Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

UELI GEGENSCHATZ: «Man hat zu ihm aufgeschaut»

SPEICHER. Der Extremsportler Ueli Gegenschatz hat die Heldenrolle nie gesucht. Neben dem Sport führte der Kundenberater einer Versicherungsgesellschaft ein bürgerliches Leben, die familiären Wurzeln waren ihm wichtig.
Philippe Reichen
Der Extremsportler Ueli Gegenschatz am 4. Juni 2008 bei den Vorbereitungen auf 4500 Metern über Meer für den freien Flug über die Galway-Bucht in Irland. (Bild: ap/Andrew Downes)

Der Extremsportler Ueli Gegenschatz am 4. Juni 2008 bei den Vorbereitungen auf 4500 Metern über Meer für den freien Flug über die Galway-Bucht in Irland. (Bild: ap/Andrew Downes)

Als Kind ging Ueli Gegenschatz gerne in Wälder. Er liebte es, auf Bäume zu klettern, und gewöhnte sich an das Gefühl, den sicheren Boden zu verlassen und sich akrobatisch in die Höhe zu schwingen.

Als junger Mann sah Ueli Gegenschatz die Chance, neue Höhen zu erreichen: Er nahm an den militärischen Vorkursen teil und bereitete sich auf eine Karriere als Fallschirmgrenadier vor. Die Selektionäre der Armee entschieden anders.

Statt als Fallschirmgrenadier schickten sie Ueli Gegenschatz als «normalen» Grenadier in die Rekrutenschule. Ein Entscheid, dem im Rückblick etwas Seltsames anhaftet.

Der Ausserrhoder akzeptierte und biss sich durch. Der Entscheid seiner militärischen Vorgesetzten beeindruckte den 20-Jährigen wenig, so wie er an seinen Zielen auch später trotz Widerständen festhielt.

Er habe andere Meinungen akzeptiert, auch wenn er wusste, welchen Weg er gehen wollte, sagt Adrian Künzli, sein ehemaliger Vorgesetzter. Knapp 20jährig, erlernte Ueli Gegenschatz das Fallschirmspringen. Es war der Anfang einer grossen Leidenschaft.

Auf dem Hof statt am Strand

Ueli Gegenschatz wurde am 3. Januar 1971 geboren. Seine Eltern bewirtschafteten in der Ausserrhoder Gemeinde Wald einen Bauernhof. Sie arbeiteten hart. Strandferien oder ähnliche Projekte lagen nicht drin.

Die weite Welt mussten die Söhne später aus eigener Initiative bereisen. Die Eltern hätten Ueli und seinen Bruder bei deren Projekten aber immer unterstützt, sagt Adrian Künzli.

Sich Freiraum geschaffen

Nach dem Schulabschluss machte Ueli Gegenschatz auf der Trogner Geschäftsstelle eines national tätigen Versicherungsunternehmens eine kaufmännische Lehre.

Schon im dritten Lehrjahr habe er alle Kunden in seiner Heimatgemeinde Wald selbständig betreut, erinnert sich Adrian Künzli. Nach einer kurzen Auszeit, die er sich zum Reisen nahm, kehrte er ins Unternehmen zurück. Der Kundenberater hielt seinem Arbeitgeber die Treue. Er arbeitete in einem 60-Prozent-Pensum, 40 Prozent waren für seine Leidenschaft, den Extremsport, reserviert.

Er arbeitete auch in der Nacht oder viele Stunden am Stück, um sich Zeit und Freiraum zu schaffen, als Extremsportler tätig zu sein.

«Ruhig und besonnen»

Kollegen erwähnen Ueli Gegenschatz' Ruhe und Gelassenheit. «Er war von Natur aus so», sagt Christian Sprecher, der als Kind ins gleiche Schulhaus ging. Einmal fuhren die Freunde an ein Fussballspiel nach Zürich.

Es sei nicht alles so gelaufen, wie gewünscht, da habe Ueli ausgerufen, erinnert sich Christian Sprecher. Solche Momente waren selten. Generell habe man immer zu ihm aufgeschaut, sagt Christian Sprecher.

Als «ruhig und besonnen» beschreibt ihn auch Ueli Merz, ein Schulkollege. Wie viele Kollegen hat er sich dem Versicherungsberater später als Kunde anvertraut und ihn dabei als stets «aufrichtig und ehrlich» erlebt.

Er sei einer gewesen, der nicht nur über die Vor-, sondern auch über die Nachteile gesprochen habe, so Ueli Merz.

In seinen Referaten, die Ueli Gegenschatz rund um den Globus hielt, rückte er die Frage «Wie überwinde ich meine Ängste?» immer wieder ins Zentrum. Engste Vertraute beschreiben Ueli Gegenschatz, der als Basejumper extreme Risiken einging, als «äusserst vorsichtigen Menschen». Der Ausserrhoder musste lernen, mit Ängsten umzugehen. Furchtlosigkeit war ihm nicht «angeboren».

Sein Kollege Bruno Meier erinnert sich an eine Anekdote: Er und Ueli Gegenschatz fuhren als Jugendliche mit ihren 50-Kubikzentimeter-Motorrädern mehrmals ins Tessin in die Ferien. Während Bruno Meier den Sprung von einer Klippe in die Tiefe wagte, weigerte sich sein Freund, dasselbe zu tun. Er sagte, der Sprung sei zu wenig sicher. Wenn Ueli Gegenschatz einmal der Meinung war «das will ich nicht!», habe er sich in nichts hineindrängen lassen, sagt Bruno Meier.

«Seinen Traum gelebt»

Die Arbeitskollegen schrieben dem 38 Jahre jungen Freund zum Abschied: «Ueli Gegenschatz hat in seinem kurzen, aber intensiven Leben sein Leben nicht geträumt – er hat seinen Traum gelebt. Tiefglücklich war er in seinem Element Luft.» Ueli Gegenschatz hinterlässt nebst seinen Eltern seine langjährige Lebenspartnerin und einen Bruder.

Ueli Gegenschatz (Bild: pd)

Ueli Gegenschatz (Bild: pd)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.