Überzahlspiel entscheidet

Fünfmal gleicht Herisau gegen die Gators aus. Ein ehemaliger Nationalspieler entscheidet die Partie in der Overtime für die Gäste. Ein Akteur erhält einen Assistpunkt, ohne gespielt zu haben.

Lukas Pfiffner
Merken
Drucken
Teilen
Herisaus Verteidiger Matthias Schwarz (links) setzt sich gegen den Rheintaler Pascal Frei durch. (Bild: pf)

Herisaus Verteidiger Matthias Schwarz (links) setzt sich gegen den Rheintaler Pascal Frei durch. (Bild: pf)

UNIHOCKEY. Bei aller Anspannung im stimmungsvollen und intensiv geführten 1.-Liga-Derby zwischen Herisau und den Rheintal Gators: Es gab in der dramatischen Endphase auch etwas zu lachen. «Wer hat das Tor geschossen?», fragte einer der Schiedsrichter nach Herisaus Ausgleich zum 9:9, 155 Sekunden vor Schluss der regulären Spielzeit. «90 auf Pass von 77», gab Herisaus Assistenztrainer Ruben Baumgartner artig Auskunft. Die Nummer 90 trägt Captain Adrian Knecht – er war tatsächlich der Torschütze. Die Nummer 77 gehört Ersatztorhüter Roger Holenstein. Der hinterliess somit mit einem Assistpunkt auf dem Matchblatt Spuren, ohne eine Sekunde gespielt zu haben.

Ostranskys sechster Punkt

Nach dem 5:4 in Bassersdorf ging also auch das zweite Herisauer Meisterschaftsspiel in die Überzeit. Die Perspektiven waren ausgezeichnet, besassen die Gastgeber doch die Aussicht, während 76 Sekunden mit fünf gegen drei und den Rest der Overtime mit fünf gegen vier zu spielen, weil sich die Rheintaler kurz vor Schluss des dritten Drittels eine 2-Minuten- und eine 5-Minuten-Strafe eingehandelt hatten. Die Ausserrhoder wirkten aber fahrig und zu wenig zielstrebig. Nach 125 Sekunden der Verlängerung entschied der freigespielte Martin Ostransky in Unterzahl die Partie für die Rheintaler. Es war an diesem Abend der sechste Skorerpunkt des langjährigen NLA-Spielers und ehemaligen tschechischen Internationalen. «Wir haben in Überzahl den Abschluss zu wenig gesucht», meinte Herisaus enttäuschter Trainer Steve Furrer. Man müsse das im Training anschauen.

«Jungs, good defense jetzt!», hatte Ostransky in einer Mischung aus Deutsch und Englisch nach drei Minuten des Mitteldrittels auf der Spielerbank gerufen. Es war ein nicht erhörter Wunsch. 5:2 führte seine Mannschaft zu diesem Zeitpunkt, weil die Rheintaler entschlossener wirkten. Genau drei Wechsel und 90 Sekunden brauchten die Herisauer nur, um den Ausgleich zu bewerkstelligen. Zum wichtigen Faktor wurde in dieser Phase Chläus Meier, der sich unter der Woche nicht in Herisau aufhält und im U21-Team von Wiler-Ersigen trainiert: Er kam wie Solenthaler und Gemperle erst nach der ersten Pause zum Einsatz, als das Trainerduo Furrer/Baumgartner weitgehend nur noch zwei Blöcke auf das Feld schickte.

Zwei starke Figuren

Seine Schussstärke und Dynamik trugen Meier drei Treffer ein. Die andere grosse Offensivfigur der Herisauer war Aldo Blaser, der reaktionsschnell in Unterzahl mit seinem vierten Tor (50.) die Ausserrhoder das einzige Mal in Führung schoss. Dass dieses 8:7 nur 30 Sekunden lang Bestand hatte, war nicht der letzte Beweis dafür, dass beide Teams im Abwehrverhalten wenig gefestigt wirkten. Auf Herisauer Seite mochte dazu beigetragen haben, dass sich im Cupspiel gegen Wasa eine Woche zuvor vier Spieler verletzt hatten und es zu Umstellungen gekommen war.

Herisau – Rheintal Gators 9:10 n. V. (2:4, 5:3, 2:2, 0:1) Sportzentrum – 130 Zuschauer – Sr. Bleisch/ Häusler. Tore: 8. Untersander (Papaj, Ausschluss Stern) 0:1. 8. Blaser (Jucker) 1:1. 8. Köppel 1:2. 15. Untersander (Papaj) 1:3. 16. A. Rüesch (S. Meier) 2:3. 20. Papaj (Ostransky) 2:4. 23. Untersander (Papaj) 2:5. 24. Ch. Meier (Gemperle) 3:5. 24. Blaser 4:5. 25. Ch. Meier 5:5. 27. Papaj (Ostransky) 5:6. 28. Ch. Meier (Solenthaler) 6:6. 29. Untersander (Ostransky) 6:7. 38. Blaser (L. Rüesch) 7:7. 50. Blaser (Ausschluss Wyss!) 8:7. 51. Ostransky (Tanner, Ausschluss Wyss) 8:8. 58. Untersander (Ostransky, Ausschluss Blaser) 8:9. 58. Knecht (Holenstein) 9:9. 63. Ostransky (Ausschluss Siegrist!) 9:10. Herisau: Nüssli; Huber, Wyss; Jucker, Wetter; S. Meier, Schwarz; Solenthaler; Germann, Knecht, Hug; Blaser, Hess, L. Rüesch; A. Rüesch, Stern, Waldvogel; Ch. Meier, Gemperle. Strafen: Herisau 3mal 2 Minuten, Gators 3mal 2 Minuten plus 1mal 5 Minuten (Siegrist).