach neuen Zielen

Für den Ausdauersportler aus Gais ist es ein Ansporn, sich ­immer neue Ziele zu setzen und Leistungen zu vollbringen, die zunächst als unüberwindbar eingestuft werden. Dabei stehen das Unterwegssein in der Natur und die Freude an der Bewegung im Zentrum. Die Erkenntnisse über seinen Körper und Geist fliessen in den Alltag ein und prägen den weiteren Lebensweg von Migg Scherrer.